Der Fern- und Reisebusmarkt wächst und wächst. Doch zuletzt machten immer wieder Berichte über Unfälle und Sicherheitsrisiken die Runde. Im vergangenen Jahr führte die Polizei Karlsruhe einige Schwerpunktkontrollen durch. Dabei blieb nur ein Bus unbeanstandet. Eine Fakt, der Sorge bereitet?

Der WBO, Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer, widerspricht dem und verweist auf Zahlen des TÜV sowie des Statistischen Bundesamtes. "Ich glaube, das Thema wird sehr viel aufgebauscht. Da sind auch immer wieder einige Fehlinformation dabei", so Klaus Zimmermann, Pressesprecher des WBO gegenüber ka-news. Dennoch sind die Zahlen der Polizei zumindest auf den ersten Blick alarmierend.
Im Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums Karlsruhe wurden im Jahr 2018 (Stand November 2018) 1.700 Busse kontrolliert, davon 880 beanstandet. Bei 314 Fahrzeugen wurden technische Defizite erkannt. Des Weiteren kam es zu 1.800 Verstößen (Mehrfachverstöße) gegen die Sozialvorschriften, also vor allem Lenk- und Ruhezeiten.
Ist der Bus das "sicherste Verkehrsmittel"?
"Die Fahrer stehen oft sehr unter Druck und halten deshalb die vorgeschriebenen Zeiten nicht ein", erklärt Sabine Doll, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Karlsruhe im Gespräch mit ka-news. Weitere Mängel wurden nach Aussage Dolls vor allem im technischen Bereich festgestellt, genauer gesagt an der Bremsanlage. Ferner gehörten zu den häufigsten Vergehen Mängel an Achsen, Rädern, Reifen, der Aufhängung sowie der Ladungssicherung.

"Die Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten sind für uns weniger ein Problem, dennoch gibt es auch hier leider Schwarze Schafe. Allerdings betrifft dies oftmals Fahrer, die, mit Reisebussen oder auch Kleinbussen aus dem Ausland kommend, teils schon viele Stunden ohne Pausen unterwegs sind", meint Zimmermann. Der Bus bleibt somit aus Sicht vom WBO "das sicherste Verkehrsmittel" auf deutschen Straßen, so Zimmermann. Genau das belegen auch die Zahlen (siehe ka-news Hintergrund). Doch woher kommen dann die hohen Beanstandungsquoten wie zuletzt in Karlsruhe?
"Bei den Kontrollen in Karlsruhe im Oktober wurden beispielsweise gezielt Fahrzeuge kontrolliert, bei denen Mängel am Fahrzeug zu erwarten waren", erläutert Zimmermann. Hier standen also vor allem Busunternehmen im Fokus, die bereits in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind. "Leider ist es so, dass diese Busse oftmals nicht in Deutschland zugelassen sind und entsprechend zwar die europaweit vorgeschriebene Hauptuntersuchung (HU) vorliegt, aber zwischenzeitlich entstehende Mängel, die bei der deutschen Sicherheitsprüfung auffallen würden, nicht beseitigt werden", erklärt Zimmermann.
Hohe Sicherheitsstandards
Die daraus resultierende hohe Durchfallquote wirft zwar ein schlechtes Licht auf die Branche, "trifft aber nicht die Wahrheit", ergänzt Zimmermann. Nach Aussage des WBO, die sich auf Zahlen des TÜV (Stand September 2018) stützen, sind lediglich bei 15,3 Prozent der bei der HU geprüften Busse erhebliche Mängel festzustellen. 72,5 Prozent bleiben ohne Beanstandung.

Neben der jährlichen Hauptuntersuchung, bei der die Fahrzeuge technisch komplett durchgecheckt werden, findet zudem alle drei Monate die sogenannte Sicherheitsprüfung (SP) statt, "wo dann ein Augenmerk auf Bremsen, Fahrwerk, Reifen oder Beleuchtung, sprich die wichtigsten Sicherheitsträger am Fahrzeug gelegt wird", erzählt Zimmermann gegenüber ka-news. Für weitere Sicherheit sorgen nach Aussagen des WBO zudem drei separate Bremssysteme, ABS sowie ein Tempobegrenzer auf 100 Stundenkilometer.
Flixbus sieht positive Entwicklung
Die Sicherheitsstandards in Deutschland sind also hoch. Zimmermann erläutert das am Beispiel eines Schulausflugs. Wenn dort ein technisch mangelhafter Bus mit abgefahren Reifen oder rostigen Türen ankommt, dann "schreien natürlich die Lehrer und Eltern: Was ist denn das für ein Busunternehmen? Mit dem fahren wir nie wieder. Wenn so etwas mehrfach vorkommt, dann kann der Busunternehmer seinen Betrieb dicht machen", betont Zimmermann.
Auch Marktführer Flixbus sieht die Entwicklung der Sicherheit auf dem deutschen Markt sehr positiv. "Tatsächlich kommen Unfälle mit dem Fernbus außerordentlich selten vor. So ist bereits jetzt die erfreuliche Entwicklung zu beobachten, dass einer deutlich gestiegenen Beförderungsleistung rückläufige Unfallzahlen im Omnibusverkehr gegenüberstehen und die Unfallquote bereits 2016 unter der von 2012 lag", so Pressesprecher Martin Mangiapia.

Die Flixbusse werden nach eigenen Aussagen immer wieder mit unangemeldeten Kontrollen durch den TÜV Süd Auto Plus auf Sicherheitsaspekte in Bereifung, Karosserie sowie Beleuchtung überprüft. Zu Verstößen gegen Lenk- und Ruhezeiten komme es nur selten: "Die gelegentlich festgestellten Verstöße im Bereich Lenk- und Ruhezeiten sind oftmals nur leichte Verstöße und regelmäßig technisch bedingt", wie Mangiapia versichert.
Nicht nur auf den Preis achten!
Doch schwarze Schafe gibt es auch in der Omnibusbranche. Deshalb empfiehlt Zimmermann den Kunden und insbesondere Schulen und Vereinen, nicht nur nach den billigsten Konditionen Ausschau zu halten: "Da würden wir uns wünschen, dass auch geprüft wird, wo sind denn Qualitätsmerkmale, sprich welches Unternehmen garantiert mir, dass das Fahrzeug einwandfrei, dass der Fahrer ausgeschlafen ist und nicht schon drei Stunden Anfahrt hat, bevor er an der Schule überhaupt ankommt, sondern dass es ein Unternehmen ist, das sich in der Nähe zur Schule befindet und das man kennt."

Auch wenn der Bus da ist, sollten Fahrgäste selbst einen prüfenden Blick wagen, ob beispielsweise die Laufflächen gleichmäßig abgefahren sind oder wie der Zustand der Reifenprofile ist: "Wenn aber zum Beispiel das Reifenprofil abgefahren ist oder gar, wie man so schön sagt, "im Hemd" daherkommt, dann kann irgendwas nicht stimmen", so Zimmermann. Wer etwas entdeckt, sollte daher sofort den Fahrer ansprechen, empfiehlt der WBO-Sprecher.
Die Fahrgäste selbst können ebenfalls zu höherer Sicherheit beitragen. Neben gefährlichen Stoffen oder Drogen und Waffen, die natürlich verboten sind, sollten sich Fahrgäste vor allem an die Anschnallpflicht halten, was leider nicht immer der Fall ist: "Da sieht man aber leider immer wieder, dass einzelne Personen während der Fahrt durch den Bus spazieren, stehenbleiben und ein Schwätzchen halten. Wenn der Fahrer dann aufgrund der Verkehrslage bremsen muss, besteht natürlich Verletzungsgefahr", sagt Zimmermann im Gespräch mit ka-news.
ka-news-Hintergrund
Das Unfallrisiko für Busse liegt nach Statistischem Bundesamt fürs Jahr 2017 bei 1,4 Prozent wohingegen es beim PKW bei 56,64 Prozent liegt. Im Jahr 2016 wurden 1.113 Menschen bei Busunfällen schwerverletzt, beim PKW fast 50.000. Mehr als 80 Prozent aller Busse erhalten vom TÜV eine Plakette. Davon sind 72,5 Prozent ohne Mängel. Bei 12,2 Prozent werden geringe Mängel festgestellt. Lediglich bei 15,3 Prozent sind erhebliche Mängel festzustellen (TÜV Stand September 2018).
Bei den Kontrollen der Polizei im Zuständigkeitsbereich des Regierungspräsidiums Karlsruhe wurden im Jahr 2018 (Stand November 2018) 1.700 Busse kontrolliert, davon 880 beanstandet. An 314 Fahrzeugen wurden technische Mängel festgestellt. Dabei wurden allein 1.800 Verstöße gegen die Sozialvorschriften begangenen. Hier geht es vor allem um Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten sowie nicht ordnungsgemäße Betreibung des Kontrollgeräts, um eben diese zu vertuschen. Es handelt sich dabei um Mehrfachverstöße. Ein Fahrer konnte somit mehrere Verstöße gleichzeitig begehen, die aber in der Polizeistatistik einzeln gezählt werden. Die Busunfälle (auch Linienbusse, aber keine Schulbusse enthalten) liegen für 2018 in etwa auf dem Bereich von 2016, wo es 36 Unfälle gab. Das ist im Vergleich zu 2017 ein leichter Anstieg (damals 25).