Autonomes Fahren - mit dem Auto unterwegs, ohne sich um Verkehr, Vorfahrtsregeln oder die sonstigen üblichen Aufgaben des Fahrens zu kümmern. Eine Sache, die ich bisher nur als Hollywood filmen kannte, doch nun wird sie Wirklichkeit. 

Fährt die Zukunft heute schon in Karlsruhe?

Denn in Weiherfeld-Dammerstock startet ab dem 22. April ein solches Projekt für die Öffentlichkeit. Alle Aufgaben, die sonst der Fahrer übernimmt, sollen hier vom Fahrzeug - dem EVA-Shuttle - gesteuert werden. 

Vor dem Test: Carsten Kitter vor dem EVA-Shuttle.
Vor dem Test: Carsten Kitter vor dem EVA-Shuttle. | Bild: Lars Notararigo

Reine Träumerei oder ist die Zukunft doch schon heute? Einen Tag bevor das Projekt für die Bürger Karlsruhes startet, konnte ich mich selbst von der Alltagstauglichkeit des kleinen Elektro-Shuttles überzeugen. 

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Auf den ersten Blick haut mich "Anna", der Name des Shuttles, mit dem ich unterwegs sein durfte ( die anderen beiden heißen "Ella" und "Vera") nicht gerade vom Hocker. 

Täglich per App buchbar

Denn "Anna" ist ein schätzungsweise 2,50 Meter langer, ein Meter breiter und 2,20 Meter hoher Kasten auf vier Rädern mit großen Fenstern und bietet coronabedingt Platz für drei Fahrgäste. Ausgestattet ist er an allen vier Kanten mit Sensoren und Kameras. Vom perfekten, windschnittigen Hightech-Fahrzeug aus "Minority Report" oder "I Robot" ist "Anna" also noch ganz weit weg. 

EVA Shuttle
Bild: Lars Notararigo

Aber: Man soll Bücher ja nicht aufgrund ihres Aussehens beurteilen und so steige ich neugierig mit einem Sicherheitsfahrer ein.

Moment... Ein Fahrer? Bei einem autonomen Fahrzeug? Das hatte ich mir dann doch anders vorgestellt, ein Sicherheitsfahrer muss aufgrund der aktuellen Gesetzeslage aber mit an Bord sein. 

EVA Shuttle
Bild: Lars Notararigo

So startet dann meine erste autonome Fahrt mit Sicherheitspersonal in der Nürnberger Straße. Leise - weil elektrisch - fädelt sich das kleine Shuttle in den fließenden Verkehr ein. In einem gemächlichen Tempo geht es dann Richtung Speyerer Straße. 

"Anna" fährt vorsichtig

Schon kurz nach dem Start fällt mir auf: Mit "Anna" zu fahren ist eigentlich wie mit dem Bus zu fahren, nur elektrisch, mit weniger Fahrgästen, aber genauso ruckelig. 

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In den engen Nebenstraßen des Karlsruher Stadtteils ist "Anna" recht vorsichtig unterwegs, fährt aber selbstständig an parkenden Autos vorbei und hält ausreichend Abstand. Auch an einer virtuellen Haltestelle in der Mainzer Straße hält "Anna" selbstständig an. Wie genau das aussieht, seht ihr im Video. 

Vorfahrtsregeln beachtet das autonome Shuttle selbst. Bis es aber dann wirklich erneut losfährt, muss die Lücke zwischen zwei heranfahrenden Autos doch recht groß sein. Auf jeden Fall größer als die Lücke, die ich für mich als Autofahrer als "problemlos ausreichend" bezeichnen würde. 

Abbiegen, einordnen alles autonom

Zurück auf der Nürnberger Straße geht es wieder Richtung Bushaltestelle und Wendehammer. Auch beim Abbiegen ordnet sich das Shuttle alleine auf die richtige Spur ein und lässt den Gegenverkehr durchfahren. Auch dazu gibt es ein Video. 

Zwar drückt der Sicherheitsfahrer während der Fahrt immer mal wieder einen Knopf oder dreht einen Schlüssel, aktiv eingreifen muss er während der Fahrt aber nur einmal und zwar um aktiv loszufahren, da eine offene Autotür "Anna" anhalten ließ, obwohl ausreichend Platz zum Ausweichen war.  Aus Sicherheitsgründen eingreifen musste der Fahrer nicht und ich fühlte mich auch zu jederzeit sicher. 

Fazit nach 15 Minuten?

So endet nach knapp 15 Minuten meine erste autonome und auch elektrische Fahrt. Mein Fazit?

EVA Shuttle
Bild: Lars Notararigo

Ich bin wirklich beeindruckt, wie ein Fahrzeug praktisch ohne Unterstützung im Straßenverkehr zurechtkommt. Zwar ist es langsam unterwegs und das ein oder andere Problem - wie die offene Autotür - tauchte dann doch auf, doch ich denke für den angedachten Zweck - die letzten Meter zwischen Haltestelle und Haustür - sind die kleinen Shuttles durchaus geeignet. 

Auch das kostenlose und mobile buchen per App ohne festen Fahrplan sind gute Argumente, um das Angebot zu nutzen. Mich als passionierten Autofahrer bringt das Konzept dann aber doch näher zum ÖPNV.

Ab dem 22. April werden drei solcher Shuttles in Weiherfeld-Dammerstock unterwegs sein.
Ab dem 22. April werden drei solcher Shuttles in Weiherfeld-Dammerstock unterwegs sein. ka-news.de testet für euch wie autonom die Fahrzeuge wirklich sind. | Bild: Lars Notararigo

Und da ich nicht in Weiherfeld-Dammerstock wohne und auch sonst keine Berührungspunkte mit dem Stadtteil habe, war die erste gleichzeitig wohl auch meine letzte Fahrt mit einem der drei Shuttles. Ausprobieren sollten es die Bürger aber auf jeden Fall. Aber: Zu 100 Prozent fahren die autonomen Shuttles (noch) nicht. 

Hier gibt es noch mehr Bilder vom Shuttle-Test

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