Das Ziel der Studie: Die UDV wollte nach eigener Aussage herausfinden, wie, wo und wann die verschiedenen Verkehrsteilnehmer in Unfälle mit Straßenbahnen verwickelt sind. Auch die Folgen sollten betrachtet und Maßnahmen vorgeschlagen werden. Erstmals habe man hierfür für Deutschland Straßenbahnunfälle derart umfassend untersucht, teilt die Unfallforschung mit.

Karlsruhe nimmt Spitzenrang in Statistik ein

In die Betrachtung fielen laut UDV etwa 4.100 Straßenbahnunfälle aus 58 deutschen Städten im Zeitraum von 2009 bis 2011 - das komme einer Vollerhebung gleich. Im Untersuchungszeitraum gab es dabei in Karlsruhe 62 Unfälle mit Schwerverletzten und Getöteten. Auf die Streckenlänge bezogen sieht die Studie die Fächerstadt damit an der Spitze der Städte Deutschlands, in denen Straßenbahnen unterwegs sind. Auf die Einwohnerzahl bezogen, liegt die badische Stadt auf Platz zwei.

Reihenfolge Stadt Getötete und Schwerverletzte pro Streckenkilometer Getötete und Schwerverletzte pro 10.000 Einwohner
1. Karlsruhe 0,9 2,09
2. Freiburg 0,72 1,04
3. Köln 0,68 0,93
4. Chemnitz 0,65 0,82
5. Magdeburg 0,59 1,62
6. Nürnberg 0,52 0,34
7. Augsburg 0,51 0,74
8. Düsseldorf 0,49 1,21
9. Dresden 0,49 1,22
10. Zwickau 0,48 1,1

Etwa drei Viertel der getöteten Verkehrsteilnehmer bei Unfällen mit Straßenbahnen sind Fußgänger. Radfahrer machen rund 16 Prozent aus. Fußgänger stellen mit 37 Prozent auch den weitaus größten Anteil der Schwerverletzten dar, gefolgt von Insassen in Pkw (28 Prozent) sowie Radfahrern (15 Prozent).

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass bei den wenigsten Unfällen (16 Prozent) die Straßenbahn der Hauptverursacher ist. In den meisten Fällen seien die Unfälle durch die Autos (45 Prozent) verursacht worden. Besonders betroffen seien dabei Kreuzungen und Einmündungen. "Auch die allermeisten Straßenbahnunfälle, bei denen Menschen verletzt werden, ereignen sich an Kreuzungen oder in deren direktem Umfeld (86 Prozent)", heißt es in der Studie weiter. Und was sagen die Karlsruher Verkehrsbetriebe zu den Ergebnissen?

Sind die Zahlen zu alt für eine Bewertung?

Man habe die Studie zur Kenntnis genommen, gibt Nicolas Lutterbach, Pressesprecher für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und die Albtal Verkehrs Gesellschaft (AVG) im Gespräch mit ka-news.de an. Gleichzeitig gibt er zu Bedenken, dass der betrachtete Zeitraum "nicht mehr topaktuell ist".

"Traurigerweise gibt es in genau diesem Zeitraum zwei Ausreißer in der Unfallstatistik", so Lutterbach. Vor allem 2010 sei ein unfallträchtiges Jahr gewesen. So sind im Januar bei einem der schwersten Unfälle in der ÖPNV-Geschichte der Fächerstadt ereignet. Bei einem Frontalzusammenstoß beim Kongresszentrum wurden dabei 35 Menschen verletzt. Nur wenige Wochen später kam es zu einem Auffahrunfall an der Europahalle, bei dem 25 Menschen verletzt wurden.

Grundsätzlich sei die hohe Unfallzahl auch auf die vielen Fahrtverbindungen zurückzuführen, die in Karlsruhe oft mit anderen Verkehrsteilnehmern kreuzen, so Lutterbach. So seien Vergleiche zwischen den Straßenbahnnetzen immer schwierig. Weiter betont der Pressesprecher: "Zudem wird in der Studie darauf hingewiesen, dass wer mit der Straßenbahn reist, sicherer reist als mit dem Auto."

Konkrete Empfehlungen - nur nicht für die einzelnen Städte

Auf die Frage, warum die Studie relativ alte Unfallzahlen beachtet, erklärt UDV-Leiter Siegfried Brockmann, Leiter: "Ende 2012 hatten wir alle Zahlen beieinander. Anschließend hat es drei Jahre gedauert, bis alle Unfälle kategorisiert und analysiert waren." Nur so habe Brockmann Empfehlungen ausarbeiten können, um künftig Straßenbahnunfälle verhindern zu können.

Die Resultate der Studie seien dabei nicht auf die betrachteten Städte selbst bezogen. Umstände, wie etwas das unfallträchtige Jahr für Karlsruhe, wurden in der Studie nicht weiter analysiert. Vielmehr wolle er mit der rund 200-seitigen Studie Empfehlungen für den Neu-, Um- und Ausbau von Straßenbahnstrecken geben, so Brockmann. Seine Empfehlung: Für die Gleise auf der Straße sei eine Führung in Seitenlage zu bevorzugen. Dort, wo ausreichend Fläche vorhanden sei, solle der unabhängige Bahnkörper bevorzugt werden.

 
Mehr zum Thema strassenbahnunfaelle: Straßenbahnunfälle in Karlsruhe