Es ist fraglich, ob es jemals ein Wahlergebnis gab, das alle Wähler zufriedenstellte. Auch Zoe Mayers Wahlsieg nach Erststimmen stößt in Karlsruhe auf eine gewisse Polarität in der Meinungsbildung. Während einige Karlsruher in ihr eine Repräsentantin der neuen Generation für zukünftige Belange sehen, werfen andere der 26-Jährigen genau dies vor: ihr junges Alter. 

Zoe Mayer, Fraktionsvorsitzende der Grünen
Zoe Mayer (26), Bundestagsabgeordnete der Grünen für Karlsruhe Stadt. | Bild: Grüne Karlsruhe

"Sie ist meiner Meinung nach zu jung. Das mag ein seltsamer Grund sein, aber man braucht einfach Lebenserfahrung in allen Bereichen, um im Bundestag zu sitzen und für ein ganzes Land mitzubestimmen, zu gestalten und zu kämpfen", sagt User Rene Beckert auf Social Media.

"Politiker sollten Lebenserfahrung haben"

Gerade mangelnde Lebenserfahrung sei für manche ein Ausschlusskriterium in der Politik. "Die Interessen des Volkes sollten von jemand vertreten werden, der auch eine gewisse Lebenserfahrung im Bereich Familie, Job und anderen alltäglichen Problemen mitbringt", schreibt User Dominik Mec.

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Diese Einschätzung ist allerdings nicht allgemeingültig. Für andere Leser habe ihr Alter nur wenig Aussagekraft zu ihrer Kompetenz und ihrer politischen Erfahrung: "Zoe Mayer war von 2010 bis 2014 Sprecherin der Grünen Jugend Karlsruhe. Bei den Kommunalwahlen 2014 wurde sie als jüngste Stadträtin in der Geschichte Karlsruhes in den Gemeinderat gewählt. Seit 2019 ist sie Fraktionsvorsitzende", so die Userin Bine Seifert.

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Mangelnde politische Erfahrung könne man ihr daher also nicht vorwerfen und auch ihre Fähigkeiten überzeugten einige Wähler: "Sie ist noch jung, kann aber richtig gut reden und wirkt ziemlich kompetent! Repräsentiert Karlsruhe auf jeden Fall besser als Wellenreuther", sagt der User Dominik Kunzmann. Wie die nicht-repräsentative ka-news.de-Umfrage ergab, fühlten sich einige Leser tatsächlich eher weniger von Ingo Wellenreuther repräsentiert und begrüßten die Wahlniederlage der CDU.

"Ich bin froh, dass Wellenreuther Geschichte ist"

So meint beispielsweise der ka-news.de-Kommentator Kommentar4711, er sei "sehr froh, dass Wellenreuther im Bundestag Geschichte ist". Dass "Herr Wellenreuther von Frau Mayer abgelöst wird, finde ich absolut in Ordnung", fügt User Gevatter hinzu, obwohl er sich selbst im selben Kommentar nicht als Grünenwähler bezeichnet.

Der Facebook-User Samuel Fasser greift das Thema Lebenserfahrung dabei auch bei Wellenreuthers Partei auf: "Eine CDU war 16 Jahre dran und man sieht, wie weit sie mit ihrer 'Lebenserfahrung' regiert haben."  

Wahlstudio im Karlsruher Rathaus
Ingo Wellenreuhter (CDU) war einer der ersten, der Zoe Mayer (Die Grünen) zu ihrem Wahlsieg gratulierte. | Bild: Thomas Riedel

Im Gegenzug gab es ebenfalls Wähler, die sich auch weiterhin lieber auf Wellenreuther und die CDU berufen hätten. "Herr Wellenreuther hat Karlsruhe in meinen Augen repräsentiert", schreibt die Userin Andrea Erlenbach. Auch weitere Kandidaten wären von einigen Wählern gerne an Mayers statt als Direktkandidaten gesehen worden. 

Parsa Marvi (SPD).
Parsa Marvi (SPD). | Bild: ka-news.de

Unter anderem User Dogukan Alacali halte Parsa Marvi von der SPD als Direktkandidaten für "um ein Vielfaches besser als Mayer oder Wellenreuther". Weitgehend gemeinsam hatten die Antworten der Leser allerdings den Respekt vor der demokratischen Entscheidung - selbst wenn sie nicht den eigenen Ansichten entsprach.

"Karlsruhe ist doch jetzt ganz gut vertreten"

"Es gibt bestimmt viele Kandidaten, die ich persönlich für wesentlich geeigneter als Mayer gehalten hätte, die Wahl erfolgte jedoch nach demokratischen Grundsätzen und die Mehrheit hat sich für sie entschieden, das ist schlichtweg zu akzeptieren", schreibt Ph Müller auf Facebook. Auf der anderen Seite findet die neue Konstellation an Abgeordneten auch durchaus Optimismus. 

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So fasst der ka-news.de-Nutzer SunCityKA seine Ansicht in folgendem Kommentar zusammen: "Karlsruhe ist doch jetzt ganz gut vertreten. Eine Grüne, die eine neue Generation repräsentiert, ein engagierter und sympathischer Sozialdemokrat, ein passabler Freidemokrat."

 
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