Peer Steinbrück hat jetzt einen Kombi-Karle. Das Maskottchen der Karlsruher Kombilösung überreichte ihm Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) am Freitagabend in Karlsruhe als "Andenken an die Stadt" und die vielen Baustellen, die "seine Anfahrt erschwerten."

Der SPD-Kanzlerkandidat war nach Karlsruhe gekommen, um "Klartext" zu reden. Über 500 Menschen - darunter viele SPD-Mitglieder - wollten hören, was der 66-Jährige zu sagen hat.

Er trank Wasser, keinen Pinot Grigio

Steinbrück trank Wasser, keinen Pinot Grigio. Er sagte nichts über das Kanzlergehalt, auch bezeichnete er keinen italienischen Politiker als "Clown", wie er es noch bei der ersten "Klartext"-Veranstaltung in Potsdam getan hatte. Dennoch sprach Peer Steinbrück deutliche Worte: "Es wird mit mir eine höhere Besteuerung von Privatvermögen geben", so Steinbrück. Das sei nötig, denn man benötige "dringend mehr Geld für Bildung, Kitas und Schulen".

Auch die Energiewende koste viel Geld. Zudem sei die Finanzlage der Kommunen "katastrophal". Die privaten Vermögen sollten daher stärker zur öffentlichen Finanzierung beitragen. "Wir wollen nicht alle Steuern für alle erhöhen, sondern einige Steuern für einige", so der ehemalige Bundesfinanzminister (2005 bis 2009).

Erste Amtshandlung: "Mindestlohn von 8,50 Euro einführen"

Auch verteidigte er die unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) umgesetzte Agenda 2010. "Wir hätten sehr viel selbstbewusster und stolzer damit umgehen müssen", betonte Steinbrück. "Wir sind Deppen, dass wir die Agenda immer mit Hartz IV gleichgesetzt haben."

Was seine erste Amtshandlung als Bundeskanzler wäre, wollte ein Juso-Mitglied wissen. "Erst einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro einführen", so Steinbrück. Dann gleiche Bezahlung für Männer und Frauen (Entgeltgleichheitsgesetz) durchsetzen und das Betreuungsgeld abschaffen. "Das wird dann das Gesetz mit der kürzesten Haltbarkeit in der deutschen Geschichte sein", so der gebürtige Hamburger. Das Betreuungsgeld soll ab Anfang August ausgezahlt werden - wenige Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September. Dieser Termin so kurz vor der Wahl sei eine "Unverschämtheit", polterte Steinbrück.

Für den Euro, gegen die D-Mark-Nostalgie

"Mehr Attacke! Nimm dir die Kanzlerin vor!", so ein Zuhörer und forderte einen schärferen Wahlkampf von Steinbrück. "Viele Menschen wollen keinen fetzigen Wahlkampf, wo ich randalierend auf Frau Merkel losgehe", so der Kanzlerkandidat. "Einfach mit Steinen werfen, reicht nicht. Hart in der Sache, aber mit Argumenten überzeugen. Kein Wahlkampf unter der Gürtellinie", sagte Steinbrück. Merkel liegt in aktuellen Umfragen weit vor dem Sozialdemokraten (26 Prozent für Steinbrück, 58 Prozent für Merkel).

Für den Euro, gegen die D-Mark-Nostalgie, so lässt sich Steinbrücks Plädoyer für Europa knapp zusammenfassen. "Wir müssen die Eurozone stabilisieren, denn wenn die Eurozone kippt, dann hat das negative Auswirkungen auf uns." Deutschland gehe es nur gut, wenn es den Nachbarländern gut gehe.

Absage an eine Große Koalition

Peer Steinbrück befürwortet zudem einen Antrag auf ein NPD-Verbot beim Bundesverfassungsgericht: "Aber der muss wasserdicht sein, sonst wäre das kontraproduktiv." Zudem sei mit einem NPD-Verbot alleine der Rechtsextremismus in Deutschland noch nicht besiegt, bemerkte er.

"Was passiert, wenn es nicht für Rot-Grün reicht? Wird es dann wieder eine Große Koalition geben?", fragte ein Zuhörer. "Nicht mit mir", machte Steinbrück deutlich. Insgesamt stellte sich der SPD-Kanzlerkandidat über zwei Stunden den Fragen der Bürger.

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