Einen Überblick nicht nur über den an diesem Wochenende zu legenden "Bypass", sondern ein Rundumschlag mit Rückblick, Ausblick und Fragerunde - nicht weniger versprach Oberbürgermeister Frank Mentrup dem Publikum. Und er hielt Wort. Margret Mergen, Erste Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), gab zunächst einen kurzen Rückblick auf die bisherige Entwicklung, Kasig-Projektleiter Uwe Konrath referierte über den aktuellen Stand der Bauarbeiten und Verkehrsbetriebe Chef Walter Casazza erläuterte die Konsequenzen der ab dem kommenden Wochenende geltende Vollsperrung der östlichen Kaiserstraße für den Fahrplan - soweit bekannte Fakten.

"Nicht blauäugig": Kostensteigerung von 495 auf 788 Millionen Euro

Der spannendere Teil folgte im Anschluss. Mit sichtlicher Freude ließ Frank Mentrup zunächst die kommenden Bauabschnitte per animierter Powerpoint-Präsentation über die Leinwand fliegen, gab einen Überblick über die bisher eingegangenen Anträge auf Entschädigung (288) und die bisher entstandenen Entschädigungskosten (2,030 Millionen Euro), bevor er sich größeren und für das Publikum wohl auch spannenderen Zahlen widmete: der Kostenentwicklung der Kombilösung: Beginnend mit 495 Millionen Euro, die 2002 veranschlagt worden waren über 648 Millionen Euro zum Dezember 2012 bis hin zu den voraussichtlich für Dezember 2013 veranschlagten 674 Millionen Euro zu einer Zahl, die zwar "realistisch" sei, aber eben dennoch erstmal - das betonte Mentrup mehrfach - "nur eine Prognose": 788,6 Millionen Euro Gesamtkosten im Jahr 2019. 

"Ich will nicht, dass mir 2019 jemand sagt, ich sei blauäugig gewesen", so der Oberbürgermeister. Rechne man allerdings die bisherige Entwicklung hoch, müsse man einfach mit Kosten von 566,3 Millionen Euro für den Stadtbahntunnel und weiteren 222,3 Millionen Euro für die Kriegsstraße rechnen. Beim Stadtbahntunnel sei man hier von einer Kostensteigerung von 3,5 Prozent ausgegangen, die sich aus einer normalen Baupreisentwicklung (2 Prozent) sowie Kosten für Unvorhersehbares (1,5 Prozent) zusammensetzen. Bei der Kriegsstraße habe man rückwirkend eine Steigerung von 2 Prozent angesetzt. "Insgesamt werden wir insgesamt zwischen 750 und 800 Millionen Euro liegen", so Mentrups mutige Schätzung. Dieser Wert sei auf Basis der bisherigen Erfahrungen realistisch. Allerdings stehe für Prognosen bewusst er ein - schließlich sei er kein Betriebswirt und könne daher etwas grober schätzen. 

Wie diese Kostensteigerung zustande kommen dürfte, erklärte Walter Casazza. Ein Grund seien Schlüsse aus dem Unglück beim U-Bahnbau in Köln, die auch Einfluss auf die Karlsruher Planung haben dürften. Überhaupt sei bis 2019 ist eine lange Zeit, "da muss man immer damit rechnen, dass noch etwas passiert", so der VBK-Chef.

Mentrup: "Wir brauchen kein neues Baustellenmanagement"

Nicht nur beim Thema Kosten sprach Mentrup Tacheles. "Was wir nicht brauchen, ist ein neues Baustellenmanagement", so der OB, der sich noch im Wahlkampf für eine deutliche Verbesserung an eben dieser Stelle ausgesprochen hatte. Hier sei er inzwischen allerdings klüger. "Tolle Experten" habe man bei Stadt und den übrigen beteiligten Stellen: "Wenn Sie wüssten, welche Baustellen alle nicht stattfinden, Ihnen würde Hören und Sehen vergehen", so Mentrup an das Publikum gerichtet. 

Wohl aber zu verbessern sei das Informationsmanagement. Bis Juni solle daher auch das Thema Kombilösung in die Behördenrufnummer 115 eingebunden sein. Hier liefen schon jetzt 17 verschiedene städtische Nummern zusammen - und das mit Erfolg. 86 Prozent der Anfragen könnten direkt beantwortet werden. Auch die Kombilösung solle hier künftig mitbedient werden. Informationsmaterial zur Kombilösung solle zudem vereinheitlicht werden und die Baustellenübersicht der Stadt im Internet um eine Baustellenprognose ergänzt werden, bei der man sich generell auch die geplante Baustellen für die kommenden Monate anzeigen lassen könne. 

Sperrung der Kaiserstraße muss im Zeitplan bleiben

Spannend dürften die kommenden Monate vor allem wegen der Sperrung der östlichen Kaiserstraße werden. Daran, dass man hier unbedingt im Zeitplan bleiben müsse, ließen Kasig-Projektleiter Uwe Konrath und Arbeitsgemeinschaft Stadtbahntunnel-Projektleiter Peter Dobler keinen Zweifel. "Dafür stehen Herr Dobler un ich gerade", so Konrath. Und wenn es trotzdem nicht klappt. "Dann wird es ein Notfallkonzept geben", so Konrath. Zum Weihnachtsgeschäft sei die Kaiserstraße wieder frei - in jedem Fall. 

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