Es passieren immer mehr Unfälle mit den Lastern, die Lebensmittel, Benzin oder andere Waren transportieren. Das geht aus der jährlichen Unfallstatistik der Polizei Karlsruhe klar hervor. Haben sich 2016 noch 476 Unfälle mit Lkws auf den Autobahnen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidium Karlsruhe (PPKA) ereignet, waren es 2017 gar 547 Unfälle. Das macht ein Plus von 14,9 Prozent.

Glücklicherweise konnte das PPKA einen Rückgang bei den Personenschäden verzeichnen: 186 Menschen wurden bei Lkw-Unfällen verletzt (2016: 208), davon 44 schwer, 139 leicht und drei Menschen starben bei den Unfällen. "Man muss es jedoch ins Verhältnis setzten: Es ist mehr Verkehr auf den Straßen unterwegs. Allein an der Zählstelle an der Autobahn bei Durlach haben wir im Schnitt 26.000 Lkw pro Tag", erklärt Lothar Batschauer von der Autobahnpolizei. Fazit: Der Verkehr nimmt zu, und auch die Unfälle mit den Lkw nehmen zu. Das ist quasi ein Teufelskreis. Doch hier springen die technischen Helferlein ein. 

Unfall auf der A8 bei Pforzheim-Ost
Ein Lastwagen fuhr im Januar 2018 auf der A8 in ein Stauende. | Bild: Igor Myroshnichenko

Bremssysteme können abgeschalten werden

Es sind nur ein paar kleine Sensoren, die fast unsichtbar verbaut sind - und doch könnten sie im Notfall Leben retten oder zumindest schwere Unfälle abschwächen. Sie messen den Abstand zum Vordermann und bremsen das Fahrzeug gegebenenfalls herunter. "Die Notbremssysteme an Lkws können auf jeden Fall helfen, die Technik ist soweit, dass die Laster sogar alleine fahren könnten", sagt Lothar Batschauer, Leiter der Autobahnpolizei im Gespräch mit ka-news. "Es ist der Faktor Mensch, der die Situation unberechenbar macht, so lange er die Systeme ausschalten kann!" Denn das ist das Fatale: Der Notbrems-Assistent ist zwar vorgeschrieben und fest verbaut, jedoch können die Fahrer ihn deaktivieren. 

Das könnte Sie auch interessieren

Seit November 2015 ist es gesetzlich vorgegeben, dass jeder Lkw, der nach diesem Stichtag zugelassen wurde, den Notbrems-Assistenten verbaut haben muss. Der bremst den Laster dann um 10 km/h ab - also von 80 auf 70 km/h. In einer weiteren Stufe wird das noch weiter ausgebaut: Ab dem 1. November 2018 werden Lkw um 20 km/h abgebremst. Doch das System wird gerne mal ausgeschaltet. Wenn es dann aber zu einem Unfall kommt, ist er heftiger als andere Unfälle mit Autos. "In 40 Prozent der Fälle werden diese Unfälle durch den Lkw-Fahrer selbst verursacht und oft ist der fehlende Abstand zum Vordermann", weiß Michael Uhrig, Technikexperte beim ADAC Nordbaden. 

Vor allem am Ende eines Staus kracht es besonders häufig. "Ein Stauende ist die gefährlichste Situation auf der Autobahn, denn der Bereich der von rollend auf stehend übergeht ist nur schwer einzuschätzen", sagt Lothar Batschauer gegenüber ka-news weiter. Wenn dann der Moment verpasst wird, das Auto oder den Laster abzubremsen, dann seien die Folgen gravierend. "Dann werden selbst Kleinlaster zermalmt!"

Tödlicher Unfall auf A8
Der Kleinlaster hat ein Stauende übersehen. Der Fahrer kam dabei ums Leben. | Bild: Igor Myroshnichenko

Ablenkung: Verstärkte Kontrollen der Polizei

Das Problem in seinen Augen sind diese Ausnahmen, bei denen Fahrer den Bremsassistenten ausschalten. "Im Augenblick ist das leider noch erlaubt", sagt Uhrig. Denn: Wenn der Fahrer überholen will, schaltet er die Technik einfach aus. So kann er näher auf den Vordermann auffahren, bevor er zum Überholen ausschert. "Situationsbedingte Unterbrechungen sind jederzeit möglich. Wir finden aber, dass sich der Assistent selbst wieder scharfstellen muss!" 

Die Abschaltbarkeit des Notbrems-Assistenten ist auch ein Problem, das die Dachser Logistikgruppe kritisch sieht. "Da muss aus unserer Sicht der Gesetzgeber handeln und die Möglichkeit dieses manuellen Eingriffs durch den Fahrer überdenken", sagt Bernd Großmann, Niederlassungsleiter im Dachser Logistikzentrum Karlsruhe gegenüber ka-news. Er bestätigt, dass schon seit einigen Jahren alle Sattelzugmaschinen mit Assistenzsystemen ausgestattet sind. "Denn die Verkehrssicherheit hat für uns und unsere Fahrer höchste Priorität!" 

Stau nach Lkw-Unfall auf der A5
Im April 2018 gab es auf der A5 einen Unfall bei Hagsfeld. Ein Lkw-Fahrer hat das Stauende übersehen und bei einem Ausweichmanöver krachte er in ein Baustellenfahrzeug. | Bild: Freiw. Feuerwehr Weingarten

Daher sieht der ADAC-Experte die Polizei weiterhin in der Pflicht: "Was man machen kann ist, dass die Beamten 'artfremde Arbeiten' am Steuer verstärkt kontrollieren könnten", sagt Michael Uhrig weiter. Das macht die Polizei auch immer wieder. "Ablenkung am Steuer ist ein ganz großes Thema", ergänzt Batschauer von der Autobahnpolizei. Er kennt auch die Gründe dafür: "Es ist nur menschlich: Wenn mehr Hilfssysteme verbaut sind, die einen entlasten, dann sucht sich der Fahrer Ablenkung wenn es langweilig wird, denn der Lkw könnte ja theoretisch alleine fahren!" 

Das könnte Sie auch interessieren

Aber noch sitzt ein Fahrer oben im Führerhaus, er ist das Glied zur Technik, so Polizist Lothar Batschauer. "Die Verkehrsmenge wird zum Problem, und auch wenn wir genügend Stauwarner aufstellen, eine 100-prozentige Sicherheit werden wir nie erreichen!" Daher ist es nur allzu verständlich, dass man ein mulmiges Gefühl bekommt, wenn man das letzte Auto im Stau ist und sich ein Lkw nähert. "Wenn es sich staut, dann sollte man die mittlere oder die linke Spur nutzen", sagt ADAC-Technikexperte Michael Uhrig gegenüber ka-news. "Und wenn das nicht geht, dann möglichst viel Abstand zum Vordermann halten - in der Hoffnung, dass dann nichts passiert!" 

Mehr zum Thema: 

Schwerer Unfall auf der A5: Lkw kracht in Baustellenfahrzeug (April 2018)

Lastwagen übersieht Stauende: Mehrere Tote bei Unfall auf A5 (Februar 2018)

Drei Verletzte bei Unfall auf A8: Autokran fährt in Stauende (April 2018)

Unfall auf A8: Transporter fährt ungebremst auf Lkw - Fahrer tot (März 2018)

Tödlicher Unfall auf A8: Sprinter rast in Stauende - Autobahn voll gesperrt (Februar 2018)