Mit einer 7-Tages-Inzidenz von 517,6 und einer Hospitalisierungsinzidenz von 6,3 befindet sich Baden-Württemberg in der "Top Ten" der Corona-Zahlen von ganz Deutschland. In Karlsruhe liegt der Wert bei 366,7 im Stadtkreis und 492,1 im Landkreis (Stand: 02.12.2021, 16 Uhr). Diese hohen Zahlen spiegeln sich auch auf den Stationen des Städtischen Klinikums in Karlsruhe wider.

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So sind aktuell 30 Patienten auf der Covid-Allgemeinstation und 11 Patienten auf der Covid-Intensivstation untergebracht. Zwei davon müssen künstlich beatmet werden. Damit sind im Klinikum insgesamt drei Corona-Stationen in Betrieb.

Mitarbeiter sollen mehr psychologische Betreuung erhalten

Das Problem: Sowie sich die Inzidenz aktuell darstellt, so heftig wird sich sie sich zirka zwei Wochen später auf den Corona-Stationen niederschlagen. Zwar verzeichne das Klinikum einen leichten Rückgang bei den Patienteneinlieferungen, sodass sogar von einer kurzen "Verschnaufpause" gesprochen wird, Entwarnung könnte aber noch nicht gegeben werden. 

Eine Medizinische Mitarbeiterin steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation.
Eine Medizinische Mitarbeiterin steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation. | Bild: Fabian Strauch/dpa/Illustration

"Wir gehen davon aus, dass wir zunehmende Patientenzahlen sehen werden", so der Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Franz Kehl. Der Grund: Je mehr auf der Covid-Normalstation liegen, desto größer ist der Druck, dass einige bald zu Intensivfällen werden.

Notfallsanitäter helfen bei Corona-Versorgung mit

Infolgedessen müsse viel Personalverschiebung stattfinden, um die Patienten entsprechend versorgen zu können. Das habe jedoch zum Beispiel auch Verschiebungen von wichtigen OPs zur Folge. "Wir sind langsam wirklich an der Grenze, wo wir nicht mehr viel Spielraum haben", so Kehl weiter.

Professor Doktor Franz Kehl, Facharzt für Anästhesiologie und Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Städtischen ...
Professor Doktor Franz Kehl, Facharzt für Anästhesiologie und Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin am Städtischen Klinikum Karlsruhe | Bild: Philip Dehm Fotografie

Das bestätigt auch die Pflegedirektorin Elvira Schneider: "Wir haben einen weiteren Bedarf an Mitarbeitern. In den Covid-Bereichen fallen auch die Mitarbeiter verstärkt aus, weil die Arbeit psychisch und physisch sehr belastend ist." Darum solle das Angebot an psychischer Betreuung verstärkt ausweitet werden.

Des Weiteren wurde  ein Pilotprojekt auf Initiative des Landratsamtes Karlsruhe und dem Deutschen Roten Kreuz eingeführt, bei dem fünf Auszubildende Notfallsanitäter eine Woche lang auf der Corona-Intensivstation aushalfen. Die Azubis wurden extra geschult und seien "in verschärften Phasen" erneut im Klinikum einsetzbar. Aber herrscht nicht schon seit Wochen eine "verschärfte Situation"?

Elvira Schneider, Pflegedirektorin am Städtischen Klinikum Karlsruhe
Bild: Gudrun de Maddalena

"Die Auszubildenden sind nächste Woche im Rettungsbereich, weil auch da die Notwendigkeit groß ist", so Schneider. Wann die Sanitäter wieder auf den Covid-Stationen im Klinikum zum Einsatz kommen werden, ist aber noch unklar. "Das wird sich noch zeigen. Wir führen dazu noch Gespräche", ergänzt Kehl.

42 Prozent der Corona-Patienten sind geimpft

Doch es gibt einen weiteren Punkt bei der Pressekonferenz am Freitag, der aufhorchen lässt. Laut Klinikum sind 54 Prozent der Corona-Patienten ungeimpft. Damit ergibt sich fast eine "Hälfte-Hälfte" Verteilung zwischen immunisierten und nicht immunisierten Patienten. Macht das die Impfung etwa wieder hinfällig?

Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III am städtischen Klinikum Karlsruhe.
Dr. med. Martin Bentz, Klinikdirektor Medizinische Klinik III am städtischen Klinikum Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

Nein, sagt da das Städtische Klinikum. "Weit über 80 Prozent aller Intensivfälle deutschlandweit sind ungeimpft. Dass geimpfte Personen auf der Intensiv landen ist die Ausnahme. Dabei handelt es sich zumeist um Menschen mit Vorerkrankungen oder mit einer Immun-Suppression. Zum Beispiel wegen einer onkologischen Therapie. Dann kann die Impfung nicht richtig funktionieren", erläutert Kehl.

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Martin Bentz, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, ergänzt: "Wir haben ja jetzt auch gelernt, dass die Impfstrategie mit zweimal impfen eine begrenzte Haltbarkeit der Antikörperspiegel hat. Bei der Biontech Impfung gehen die nach drei bis vier Monaten schon deutlich runter. Darum sind Booster-Impfungen der richtige Weg."

 

 

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