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Karlsruhe Über 1,3 Milliarden Euro und die Eröffnung Ende 2020 ist auch in Gefahr: Zeitplan der Kombilösung kaum zu halten

Es ist eine Jahrhundertaufgabe und ein Milliardenprojekt - die Karlsruher Kombilösung. Sollte zu Beginn der Bauarbeiten 2010 bereits 2016 alles fertig sein und die Bahnen unterirdisch fahren, stand schon lange fest, dass es erst Ende 2020 so weit sein wird. Doch nun verzögert sich die Inbetriebnahme des U-Strab-Tunnels erneut. Um mindestens ein halbes Jahr.

Knapp zwei Kilometer Bahntunnel verlaufen unter der Kaiserstraße, der Südabzweig misst etwa einen Kilometer. Beides sollte nach den ursprünglichen Zeitplänen 2016 in Betrieb gehen, die Innenstadt sollte bahnfrei werden. Mittlerweile steht der Zeitplan bei Ende 2020 und auch das ist in Gefahr. Der Grund: der Bauboom in Deutschland. Da wird es schwer, Firmen für die Bauarbeiten zu bekommen. 

Kombinews 29.03.19
Viele verschiedene Firmen sind mit dem Ausbau des Tunnel beauftragt. (Symbolbild) | Bild: Kasig

"Die Wahrscheinlichkeit, dass wir zwar die Fertigstellung im Jahr 2020 hinbekommen, aber auch die Inbetriebnahme noch schaffen, wo wir ein halbes Jahr Versatz für den Probebetrieb brauchen, die ist weiter gesunken", erklär Oberbürgermeister Frank Mentrup gegenüber ka-news. Erst im Herbst dieses Jahres könne man mehr Klarheit haben, wie der weitere Zeitplan für den U-Strab-Tunnel aussieht. 

"Worst-case-Szenario" eingetreten

Auch, dass die Kombilösung teurer wird - ganz zu Beginn waren von Kosten von 500 Millionen Euro die Rede - ist nun bekannt. "Wir müssen zugeben, dass wir unser 'worst case-Szenario' mit 1,3 Milliarden Euro aus dem letzen Jahr erreicht haben. Dazu kommt noch ein Risiko von 30 bis 100 Millionen, die eventuell über diese Obergrenze hinaus gehen", so Mentrup im Gespräch mit ka-news weiter.

Kombi-News 1. März 2019
Der Ausbau der unteriridischen Haltestellen läuft. Trotzdem kann sich die Inbetriebnahme des Tunnels verzögern. | Bild: Kasig

Auch hier führt das Stadtoberhaupt die Baukonjunktur an, beschreibt sie als "überhitzt". Hinzu komme die Menge an Anbietern, etwa 50 Firmen sind am Ausbau der unterirdischen Haltestellen beteiligt. "Außerdem haben wir nicht mehr die günstigen Rahmenbedingungen, wie wir sie vor ein paar Jahren hatten", erklärt Frank Mentrup. 

Trotz aller Widrigkeiten: Der Oberbürgermeister nennt zumindest für die Fertigstellung des Bahntunnels unter der Kaiserstraße und dem Südabzweig das Jahr 2020. Lediglich die Eröffnung und Inbetriebnahme könnte sich aktuell verzögern.

 

Das ka-news-Interview mit Frank Mentrup im Video: 

 

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  •   Beobachter
    (70 Beiträge)

    11.05.2019 13:38 Uhr
    U-Strab Verteufelung
    ich kenne keine "Groß"-Stadt in D mit einer unaktraktiveren Innenstadt. Die bisherige "Fußgängerzone" ist ein Witz von einem Witz. Hätte KA nicht so einen bescheuerten Grundriss wie den so berühmten Fächer, wäre der Tunnel sicher nie gekommen. Dieser Grundriss ist verantwortlich, dass es nicht eine vernünftige Durchfahrt in Nord/Süd Richtung gibt, auch keine wirkliche in Ost/West. Wie sieht die denn im Osten und im Westen aus?
    Um diesem Dilemma abzuhelfen war die U-Strab das einzige Mittel. Die aber könnte schon seit mehreren Jahren fahren. Hätte auch damals schon mehr gekostet, wäre aber im Vergleich schon fast vergessen.
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  •   Kruppstahl
    (922 Beiträge)

    11.05.2019 22:06 Uhr
    Na denn
    Welche vernünftige Durchfahrt von Nord nach Süd, bzw. Ost nach West wird denn durch das Milliardenloch geschaffen?
    Die Kaiserstraße als Flaniermeile ist durch die Baustellensituation von 10 Jahren so heruntergekommen. Der Onlinehandel trägt seinen großen Teil dazu bei. Da wird auch nach beendigung der Bauarbeiten keine Besserung zu spüren sein. Es wird nur noch Billigschrott, Handyläden, Dönerbuden-und Friseure geben.
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  •   Route66
    (1729 Beiträge)

    12.05.2019 11:24 Uhr
    Es wird genau
    das geben was die Karlsruher wollten.
    Nämlich alles billig und geiz ist geil. Da können sich keine guten Fachgeschäfte halten.
    Hatte letzte Woche wieder ein interessantes Gespräch: mein Gegenüber meinte recht bauernschlau: in Karlsruhe probiere ich die Sportschuhe an und kaufe sie dann im Internet, weil sie dort viel billiger sind. Ich bin ja nicht blöd, warum soll ich mehr bezahlen.
    Und genau das ist der Grund warum Karlsruhe diese Ramschbuden hat.
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  •   MACHTEL
    (66 Beiträge)

    11.05.2019 10:49 Uhr
    Unnoetig und teuer
    Bis alles mal fertig ist ist die angekuendigte Geschaeftsmeile laengst Vergangenheit.
    Ja neue Bestimmungen werden es nochmall verzoegern.
    Schaut auf Mannheim oder Freiburg.
    Die haben das ohne Tunnel schoen hinbekommen
    .und billiger wars allemal...
    Danke FENRICH...Kriegt ein Denkmal fuer Groessenwahnsinn auf Kosten der Buerger
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  •   Geflüchteter
    (1 Beiträge)

    11.05.2019 04:24 Uhr
    Viele hatten es schon kommen sehen
    Dass das Projekt am Ende viel teurer werden würde, konnte sich jeder denken, und ebenso dass es viel später als geplant fertig wird. Im Jahr 2002 wurden in Karlsruhe Werbeflyer verteilt, in denen geschrieben wurde, das Projekt sei zum Stadtgeburtstag 2015 fertig. Außerdem ist das Ganze sowieso Schwachsinn. Das Geld ist zum Fenster hinaus geworfen für einen gebauten Kapazitätsengpass. Statt unter offenem Himmel warten zu können, dürfen die Fahrgäste zukünftig im Keller mit dem typischen U-Bahn-Mief stehen, und auch die Gefahr einer Straftat ist dort unten wesentlich höher. Außerdem kann man nicht mehr einfach ohne Überwindung eines Höhenunterschiedes in die Bahnen steigen. Nun muss man Treppen laufen, Rolltreppen oder Aufzüge benutzen. Letztere sind meistens kaputt. Die U-Strab-Eingänge z.B. am Karstadt liegen den Fußgängern als dicker Klotz im Weg. Man hätte aus Karlsruhe nur ins 70 km entfernte Ludwigshafen fahren brauchen, um sich die Gruseligkeit von U-Bahn-Tunneln anzusehen.
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  •   DerSpinner
    (1986 Beiträge)

    10.05.2019 18:00 Uhr
    Wenn das Loch dann mal fertig ist,
    wird es vielleicht gar nicht betrieben werden dürfen. Schon vor fast 10 Jahren wurden die zu knapp bemessenen Fluchtwege kritisiert. Nach damaligem Stand des Brandschutzes wohl noch vertretbar. Aber 10 und mehr Jahre später?
    Selbst wenn der Brandschutz das anfangs noch durchwinken sollte, wäre da noch das Kapazitätsproblem.

    Leute, da kommt noch ein ganz dicker Hund. "Worst case" wird noch ein verniedlichender Ausdruck für das sein, was im Endeffekt auf dem Tisch liegen wird.

    Jetzt zerreißt meine Aussage, genauso wie das was ich schon früher geschrieben habe. Bisher traten all meine Prognosen ein.
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  •   dipfele
    (5270 Beiträge)

    10.05.2019 18:32 Uhr
    Dem kann nur zugestimmt....
    … werden. Und wenn man den Nutzen für die Fahrgäste mal betrachtet. Erstmal müssen die aus 15 Metern tiefe nach oben krabble, zweitens brauchte die bahnen zwischen Mühlburger Tor und Durlacher Tor vor Baubeginn 10 Minuten. Wieviel ist die bahn im Tunnel schneller? Dann passieren in der FuZo so gut wie keine Unfälle (mir ist keiner bekannt) zwischen bahn und Fussgänger, aber im Schnitt passieren auf den Zulaufstrecken zum Tunnel im Jahr etwa 130 Unfälle. Und die stören alle den Tunnelbetrieb. Wer über eine Stunde auf wackeligen Gleisen von Heilbronn oder Freudenstadt nach KA City fährt, dem kommts nicht auf eine Minute weniger Fahrzeit an, die dann durch das Treppensteigen mehr als aufgefressen wird.
    Schlimm nur, dass unsere Volksvertreter die Zusammenhänge nicht erkennen wollten und jetzt die Ahnungslosen spielen, das Tunneldesaster tabuisieren.
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  •   udoh
    (1752 Beiträge)

    10.05.2019 15:18 Uhr
    Ergebnis eines besonderen Demokratieverständnisses
    Ob Erdowan das "wenn mir das Ergebnis nicht passt, wird genau so lange abgestimmt bis ich meinen Willen bekomme" vom Demokratiegurkenträger Fenrich abgekupfert hat? Natürlich sehe ich unsere(n) ex. OB(s) nicht in einer so verheerenden Ecke, aber:
    Hätte man im Rathaus den Bürgerentscheid und somit den Willen der eigenen Leute immerhin mit ca. 2/3-Mehrheit gegen so einen Hohlkörper einfach geschluckt und akzeptiert, hätte man wahrscheinlich längst eine preiswerte Lösung gefunden. Aber WER ZAHLT und muss die KOMBIPROBLEME jahrelang auf der gekrümmten "Zielgeraden" schlucken? Jedenfalls nicht die verantwortlichen, sprücheverbreitenden Politiker!
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  •   Holzbierebub
    (58 Beiträge)

    10.05.2019 14:17 Uhr
    Seit Jahren ist für Alles
    und Jeden scheinbar unbegrenzt Geld da, ist dann doch egal ob das Ding 1, 2 oder 5 Mrd. kostet.
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  •   Robina
    (202 Beiträge)

    10.05.2019 09:44 Uhr
    Warnungen gab es genug!
    Stellungnahmen der Stadträte 2017 zur Kombilösung:

    [quote=Stadtrat Wenzel]Stadtrat Jürgen Wenzel von den Freien Wählern sieht sich in seinen Befürchtungen bestätigt. Er wundert sich nach eigener Aussage nicht über die nun vorgestellte neue Kostenberechnung der Kombilösung. "Der damalige Oberbürgermeister Heinz Fenrich versprach den Bürgerinnen und Bürger zum Bürgerentscheid zur Kombilösung, dass der Eigenanteil der Stadt Karlsruhe zirka 80 Millionen Euro und die Gesamtkosten knapp 500 Millionen Euro betragen würden" so Wenzel. Diese Zahlen seien von Anfang an nicht realistisch gewesen.

    "Warnungen der Freien Wähler hinsichtlich einer Kostenexplosion wurden überhört und von den Befürwortern der Kombilösung zur Seite geschoben" so Wenzel. Wenn man etwas aus der Kombilösung lerne, dann leider nur aus den Fehlern. "Heute wissen wir: Der Eigenanteil der S
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