Im Sommer, da geht es einigermaßen mit dem Schlafen unterm freien Himmel. Es ist warm, die Temperaturen unterschreiten bestimmte Grenzen nicht. Aber bis zum Winter muss Günter Hoppe endlich eine Wohnung gefunden haben. Sonst muss er sich vielleicht doch in ein betreutes Wohnen begeben. Dabei ist ihm, das merkt man schnell, seine Autonomie extrem wichtig. Er will unabhängig bleiben und sein eigener Herr sein. Betreutes Wohnen passt da eigentlich nicht ins Konzept.

Als junger Mann  hat er Kontakt zu Christian Klar und Gudrun Ensslin

Oft ist Günter Hoppe im Pater-Pio-Haus in Mühlburg, zusammen mit anderen Obdachlosen, und trinkt eine Tasse Kaffee oder liest Zeitung. Ganz entspannt sitzt er da, ein Mann mit Uferglatze und roter Brille, und scheint völlig in sich selbst zu ruhen. Von außen klingt der Lärm der Baustelle herein. Und dann fängt Hoppe an, mit rauer Stimme, zu erzählen.

Davon, wie er in den 1950er-Jahren in Durlach aufwächst, sein Vater stirbt, als er sieben Jahre alt ist, und wie die Mutter sich 1995 aufhängt. Er macht eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann, hat in dieser Zeit kurz Kontakt mit Christian Klar und Gudrun Ensslin. Aber: "Ich hasse Gewalt", sagt Hoppe - er besucht bald keine Veranstaltungen mehr in Durlach von den späteren RAF-Terroristen.

Hoppe bereist Indien und Afghanistan, lebt zwei Jahre in der Türkei

Kurze Zeit später bricht Hoppe die Wirtschaftshochschule ab, beendet aber 1979 eine Lehre als Winzermeister. Ein paar Jahre ist er mit einer damaligen Kurdin verheiratet - noch heute ist er der türkischen Sprache mächtig. Er schlägt sich ein paar Jahre lang mit Gelegenheitsjobs durch, setzt sich mit Philosophie auseinander. Besucht Länder wie Indien und Afghanistan. Zwei Jahre lebte er in der Türkei. Seit der Jahrtausendwende ist er wieder in Karlsruhe.

Dann, am 2. Mai diesen Jahres, meldet sein Vermieter plötzlich Eigenbedarf für seine Wohnung an. Hoppe sagt, innerhalb von 14 Tagen sei hinausgeworfen worden. Daher packt er seine Sachen - und sitzt auf der Straße. Momentan schläft er im Garten eines Bekannten, lebt von Hartz IV und kleinen Gelegenheitsjobs. Wenn er so erzählt, dann wirkt er wie einer, der weit gereist ist, aber nur noch an seinem Ziel ankommen möchte. Er hegt keine großen Träume, er will nur "eine Wohnung haben".

Sein Traum: ein Zimmer in Durlach

Ein Zimmer in Durlach, dem Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist, das ist sein Traum. Doch der Weg dahin, so scheint es, ist weit. Hoppe klagt über den Papierkrieg mit den Behörden, der es ihm zusätzlich schwer mache. Die Kirche helfe ihm nicht weiter, auf religiösen Input könne er verzichten. "Es gibt keinen Himmel", erklärt er. Und wenn Hoppe diesen Satz sagt, dann klingt das nüchtern, irgendwie sehr realitätsnah - und doch nicht ganz hoffnungslos. Denn er träumt weiter vom eigenen Zimmer: "Ich hoffe, dass ich es über persönliche Kontakte irgendwie bekommen kann".

Siehe auch:

Nur kurz die Welt retten oder: Sozialer Dienst in der Karlsruher Südstadt

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