Das Genehmigungsverfahren war schon seit einiger Zeit abgeschlossen, nur die Genehmigung zur Aufbewahrung der VEK-Glaskokillen im Zwischenlager Nord in Greifswald-Lubmin fehlte noch. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat diese nun am Dienstag erteilt.

Karlsruher Atomsuppe wird eingeschmolzen und verglast

"Nun ist sichergestellt, dass die in der VEK produzierten Glaskokillen auch an ihren Bestimmungsort transportiert und dort zwischengelagert werden können. Damit konnte auch der Verglasungsbetrieb in der VEK genehmigt werden", erklärte Umweltministerin Tanja Gönner. Mit der Verglasung des hochradioaktiven Flüssigabfalls aus der Betriebszeit der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK) sei das letzte Hindernis auf dem Weg zum vollständigen Rückbau der Wiederaufarbeitungsanlage beseitigt worden (siehe auch: "Biotonnen werden gereinigt, Nuklearanlage rückgebaut").

Mit der zweiten Teilbetriebsgenehmigung für die VEK kann der hochradioaktive Flüssigabfall ("HAWC" = "High Active Waste Concentrate"), der aus der Betriebszeit der Wiederaufarbeitungsanlage in Karlsruhe stammt und seitdem dort in großen Behältern lagert, in Glas eingeschmolzen werden. Damit werde der Abfall, rund 60.000 Liter vor allem in Salpeter gelöste Abbrandprodukte sowie nicht abgetrenntes Plutonium (zirka 16 Kilogramm) und Uran (zirka 500 Kilogramm), in eine "sichere und endlagerfähige Form überführt", wie das Ministerium schreibt. Mit dieser Teilbetriebsgenehmigung können zunächst administrative und organisatorische Maßnahmen umgesetzt werden und die VEK an die Lagereinrichtungen der WAK angeschlossen werden.

Der Steuerzahler übernimmt einen Großteil der Kosten

Danach könne die Verglasung des HAWC aufgenommen werden. Nach Angaben des Betreibers sei davon auszugehen, dass bis Mitte des Jahres die erste hochradioaktive Kokille produziert werden kann und der Betrieb bis Ende 2010 andauert. Im Anschluss daran soll dann die VEK außer Betrieb genommen werden. Danach werde der Rückbau der WAK einschließlich VEK in mehreren Schritten bis zur "Grünen Wiese" erfolgen.

Neben Atomkraftgegnern hatte auch der Bund der Steuerzahler (BdSt) immer wieder Kritik an dem jahrelangen Gezerre um den WAK-Rückbau und die Inbetriebnahme der Verglasungsanlage geübt. Die Kosten mussten immer wieder nach oben korrigiert werden, nicht zuletzt wegen der auf das Fehlen der jetzt erteilten Genehmigung zurückzuführenden Verzögerungen. Ursprünglich geplanter Starttermin für die Verglasung war 2006; zu diesem Zeitpunkt war die Anlage bereits startbereit.

Besonders ärgerlich aus Sicht der Kritiker: Die Verursacher des Mülls sind seit Jahren aus der finanziellen Verantwortung. Bund, Land und die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen als Träger der WAK hatten zur Finanzierung des Rückbaus einen Fonds in Höhe von 1,9 Milliarden DM eingerichtet. Bis heute aber belaufen sich die Gesamtkosten auf 2,6 Milliarden Euro. Die WAK Rückbau- und Entsorgungsgesellschaft wird zu 91,8 Prozent vom Bund, zu 8,2 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert; der Anteil der Atomwirtschaft wurde einst auf eine Milliarde DM gedeckelt.