27. April, Korallen-Engpass wurde "Kalli" zum Verhängnis

Die Trauer um den toten Haifisch aus dem Naturkundemuseum Karlsruhe ist auch einen Tag nach dem Ereignis noch deutlich präsent. Allerdings soll es nun einen ersten Anhaltspunkt geben, warum der Hai sich in dem Riff tödlich verletzte. Wie uns der Leiter des Vivariums, Johann Kirchhauser, in einer E-Mail mitteilt soll sich mittlerweile eine Zeugin bei dem Museum gemeldet und den dramatischen Verlauf geschildert haben.

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Demnach sei "Karla" während der Verfolgungsjagd plötzlich nach oben geschwommen. Kalli habe versucht auszuweichen und sei "unglücklich" auf der plattenförmigen Steinkoralle auf dem Riffdach gelandet. Dort sei das Tier zunächst steckengeblieben und nach fünf Minuten benommen zu Boden gesunken. Daraufhin wurde die Rettungsaktion eingeleitet. Mit anderen Worten: Der "Ausweichweg" war für Kalli nicht ausreichend.

Vor diesem Hintergrund hat Kirchhauser sich bereits Gedanken darüber gemacht, wie solche Ereignisse verhindert werden können.

Johann Kirchhauser ist der Leiter des Vivariums im Naturkundemuseum Karlsruhe. Hier hält er den verstorbenen Haifisch "Kalli".
Johann Kirchhauser ist der Leiter des Vivariums im Naturkundemuseum Karlsruhe. Hier hält er den verstorbenen Haifisch "Kalli" in seinen Armen. | Bild: Naturkundemuseum Karlsruhe

"Das Hauptproblem war ein Engpass, bei dem auf der Ausweichstrecke die Platten einer Koralle in den letzten sechs Jahren so groß und massiv gewachsen waren, dass Kalli darin stecken blieb. Man könnte fast sagen, dass ihm das gute Wachstum dieser großen Koralle zum Verhängnis wurde", schreibt der Aquarianer in einer E-Mail an die Redaktion.

Am vergangenen Dienstag wurde der Blaupunktrochen namens "Flecki" ins Haibecken gesetzt.
Archivbild: Ein Blaupunktrochen wird ins Haibecken gesetzt. | Bild: Naturkundemuseum Karlsruhe

Die Konsequenz: Derartige Stellen müssen künftig mit anderen Korallen besiedeln werden. Zum Beispiel Weichkorallen, die sich in so einem Fall zur Seite biegen. Auch dünnästige Korallen, die bei so einem Vorfall einfach abbrechen, wären möglich. 

"Wichtig ist, dass ohne viel Aufwand der Weg frei werden muss", so Kirchhauser abschließend. Ob ein mögliches Liebesspiel tatsächlich der Grund für die Verfolgungsjagd war, konnte bislang noch nicht geklärt werden.

26. April, Hai "Kalli" nach Verfolgungsjagd gestorben

Es ist Montagmittag, als sich das Unglück im Karlsruher Naturkundemuseum ereignet. Die seit dem Jahr 2019 zusammenlebenden Haie, Kalli und Karla, liefern sich in "Deutschlands größten lebenden Korallenriff" eine wilde Verfolgungsjagd. Nur kurze Zeit später wird Johann Kirchhauser, Leiter des Vivariums im Naturkundemuseum Karlsruhe, hinzugerufen. Der Grund: Kalli steckt mit der Schnauze im Korallenriff fest. 

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Liebesrausch oder Erschrocken? Ursache noch unklar

Nur wenig später verstirbt der Hai in den Armen des 62-jährigen Meerwasseraquarianers, nachdem er das verletzte Tier aus dem Korallenriff befreit hat. Aber warum jagte Kalli seiner Gefährtin überhaupt derart hinterher? Auf Nachfrage der Redaktion gibt Kirchhauser zu, so wirklich geklärt ist die Ursache noch nicht.

Der tote Hai hat deutlich sichtbare Verletzungen davongetragen.
Der tote Hai hat deutlich sichtbare Verletzungen davongetragen. | Bild: Naturkundemuseum Karlsruhe

"Es kann sein, dass hier Frühlingsgefühle mit im Spiel waren oder, dass ein Blitz das Tier aufgeschreckt hat. Das bedarf natürlich weiterer Klärung", sagt der 62-Jährige. Um dieser Frage nachzugehen, sollen nicht nur die Aufnahmen des Live-Videos aus dem Meeresaquarium ausgewertet werden. Auch eine Befragung der Besucher, die den Vorfall beobachtet haben, könne sich Kirchhauser vorstellen. 

Bekommt das Naturkundemuseum einen neuen Hai?

Darüber hinaus müssten auch die durch Kalli verursachten Schäden im Meeresaquarium beseitigt werden. "Er hat einiges von den Korallen kaputt gemacht, wir müssen da jetzt erst einmal die Lage checken", so der Vivarium-Chef. Bezüglich einer Umgestaltung des Beckens, um derartige Vorfälle zu vermeiden, erwidert er: "Die Tiere leben auch in der Natur in solchen Umgebungen. Noch 'haifischfreundlicher' wäre es nur, wenn wir das Becken leermachen."

Die Schwarzspitzenriffhaie "Kalli" und "Karla" im Naturkundemuseum Karlsruhe.
Hier schwimmen die Schwarzspitzenriffhaie "Kalli" und "Karla" noch im Meereswasserbecken des Naturkundemuseums Karlsruhe. | Bild: Mathias Vielsäcker/ Naturkundemuseum Karlsruhe

Hinsichtlich der Folgen für den übrig gebliebenen Haifisch kann Kirchhauser aber Entwarnung geben: "Kalli war am Anfang auch alleine, sogar, bevor er zu uns kam. Haie dürfen da nicht zu sehr vermenschlicht werden. Die kommen auch ganz gut ohne Partner aus." Dennoch sei das Museum nicht abgeneigt, Karla in Zukunft mit einem neuen Haifisch in Karlsruhe zusammenzubringen. 

"Wir müssen das Erlebte erst einmal verarbeiten. Einen neuen Hai zu holen eilt nicht. Aber, wir strecken bereits unsere Fühler aus."