Warum habe ich zwei Stimmen?

Mit dem Eintreffen der Wahlbenachrichtigung per Post erhält jeder volljährige Bürger zwei Stimmen zur Bundestagswahl. Doch warum eigentlich zwei, wo man doch meinen möchte, dass eine Stimme pro Partei vollauf genüge? Dies hänge laut der Bundeszentrale für Politische Bildung (BPB) damit zusammen, dass jeder Wähler sowohl für die Kandidaten seines Wahlkreises als auch direkt für eine Partei stimmen können solle.

Was ist die Erststimme?

Insgesamt 299 Wahlkreise sind über die Bundesrepublik Deutschland verteilt. Karlsruhe Stadt und Karlsruhe Land sind jeweils einer davon. Jeder Einzelne stellt einen Abgeordneten an den Bundestag in Berlin, der über die Erststimmen gewählt wird. Wer die meisten Erststimmen eines Wahlkreises einholt, erhält ein sogenanntes Direktmandat und zieht damit auf jeden Fall nach Berlin, alle anderen Kandidaten gehen vorerst "leer aus".

Thomas de Maizière rät: Lieber ein Kreuz zu viel als gar nicht wählen gehen.
(Symbolbild) | Bild: Sebastian Gollnow

Jedes Direktmandat habe nach deutschem Wahlgesetz das Recht auf einen Sitz im Bundestag. Dieses System solle sicherstellen, dass "jeder Wahlkreis innerhalb des Bundestages vertreten ist". Über diese 299 Direktmandate wird nun die Hälfte der insgesamt 598 Sitze im Bundestag gefüllt. Wie viele dieser 598 Sitze einer Partei insgesamt zustehen, darüber entscheidet wiederum die Zweitstimme.

Was ist die Zweitstimme?

Die Zweitstimme sei ungeachtet ihres Namens die wichtigere der beiden Stimmen. Sie wählt keinen direkten Kandidaten, sondern bestimmt, wie viele Sitze eine Partei innerhalb des Bundestages erhält.

Ein Wahlzettel wird in eine Wahlurne gesteckt.
Ein Wahlzettel wird in eine Wahlurne gesteckt. | Bild: Bernd Weissbrod/Archiv

Damit die Abgeordneten einer Partei in den Bundestag einziehen können, müssen ihnen immerhin zunächst Sitze zustehen. Dabei müssen die Parteien mindestens fünf Prozent der deutschlandweiten Zweitstimmen erhalten haben oder ihre Stimmen verfallen.

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Die in der Wahl gewonnenen Sitze werden nun - neben den Direktmandaten - auch mit den Kandidaten der Landesliste befüllt. In dieser Landesliste stehen die von den Parteien für den Bundestag bestimmten Kandidaten, die die entsprechenden Sitze befüllen.

Da nun aber jeder durch Erststimmen gewählte Kandidat ein Recht auf einen Sitz im Bundestag hat, kann es nun vorkommen, dass eine Partei mehr Sitze füllt, als ihr durch die Zweitstimmen zustehen.

Was sind Überhangs- und Ausgleichsmandate?

Sollten nun durch Erststimmen mehr Direktkandidaten einer Partei gewählt werden, als durch Zweitstimmen Sitze vorhanden sind, müssen ihnen von Rechts wegen zusätzliche Sitze zur Verfügung gestellt werden. Sie erhalten damit ein über die Zweitstimmen hinausgehendes Mandat - ein "Überhangmandat". 

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Bis 2009 war es möglich, dass eine Partei durch diese Überhangmandate effektiv mehr Sitze innerhalb des Bundestags besetzen konnte als andere Parteien mit höherem Zweitstimmenanteil. Durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes wurde diese potenzielle Verfälschung jedoch zur Wahl 2013 eliminiert. Nun müssen die Überhangmandate innerhalb des Bundestages ausgeglichen werden.

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Das heißt: Kommt es zu Überhangmandaten wird die Zahl der Sitze im Bundestag so lange erhöht, bis sie mit den Prozentzahlen der Zweitstimmen übereinstimmen. So können verschiedene Parteien für jedes Überhangmandat einer gegnerischen Partei zusätzliche Abgeordnete in den Bundestag schicken - sogenannte "Ausgleichsmandate".

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