Es gibt sie selten, aber es gibt sie: Harmonie und Einigkeit über die Fraktionen hinweg im Karlsruher Gemeinderat. So geschehen bei einem aktuellen Antrag zur "Sichtbarmachung der Fundamentreste der Konkordienkirche" von CDU, Grüne, SPD, KAL, FDP und GfK. "Diese archäologischen Funde sind ein Zeugnis der Stadtgeschichte von Karlsruhe" sind sie sich einig und wollen mit ihrem Antrag den kleeblattförmigen Kirchengrundriss "sichtbar und erlebbar machen".

Nach Aussage der Stadt, wurden die südlichen Fundamente vor ihrem Rückbau durch die Denkmalschutzbehörde dokumentiert. Auf der westlichen und nördlichen Seite seien keine mehr vorhanden. Blieben noch die Fundamente im östlichen Bereich - sie liegen laut Stadt in der Tiefe von zirka einem Meter. Man will sie nach Abschluss der Bauarbeiten in zirka zwei Jahren nochmals untersuchen.

Die Stadt Karlsruhe will nun zwei Alternativen prüfen lassen, verkündet sie in einer Stellungnahme. Denkbar wäre sowohl eine oberirdische, als auch eine unterirdische Präsentation der Kirchenüberreste. Wie sich eine mögliche Sichtbarmachung mit dem neu gestalteten Marktplatz vertragen könnte, soll nun das Architektenbüro "Mettler Landschaftsarchitektur Berlin" prüfen. Aus ihrem Haus stammt der Siegerentwurf zur Neugestaltung des Marktplatzes.

Entwurf zur Neugestaltung muss geändert werden

Gleichzeitig stellt die Stadtverwaltung jedoch klar: "Diese Maßnahme würde in direkter Konkurrenz zum Entwurf stehen." Da dieser eine "durchgängig gestaltete symmetrische Platzanlage" mit einem Mosaikband als" ordnendes und dekoratives Element" vorsieht, würden "weitere gestalterische Elemente die klare und elegante Wirkung stören". Konkret gewünscht wird von den beteiligten Parteien im Antrag die Sichtbarmachung der Überreste durch eine Glasfläche im Boden als auch des Grundrisses im Bodenbelag.

Die Stadt dämpft jedoch die Erwartung: "Es ist zu erwarten, dass die Fundamente im östlichen Bereich asymmetrisch zur Pyramide liegen und somit in erheblichen Widerspruch zur klassizistischen Gestaltungsidee des Marktplatzes und seiner umgebenden Bebauung stehen."

Eine zweite Alternative bestünde in der Präsentation der archäologischen Funde im Bereich der unterirdischen Haltestelle. "Das wäre im Bereich des Eventraumes über Gleis 3 denkbar", äußert sich Stadt. Man werde das in Zusammenarbeit mit der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) prüfen.

Konkordienkirche muss Stadtausbau weichen

In voller Pracht stand die Konkordienkirche 1722 bis 1807 - dann fiel sie einer Baumaßnahme zum Opfer. Die Stadt wurde erweitert und der Marktplatz vergrößert. Die lutheranische Kirche mit dem kleeblattförmigen Grundriss musste weichen. "In der Gruft unter der Konkordienkirche war aber seit 1738 der Stadtgründer, Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach, beigesetzt", so Stadtarchivleiter Volker Steck, "ihn wollte man nicht umbetten. Also wurde nach dem Abriss der Konkordienkirche provisorisch eine Holzabdeckung in Pyramidenform über der Gruft errichtet."

Befürwortet wird eine Ausstellung der Fundamente auch vonseiten des Stadtarchivs. "Ich würde es sehr begrüßen, wenn auf diese Weise an die Geschichte der Stadt erinnert wird", so Leitender Stadtarchivdirektor Ernst Otto Bräunche gegenüber ka-news. Unüblich ist eine derartige Präsentation nicht - in Konstanz können  beispielsweise die Überreste eines römischen Wehrturms durch eine Glaskonstruktion bewundert werden.

 
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