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Karlsruhe: IG-Bau Chef besorgt: Wird Karlsruhes Sanierungswelle zur Asbest-Welle?

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IG-Bau Chef besorgt: Wird Karlsruhes Sanierungswelle zur Asbest-Welle?

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    IG-Bau Chef besorgt: Wird Karlsruhes Sanierungswelle zur Asbest-Welle?
    IG-Bau Chef besorgt: Wird Karlsruhes Sanierungswelle zur Asbest-Welle? Foto: IG Bau

    Über "eine Gefahr, die niemand sieht", ist Wolfgang Kreis besorgt. Der Vorsitzende der IG Bau Nordbaden spricht von über 22.000 Wohnhäusern mit über 80.000 Wohnungen, die in den "Asbest-Jahrzehnten" 1950 bis 1990 in Karlsruhe gebaut wurden. 

    In diesem Zeitraum wurde Asbest in großen Mengen verbaut bis der Bau- und Dämmstoff 1993 verboten wurde, da seine Fasern nachweislich krebserregend sind und bei der Verarbeitung leicht in die Atemwege gelangen.

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    Foto: IG Bau

    Man müsse davon ausgehen, dass in allen Gebäuden aus diesen Jahrzehnten Asbest verbaut sei, so Kreis. "Das sind über 50 Prozent der Karlsruher Wohnhäuser. Dazu kommen noch Gewerbegebäude, Garagen, Ställe und Scheunen in der Landwirtschaft", ergänzt er.

    Die Stadt Karlsruhe bestätigt ka-news.de gegenüber, dass zirka 22.000 Gebäude in den Jahren 1950 bis 1990 gebaut worden seien. Allerdings liegen der Stadt keine Daten vor, wie viel Asbest verbaut wurde beziehungsweise wie viele dieser Gebäude in der Zwischenzeit saniert wurden. Ein Grund zur Besorgnis?

    Sanierungswelle könnte zu "Asbest-Welle" führen

    Solange der Asbest in der Wand bleibt, ist er ungefährlich, beruhigt die IG Bau. Doch bei Sanierungsarbeiten werden die krebserregenden Fasern freigesetzt. Und Sanierungsarbeiten stehen in Karlsruhe mehr als genug an: Aktuell verzeichnet die Stadt acht Sanierungsgebiete im Stadtgebiet, im Maßnahmenkatalog der Klimaschutzziele ist eine "Sanierungsoffensive" vorgesehen, die die Sanierungsquote um mindestens zwei Prozent steigern soll.

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    Foto: IG Bau

    Dazu kommt, laut Wolfgang Kreis, dass viele der Gebäude aus den 50ern bis 90ern in den nächsten Jahren modernisiert werden müssen und Wohnhäuser erweitert und aufgestockt werden, um Wohnraum zu schaffen.

    Wenn Häuser saniert werden, in denen unbekannterweise Asbest verbaut ist, drohen Bauarbeitern und Heimwerkern gesundheitliche Schäden. Deshalb warnt die IG Bau vor einer Krankheitswelle, die der der "Asbest-Welle" zeitverzögert folgen könnte und fordert von Land, Bund und Kommunen Gegenmaßnahmen, eine "Asbest-Charta".

    IG Bau fordert Gebäudepass für Asbestgefahren

    Es brauche einen Gebäudepass mit unterschiedlichen Gefahrenstufen für die Asbest-Belastung für alle Hausbesitzer, so Wolfgang Kreis. So könne auch bei einem Neukauf sichergestellt werden, dass die Gefahr bekannt ist. Außerdem fordere man Prämien für Eigentümer, die ihren Asbest ordnungsgemäß abbauen möchten. Für Firmen gebe es bereits einen Förderbetrag von der Berufsgenossenschaft.

    Der Aufwand bei Asbestsanierungen hänge von der Menge ab, die abzubauen sei, so Kreis. Schutzmaßnahmen wie Masken, Handschuhe und Anzüge seien regelmäßig notwendig, in extremen Fällen auch sogenannte Asbestschleusen, die den Raum komplett abschirmen.

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    Foto: IG Bau

    Die IG Bau Nordbaden fordert darüber hinaus mehr und bessere Informationen, Wolfgang Kreis schlägt einen "Nationalasbestgipfel, indem Länder, Kommunen und der Bund vertreten sind" vor, um auf die Gefahr aufmerksam zu machen. Auch verstärkte staatliche Kontrollen für Firmen, die Asbest abbauen, seien begrüßenswert.

    Wird Asbest-Abbau gefördert?

    Wie die Stadt Karlsruhe ka-news.de mitteilt, zählt Asbest im rechtlichen Sinne nicht zu den Altlasten, weshalb auf entsprechende Förderungen nicht zurückgegriffen werden könne. Asbestsanierungen fielen auch nicht unter die Förderung von energetischen Sanierungen durch den Klimabonus.

    Informationen und Schulungen für Handwerksbetriebe zum Thema Asbest seien über Innungen und Berufsgenossenschaften ausreichend vorhanden, so die Stadt weiter. Auch für Heimwerkende stehe genug Infomaterial zur Verfügung, wie beispielsweise vom Umweltministerium des Landes.

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