Tier, Lime, Bird, Voi: Das sind die Namen der elektrischen Fortbewegungsmittel, die mittlerweile in Karlsruhe unterwegs sind. Doch das war nicht immer so. Vor zirka einem Jahr hat Voi den Anfang gemacht und damit einen Trend losgebrochen: Klimaneutrales Fahren in der Innenstadt - ohne Anstrengung, ohne Fahrrad. 

Gestartet ist das schwedische Unternehmen mit zirka 100 E-Scootern im Karlsruher Stadtgebiet. Inzwischen sind es 300 Roller, die regelmäßig zum Einsatz kommen.

Höchste Zeit also, um mal nachzuhaken wie es dem Sharing-Anbieter seither in Karlsruhe ergangen ist.

Bisher 250.000 Voi-Fahrten

App runterladen, Roller freischalten und schon kann es losgehen. Voi ist inzwischen in vielen Städten präsent. Ab 0,15 Euro die Minute können größere Strecken elektrisch zurückgelegt werden. Bis zu drei Stunden darf eine Fahrt gehen. Danach müssen die Vois so abgestellt werden, dass weder Verkehrsteilnehmer noch Fußgänger behindert werden.

E-Scooter in Karlsruhe
So sollte ein Voi definitiv nicht geparkt werden | Bild: Lisa-Maria Schuster

Doch genau das ist der Punkt. Häufig werden die Roller achtlos liegen gelassen. Fast erweckt es den Eindruck, als ob die Karlsruher das Interesse daran verlieren.

Dem widerspricht vor allem der Voi General Manager von Deutschland, Claus Unterkircher. "Bei Voi Rollern ist ein genereller Aufwärtstrend zu verzeichnen, auch in Karlsruhe. Allein im Sommer haben wir über 100.000 Fahrten gezählt. Damit ist Karlsruhe in Deutschland im oberen Mittelfeld, was das Ausleihen von Voi-Rollern angeht." 

Die E-Scooter des Anbieters Voi gehen ab Freitag in Karlsruhe in den Verleih.
In den warmen Monaten sind die Roller häufiger im Betrieb als in den kalten Jahreszeiten | Bild: Voi

Den Grund sieht der Voi-Chef in den vielfältigen Angeboten des Unternehmens.

So bietet das schwedische Unternehmen zum Beispiel Fahr-Pässe an, die monatsweise oder tagesweise gültig sind: "Die Kunden wissen, wie viel sie zahlen müssen und können die Roller dann so oft verwenden wie sie möchten." Im Schnitt wird jeder Voi, je nach Wetterlage, zwei bis fünf Mal pro Tag ausgeliehen.

General Manage Claus Unterkircher von der Firma Voi.
General Manage Claus Unterkircher von der Firma Voi. | Bild: privat

Insgesamt haben in Karlsruhe an die 250.000 Fahrten mit den roten City-Flitzern stattgefunden. Laut Voi sind das "deutlich mehr als eine Million Kilometer", die bisher elektronisch zurückgelegt worden sind. Tendenz steigend. Damit ist der "Vorreiter" der beliebteste E-Roller-Anbieter in Karlsruhe.

Da konnten selbst Einbußen während der Wintermonate nicht daran rütteln.

Mehr Polizei-Kontrollen wegen betrunkener Fahrer

Doch so leicht die Roller in der Handhabung sind, desto leichtsinniger wird oftmals mit ihnen umgegangen, obwohl für motorisierte Roller dieselben Regeln gelten wie für Kraftfahrzeuge.

Das heißt: Das Fahren ohne Führerschein ist zwar erlaubt, das Fahren unter Alkoholeinfluss jedoch nicht. Ab 0,3 Promille liegt hier bereits eine Straftat vor.

Das hielt die Nutzer oft nicht davon ab, alkoholisiert durch die Straßen zu fahren, weshalb die Polizei inzwischen verstärkte Kontrollen bei E-Roller-Fahrern durchführt. So wurden allein in August und Juli fast 80 Personen aus dem Verkehr gezogen, die unter Alkoholeinfluss mit einem E-Scooter gefahren sind.

E-Scooter in Karlsruhe
Ab 0,3 Promille sollte man den Roller besser stehen lassen | Bild: Thomas Riedel

Doch auch das Nutzen der falschen Fahrseite und rücksichtloses Verhalten gegenüber Fußgängern gehören zur Top-Ten der E-Roller Sünden. Vandalismus an den E-Rollern zählen mit 0,3 Prozent aber nicht dazu.

Da erscheint es fast wie ein Wunder, dass E-Roller, seit ihrer Einführung, in der Verkehrsunfallstatistik mit weniger als 20 Unfällen zu Protokoll schlagen. Verwarnungen beziehungsweise Bußgeldbescheide wurden davon unabhängig in zirka 15 Fällen ausgesprochen. 

Polizeikontrolle
Wegen "Trunkenheit am Lenker": Polizisten schauen bei E-Rollern jetzt genauer hin | Bild: Thomas Riedel

Das hat wiederum dazu geführt, dass das Ordnungsamt Karlsruhe Verschärfungen im Umgang mit den Rollern eingeführt hat. So können Roller zum Beispiel nicht mehr in Fußgängerzonen und Parks abgestellt werden. Auch das Ausleihen zwischen 23 Uhr und 6 Uhr ist an den Wochenenden nicht mehr möglich.

Voi hat außerdem eine kostenlose virtuelle Fahrschule eingerichtet, die den richtigen Umgang mit den Leih-Rollern demonstrieren soll.

Was bringt die Zukunft?

Bisher sind alle Karlsruher E-Scooter, die von Anfang an dabei waren, noch in Betrieb. Dies könnte sich ab nächstem Jahr wohlmöglich ändern. Dementsprechend sind Themen wie Haltbarkeit und Recycling bei dem umweltbewussten Unternehmen wichtige Punkte für die Zukunft.

Eine Problematik, welcher sich Voi schon bei der Konstruktion der E-Roller bewusst war. "Dank des modularen Aufbaus können Einzelteile schnell ausgetauscht oder woanders wiederverwertet werden. Wir glauben aber, dass die Roller gut fünf Jahre lang in Betrieb bleiben können. Die Motoren sogar bis zu acht Jahre", so Unterkircher im Gespräch mit ka-news.de.

E-Scooter in Karlsruhe
Noch sind alle Roller in Betrieb | Bild: Thomas Riedel

Darüber hinaus plant Voi, ähnlich wie Stuttgart, die Aufstellung von Voi Ständern in Karlsruhe. Damit soll nicht nur das Parken der Roller erleichtert werden - es reguliert auch die Verfügbarkeit bei potentiellen Hotspots wie dem Karlsruher Hauptbahnhof. Wer den Service nutzt, bekommt sogar Geld auf dem Voi Konto gutgeschrieben.

Wann und wie das Projekt in Karlsruhe an den Start geht, sei aber noch nicht klar.

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