Im Grunde wird mit dem Begriff "Fairtrade" auf die Herstellung und den Handel der Produkte Bezug genommen, die bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien erfüllen müssen. Entsprechende Siegel kennzeichnen das Produkt und sorgen so für einen Wiedererkennungswert. Dennoch gilt hier die Devise: Siegel ist nicht gleich Siegel. Das weiß auch die Nachhaltigkeits-Expertin Nora Szech vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Wo finde ich fair gehandelte Produkte in Karlsruhe?

"Unsere Studien am KIT zeigen, dass Menschen ein sehr fokussiertes Siegel, zum Beispiel zum Baumwollanbau, als Entschuldigung benutzen, um sich dann weniger Gedanken über die Arbeitsbedingungen der Näher zu machen. Dabei sind gerade diese Arbeitsbedingungen oft sehr hart. Es lohnt sich also, als Konsument zu versuchen, umfassend zu denken. Auch wenn das nicht immer leichtfällt", erklärt sie gegenüber ka-news.de.

Nora Szech ist Expertin für Nachhaltigkeit.
Nora Szech ist Expertin für Nachhaltigkeit. | Bild: KIT

Laut Szech seien "Fair Wear"-Siegel oder das "Blauer Engel“-Siegel gute Orientierungspunkte. Aber auch der Hinweis wie "Made in Europe" gebe Rückschlüsse auf eine faire Produktion. Wer unsicher sei, könne sich auf der Seite siegelklarheit.de informieren. Hier wird aufgelistet, welche Bedeutung hinter welchem Siegel steckt. Diese Siegel finden sich aber nicht nur an Lebensmitteln.

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Von Kleidung bis zum Kinderwagen - bei fair produzierten und gehandelten Waren gibt es nahezu keine Grenzen, in welchen Läden sie angeboten werden und in welchen nicht. Sogar in Discountern können Suchende mit etwas Glück Fairtrade-Produkte finden. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen möchte, kann direkt eine Fairtrade-Shop besuchen. Aber wo finde ich solche Geschäfte in Karlsruhe und was bieten sie an?

Neue Kleidung? Ja, aber bitte slow!

Am bekanntesten in der Fächerstadt dürfte wohl der Weltladen am Kronenplatz sein. Wer jetzt denkt, dass dieser Shop nur Lebensmittel anbietet, der irrt. Hier finden sich neben allerlei Kunsthandwerk wie Geschirr und Schmuck auch fair gehandelte Kleidung. Dort gibt es auch den bekannten "Karlsruher Fächerkaffee." Auch die Läden "FaireWare“ in der Herrenstraße und "Waschbär“ in Rüppurr bieten ein breites Sortiment an. Darunter: Kleidung und Schuhe, Körperpflege und Haushaltswaren.

Verbraucher in Deutschland haben 2019 im Schnitt 25 Euro für Produkte mit «Fairtrade»-Siegel ausgegeben.
Verbraucher in Deutschland haben 2019 im Schnitt 25 Euro für Produkte mit «Fairtrade»-Siegel ausgegeben. | Bild: Markus Scholz/dpa

Apropos Mode: Inzwischen konnten sich in Karlsruhe mehrere Fairtrade-Bekleidungsgeschäfte etablieren, denn sogenannte “Slow Fashion” - also buchstäblich das längere und damit nachhaltigere Tragen von Kleidung - liegt immer mehr im Trend. Dazu zählt zum Beispiel "Spinnrad Naturtextilien“, das neben Babyausstattung, Kleidung und Schuhen auch Bücher anbietet. Ebenso kann beim "Unikat-Store“ oder im "Get lazy“ Kleidung "ohne Reue“ gekauft werden. Mittlerweile gibt es mit „Aikyou“ sogar einen Fairtrade-Dessous-Shop in Karlsruhe.

Schmuck aus fair gehandelten Metallen. Geht das?

Ein Armband für die Mutter, eine Kette für die Ehefrau oder sogar ein Verlobungsring? Hochwertiger Schmuck gilt beim anstehenden Fest der Liebe als absoluter Favorit unter den Geschenken. Aber können Gold, Silber und Edelsteine überhaupt wirklich “Fairtrade” sein? Tatsächlich gibt es in Karlsruhe ein Geschäft, das genau dies tut: "Goldafairs."

"Goldaffairs" in Karlsruhe.
"Goldaffairs" in Karlsruhe.

Hier wird zum Beispiel ökologisch gewonnenes Gold aus verantwortungsvollem Kleinbergbau in Peru gewonnen, das nach “Fairmined”-Standards zertifiziert ist. Dieses Fairmined-Siegel klassifiziert bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie Umweltschutz im kleingewerblichen Goldbergbau. Wer Uhren gegenüber dem klassischen Armschmuck bevorzugt, ist zum Beispiel mit einem Besuch bei "Schäuble und Söhne“ in der Gerwigstraße gut beraten.

Natürliche Kosmetik und Körperpflege

Wer sich mit nachhaltiger Kosmetik befasst, wird bereits in Drogeriemärkten auf erste Marken aus diesem Segment gestoßen sein. Doch auch in den Fairtrade-Shops in Karlsruhe gibt es verschiedene Alternativen. So stellt beispielsweise die Seifenmanufaktur "Soap Mystic“ in Durlach eigene Naturseifen in Bio-Qualität her.

Beim "Waschbär" in Karlsruhe lässt sich nachhaltig einkaufen.
Beim "Waschbär" in Karlsruhe lässt sich nachhaltig einkaufen. | Bild: Waschbär

Grundsätzlich sollte beim Kosmetik-Shopping darauf geachtet werden, ob die Produkte mit einem "Natrue“ oder "BDIH“ Siegel versehen sind. Diese weisen auf unbedenkliche Inhaltsstoffe und Herstellung hin. Auch im “Unverpackt”-Laden und beim "Waschbären“ gibt es vielerlei faire Produkte für die Köperpflege zu entdecken.

Plätzchen und anderes Weihnachtsgebäck

Das Wichtigste vorweg: Um nachhaltiges Weihnachtsgebäck verschenken oder auch selbst genießen zu können, ist die beste Wahl immer, selbst zu backen. Dennoch gibt es auch in Karlsruhe den ein oder anderen Back-Shop, der mit fair hergestellten Weihnachtsleckereien punktet. Dazu zählt zum Beispiel "Anjas Keksbar“ in der Karlsruher Hardtstraße. Hier setzt man bei Vanillekipferl und Co. auf Reissirup statt Zucker.

Anjas Keksbar in Karlsruhe.
Anjas Keksbar in Karlsruhe.

Weniger weihnachtlich, aber genauso nachhaltig: das Naschwerk aus der Bäckerei von Anna und Anda in der Akademiestraße. Hier wird auf Überproduktion weitgehend verzichtet, weshalb Vorbestellungen hier von Vorteil sind.

Der Kassenschlager zum Weihnachtsfest: Elektro-Geräte

Das neueste Smartphone, der bessere Flatscreen, das modernste Küchengerät. Bei keiner Kategorie scheint Nachhaltigkeit so fehl am Platz zu sein wie bei der Elektronik. Tatsächlich wird es sogar bei einer Fairtrade-Stadt wie Karlsruhe schwierig, fair produzierte Elektro-Geräte zu finden. Eine gute Alternative ist es daher, Geschenke aus dieser Kategorie Second-Hand zu kaufen.

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Dazu zählen zum Beispiel der Shop "Techno-World“ in der Zähringerstraße oder der "Notebookpartner" in der Ettlinger Straße. Und wer Second-Hand kauft, hat zusätzlich nicht nur den Vorteil, dass er die Umwelt schont - er spart nebenbei noch eine Menge Geld.

 
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