Dieter Ludwig feiert 2019 seinen 80. Geburtstag - einen ruhigen Rentner-Ruhestand pflegt der ehemalige Stadtdirektor und Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe aber noch lange nicht. Einen Termin mit dem "Straßenbahnpapst" zu vereinbaren ist gar nicht so leicht: Als Berater ist Ludwig noch regelmäßig in Heidelberg, Calw und Salzburg aktiv. Wenn er gefragt wird, äußert er sich gerne - in Vorträgen oder beratend im Dialog. Sonst hält sich der erfahrene Straßenbahn-Planer zurück; er möchte nicht "der Alte sein, der alles besser weiß."

Über 30 Jahre im Dienste der Straßenbahn 

2006 legte der gebürtige Dortmunder seine Geschäftsführertätigkeiten bei den Karlsruher Verkehrsgesellschaften nieder, zu diesem Zeitpunkt war er bereits über 30 Jahre im Dienst der Stadt Karlsruhe: Als Chef des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV), der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK), der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) sowie der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig).

1988: Unterzeichnung der Grundsatzvereinbarung über Bau, Betrieb und Finanzierung der Stadtbahnstrecke zwischen Karlsruhe und Bretten
1988: Unterzeichnung der Grundsatzvereinbarung über Bau, Betrieb und Finanzierung der Stadtbahnstrecke zwischen Karlsruhe und Bretten: Dieter Ludwig in der Mitte (3. von links) | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe: 8/BA Schlesiger A56/51/4/15

"Ich komme viel herum und kenne überall Leute", sagt Dieter Ludwig im Gespräch mit ka-news.de, "man muss ja lebendig bleiben. Hätte ich keine Beratertätigkeit, würde ich langsam einschlafen. Ich muss etwas gestalten können!“ Morgens lange ausschlafen, beim ausgiebigen Frühstück gemütlich die Zeitung lesen, ein Mittagsschläfchen machen und sich dann aufs Abendessen freuen - das sei nicht seine Welt, erzählt Ludwig.

"Ich war immer mittendrin - war ein Chef zum Anfassen"

Schon zu Berufszeiten war Dieter Ludwig umtriebig: Neben seinen hauptamtlichen Tätigkeiten als Geschäftsführer bekleidete Ludwig zahlreiche Ämter in Verkehrsverbänden. "Ich war in vielen Ausschüssen, hatte viele Ämter - Ich weiß gar nicht, wie ich das alles geschafft habe", sagt Ludwig heute.

Ein Blick in die Urlaubslisten dürfte eine Antwort geben: Freie Tage oder lange Urlaube gab es bei Dieter Ludwig nicht. "Ich habe 40 Jahre keinen Urlaub gehabt, also nicht genommen. Na, sagen wir 25 Jahre lang – ich war sicherlich mal ab und an eine Woche weg."

Dieter Ludwig im Gespräch mit ka-news-Redaktionsleiterin Corina Bohner
Dieter Ludwig im Gespräch mit ka-news-Redaktionsleiterin Corina Bohner | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Warum? "Wenn ich nicht da war, ist nichts gelaufen." Er sei eben ein Macher, so Ludwig. "Ich habe nicht viel gefragt, sondern einfach gemacht. Ich hatte zu allen Oberbürgermeistern und auch überregionalen Entscheidern immer ein gutes Verhältnis, manchmal habe ich mir einige Freiheiten einfach rausgenommen – bei einem guten Vertrauensverhältnis geht das, da muss man nicht immer fragen."

Für seine Mitarbeiter war Ludwig ein nahbarer Vorgesetzter: "Ich war immer mittendrin - bin in die Personalräume und habe gefragt, ob sie etwas zum Meckern haben, dann sollen sie es mir gleich sagen. Ich war ein Chef zum Anfassen."

Am Wochenende ist der Chef auch Mal selbst gefahren

Am Wochenende saß der Geschäftsführer von vier Verkehrsgesellschaften auch mal im Führerhaus der Stadtbahn. Nicht zur Kontrolle, wie Ludwig im Gespräch betont, sondern um ein Gefühl für die Strecken und mögliche Probleme zu bekommen. "Ich bin gefahren und die Fahrer durften mir zuschauen und mir erzählen, was gut klappt und was besser werden kann – die Fahrer kennen ihre Strecke am besten und wissen was zu tun ist."

1976: Ernennung Stadtoberbaurat Dieter Ludwig zum Leiter VBK
1976 wurde Dieter Ludwig zum Leiter Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe: 8/BA Schlesiger A/31/10/3/19

Das gute Verhältnis zu seinen Mitarbeitern sei eine schöne Unternehmenskultur gewesen, die er heute vermisse: "Heute kennen sie sich kaum noch untereinander. Wenn ich nachts um halb drei angerufen hätte, hätte ich zehn Leute einsatzbereit auf der Matte stehen gehabt. Wir waren eine Mannschaft, ein Team, ich war einer von ihnen." Einen Personalmangel - zu wenig Fahrer - wie bei der AVG, hätte es bei ihm nicht gegeben, davon ist er überzeugt.

Personalnotstand bei AVG

Apropos aktuelle Entwicklungen: Gibt es etwas, das Dieter Ludwig heute nochmal gerne als Geschäftsführer des KVV anpacken würde? Ja, der Ausbau der Strecke in Knielingen, den würde er vorantreiben. Dort sei ein neuer Stadtteil entstanden, der immer noch keine Straßenbahnbindung hätte. Hier erfolgte der Spatenstich im April, rund ein halbes Jahr nach dem Gespräch mit ka-news.de. Unverändert bleibt der zweite Punkt von Ludwig: "Und in Neureut - auch da würde ich die Strecke erweitern. Es gibt noch viel zu tun."

"Die Kombilösung hätte ich schneller gebaut"

Zu den Bauarbeiten am unterirdischen Stadtbahntunnel, einem Teil der Karlsruher Kombilösung, hat der ehemalige Chef (2003 wurde Ludwig zum Kasig-Geschäftsführer bestellt) auch deutliche Worte: "Den Europaplatz wollte ich in sechs Monaten umbauen, da haben sie sechs Jahre gebraucht." Auf die Frage wie er das getan hätte, schmunzelt der 79-Jährige und lenkt ein: "Es wäre natürlich nicht so schnell gegangen wie ich gewollt hätte, aber schneller als es jetzt gegangen ist."

Kombilösungs-Baustelle am Europaplatz
Kombilösungs-Baustelle am Europaplatz im Jahre 2011 zu Beginn der Bauarbeiten. | Bild: ka-news

Die Frage nach benötigten Strecken im Umland, im Sinne des Karlsruher Modells, beantwortet der ehemalige Nahverkehrschef mit den Worten "Jetzt bin ich seit acht Jahren weg und es wurde nichts mehr gebaut."

Bei aller Kritik an seinen Nachfolgern - "schimpfen" möchte Ludwig nicht. "Das sind alles tüchtige Leute", sagt der Ettlinger, "aber sie haben eben nicht so viel Erfahrung im Bahnwesen, wie ich es habe." Bevor Ludwig 1971 in den Dienst der Stadt trat, war er in den 60er Jahren bei der Deutschen Bundesbahn tätig. 

1985: Wahl des Leiters der Verkehrsbetriebe Karlsruhe Dieter Ludwig zum Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Eisenbahner.
1985: Wahl des Leiters der Verkehrsbetriebe Karlsruhe Dieter Ludwig zum Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Eisenbahner. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe: 8/BA Schlesiger A50/106/5/20

Hier lernte er Grundlagen und entwickelte ein Verständnis für das Eisenbahnnetz, welches 1992 wesentlicher Bestandteil des Karlsruher Modells - der Verknüpfung von regionaler Straßenbahn und überregionaler Stadtbahn - werden sollte.

In den 1970er Jahren treibt Ludwig, zunächst als stellvertretender Betriebsleiter der Straßenbahnbetriebe der Stadtwerke, dann als Werkleiter und verantwortlicher Betriebsleiter und schließlich als Geschäftsführer den Ausbau des Karlsruher Straßenbahnnetzes voran. 

Ludwig macht Straßenbahnfahren zum Trend

In einer Zeit, als das Auto als Verkehrsmittel Nummer Eins gilt, setzt Ludwig auf den öffentlichen Nahverkehr. Dieter Ludwig erinnert sich: "Freie Fahrt für freie Bürger war damals das Credo. Straßenbahnfahren war kein Trend."

Omnibus mit Ziel "Wettersbach" an der Straßenbahn-Endhaltestelle in Durlach stehend, dabei Fahrgäste.
1988 fuhren in Durlach noch Omnibusse anstelle von Straßenbahnen: Unter Ludwig wurde auch die Verbindung zwischen Durlach-Aue und Wolfartsweier gebaut. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe/BA Schlesiger A55/72/5/25

Dieter Ludwig machte Straßenbahnfahren zu einem Trend, vergrößerte das Streckennetz und steigerte die Fahrgastzahlen. Von 1975 bis 1991 werden zwölf neue Strecken im innerstädtischen VBK-Netz gebaut, weitere elf sollen bis zum Ausscheidens Ludwigs 2006 noch folgen. Und auch den Umbau der regionalen Strecken initiierte Ludwig und trieb diesen stetig voran. Der Startschuss fiel 1992: Die erste offizielle Strecke des Karlsruher Modells führte nach Bretten-Gölshausen.

1983: Jungfernfahrt des ersten Stadtbahnwagen der VBK. Auf dem Marktplatz vor der Abfahrt nach Herrenalb.
1983: Jungfernfahrt des ersten Stadtbahnwagen der VBK auf dem Marktplatz vor der Abfahrt nach Herrenalb. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe: 8/BA Schlesiger A46/67/4/30

Dieter Ludwig erinnert sich an die erste Fahrt: "Wir waren im Walzbachtal auf Eröffnungsfahrt, ich bin selbst gefahren, an einer Haltestelle habe ich einen Rollstuhlfahrer unter den Zuschauern auf dem Bahnsteig gesehen, da habe ich die Tür aufgemacht und gefragt, ob er mitfahren möchte. Er bejahte - wir haben ihn die Bahn gehoben und dann durfte er im Eröffnungszug mit den Vorständen und Bürgermeistern mitfahren."

"Das wird nie was" - Doch ein Exportschlager! 

Mit der Strecke nach Bretten war die erste attraktive Stadt-Land-Verbindung ohne Umstieg geboren. Erstmals fuhr eine Karlsruher Stadtbahn auf einer Strecke der Deutschen Bundesbahn. 18 weitere Verbindungen ins Umland auf heutigen Deutsche Bahn-Strecken sollten folgen und für die Bedürfnisse der KVV-Kunden im Sinne des Karlsruher Modells ausgebaut werden.

"Als ich das Zweiradsystem damals mit zwei Bundesbahnlern entwickelt habe, haben die Leute gesagt 'Jetzt ist er ganz durchgeknallt, jetzt ist er übergeschnappt'", sagt Dieter Ludwig im Gespräch. Zusammen mit Horst Emmerich von der Deutschen Bahn setzte Ludwig die Idee um - und schrieb Straßenbahngeschichte.

Entwicklung des Stadtbahnnetzes in der Region Karlsruhe unter Dieter Ludwig

  • 1975 bis 1979
    1975 Albtalbahn Langensteinbach – Spielberg – Ittersbach
    1975 Nordbahn Moltkestraße – Nordweststadt
    1979 Nordbahn Nordweststadt – Neureut
  • 1980 bis 1989
    1980 Rheinbahn Eckenerstraße – Rheinstrandsiedlung
    1983 Straßenbahn Weinbrennerplatz – Europahalle
    1986 Straßenbahn Europahalle – Oberreut
    1986 Hardtbahn Neureut – Eggenstein-Leopoldshafen
    1989 Straßenbahn Siemensallee
    1989 Hardtbahn Leopoldshafen – Linkenheim – Hochstetten
    1989 Rheinbahn Rheinstrandsiedlung – Forchheim
    1989 Hardtbahn Leopoldshafen – Forschungszentrum
  • 1990 bis 1999
    1991 Rheinbahn Forchheim-Mörsch
    1992 Kraichgaubahn Karlsruhe – Walzbachtal – Bretten – Gölshausen
    1994 Stadtbahn Bretten – Bruchsal
    1994 Stadtbahn Karlsruhe – Rastatt – Baden-Baden
    1994 Straßenbahn Oberreut – Badeniaplatz
    1995 Stadtbahn Karlsruhe – Pforzheim
    1996 Kraichtalbahn Bruchsal – Ubstadt – Menzingen
    1996 Verbindungsgleis (Rampe) Albtalbahnhof
    1997 Stadtbahn Pfinztal – Remchingen – Pforzheim
    1997 Kraichgaubahn Bretten – Eppingen
    1997 Stadtbahn Karlsruhe – Hagsfeld – Blankenloch
    1997 Stadtbahn Karlsruhe – Maximiliansau – Wörth Rathaus
    1998 Katzbachbahn Ubstadt – Odenheim
    1999 Rheinbahn Mörsch Merkurstraße - Bach West
    1999 Stadtbahn Bretten – Mühlacker
    1999 Stadtbahn Pforzheim – Mühlacker – Bietigheim-Bissingen
    1999 Kraichgaubahn Eppingen – Heilbronn Hauptbahnhof
  • 2000 bis 2010
    2000 Straßenbahn Ebertstraße – Brauerstraße (ZKM)
    2000 Straßenbahn Waldstadt – Europäische Schule
    2001 Stadtbahn Heilbronn Hauptbahnhof – Heilbronn Harmonie
    2002 Murgtalbahn Rastatt – Gaggenau – Forbach – Raumünzach
    2002 Enztalbahn Pforzheim – Neuenbürg - Bad Wildbad Bahnhof
    2002 Stadtbahn Wörth Rathaus – Wörth Badepark
    2003 Enztalbahn Bad Wildbad Bahnhof – Bad Wildbad Kurpark
    2003 Murgtalbahn Raumünzach – Baiersbronn – Freudenstadt
    2004 Murgtalbahn Freudenstadt Stadtbahnhof – Hauptbahnhof
    2004 Straßenbahn Durlach – Aue – Wolfartsweier
    2005 Öhringen
    2006 Heide
    2006 Spöck
    2006 Eutingen
    2010 Eröffnung Germersheim (seit 1996 in Planung)

Seine Kritiker behielten Unrecht: Das Karlsruher Modell entwickelte sich zum "Exportschlager" – Delegationen kamen nach Karlsruhe, um sich die Umsetzung anzusehen, die Expertise von Dieter Ludwig und Team waren weltweit gefragt.

"In Rio de Janeiro fahren heute noch die gleichen Straßenbahnen wie wir sie auch hatten", sagt Ludwig im Gespräch. Heute ist das System in mehreren deutschen Städten, darunter Hamburg, München, Chemnitz und Berlin, im Einsatz. Sogar bis nach England wurde die Zweisystem-Stadtbahn "exportiert" – im englischen Sheffield kommt das System seit 2014 zum Einsatz.

Was genau ist das Karlsruher Modell?

Das Karlsruher Modell basiert auf einem Mehrsystem: Stadtbahnen können sowohl im innerstädtischen Straßenbahn- als auch im außerstädtischen Eisenbahnnetz fahren. Zu beachten gab es viel: doppelte Ausbildung der Fahrer und technische Voraussetzungen wie Abmessung der Radreifen, Breite der Schienen und Weichen, Stromsystem, Lichtanlagen, Zuglänge, Bahnsteighöhe und vieles mehr.

1986 Blick auf eine Baustelle mit einer Straßenbahn (Kaiserstraße 58-60).
1986: Höhe Kaiserstraße 58-60 werden Gleisbauarbeiten für die neuen Stadtbahnen durchgeführt. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe: 8/BA Schlesiger A51/102/2/43

Nach der Trendwende, weg vom Auto hin zu umweltverträglichen Alternativen, ist das Modell gefragter als je zuvor. Die Zukunft sieht Ludwig weiterhin im Zusammenspiel verschiedener Angebote: Fahrradmitnahme, Bereitstellung von Parkraum an Haltestellen im Umland und verbundübergreifende Tickets. "Man muss das System im Gesamten sehen", sagt Ludwig, "es war immer ein gesamtheitliches Denken in meinem Kopf."

Baut Parkplätze, dann fahren die Leute mit der Bahn!

Schon früh plante Ludwig die Wünsche von künftigen Fahrgästen ein: "In Wörth haben wir damals ein Parkhaus gebaut. Dafür bin ich im Aufsichtsrat angemahnt worden, was der Quatsch solle. Aber nach zwei Wochen waren alle Parkplätze belegt und wir mussten sogar noch ein Geschoss daraufbauen.

In Bretten war es ähnlich, da haben sie mich fast gesteinigt, als wir beim alten Güterbahnhof einen schönen, großen Parkplatz gebaut haben. Aber mein Argument war immer, dass ich den Parkplatz baue, damit die Fahrgäste mit uns fahren - und nicht mit dem Auto."

Dieter Ludwig bei ka-news.de
Dieter Ludwig bei ka-news.de | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Ein Verkehrssystem allein, kann nicht alle Bedürfnisse des Fahrgastes lösen - und der steht bei Ludwig an erster Stelle. "Man muss den Kundenwünschen nachkommen: Was will der Kunde? Er will mit einer Fahrkarte von seiner Haltestelle ohne Umsteigen möglichst häufig an sein Ziel kommen. Das war mein Grundsatz: Kundenwohl. Wir müssen das tun, was die Kunden wollen, ob wir das können oder nicht. Wenn wir es nicht können, müssen wir es hinkriegen."

Der Verkehrsverbund arbeitet aktuell daran, die Verkehrsmittel im Ludwig'schen Sinne miteinander zu vernetzen: Projekt: Sogenannte "Regiomove Ports" sollen Pendler künftig als einheitliche Plattform für Bus, Bahn, Leihauto oder Leihfahrrad dienen - bis Ende 2020 sollen in der Region vier bis acht dieser Stationen entstehen.

Ludwig hatte 4 Grundsätze für seine Verkehrspolitik

Ludwig hatte vier Grundsätze, nach denen er die städtische Verkehrspolitik ausrichtete:

  1. Die Verbindungen müssen möglichst häufig sein,
  2. auf den Verbindungen sollten möglichst wenig Umstiege vonnöten sein,
  3. die Erreichbarkeit der Haltestellen sollte hoch sein und somit die Abstände zwischen den Haltepunkten gering
  4. und die Preispolitik muss einfach sein, damit der Fahrgast mit einem Ticket ans Ziel kommt.

"Man muss nur ein passendes Angebot haben, das wird dann auch genutzt", sagt Ludwig in Hinblick auf aktuelle Fahrgastzahlen. 

Dieter Ludwig im Gespräch mit ka-news.de
Dieter Ludwig im Gespräch mit ka-news.de | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Ludwig ist vom Nahverkehr überzeugt: "Die sinkenden Fahrgastzahlen werden sich schlagartig ändern, wenn die Baustellen weg und die Tunnel in Betrieb sind. Denn dann werden die Karlsruher den Vorteil der Kombilösung sehen – dann werden die Bahnfahrten durch die Innenstadt um sicherlich zehn Minuten kürzer, weil man nicht mehr auf Fußgänger oder Radfahrer achten muss. Die Unfallgefahr wird deutlich sinken."

Zukunft der Straßenbahn: Fertige Kombilösung und autonomes Fahren

Neben der Kombilösung sieht der gelernte Lokführer die Zukunft des Verkehrswesens auch im autonomen Fahren. Es soll langfristig den Weg von der Haustür zur Haltestelle - die betriebswirtschaftlich "letzte Meile" - abdecken. Der KVV ist maßgeblich am Projektfeld "autonomes Fahren" in Karlsruhe beteiligt und will sich so den Anschluss an die Zukunft der Mobilität sichern. Auch darüber ist Ludwig bestens informiert und stets interessiert an aktuellen Entwicklungen.

Olli Bus auf Testfeld Autonomes Fahren
Olli Bus auf Testfeld Autonomes Fahren | Bild: ARTIS-Ulli Deck

Langweilig wird Ludwig auch in seinem 81. Lebensjahr nicht werden: Im Zuge seiner Beratertätigkeiten ist er auch in die Entwicklung eines baden-württembergischen Verkehrsverbunds einbezogen: "Wir wollen eine Fahrkarte haben, mit der man in ganz Baden-Württemberg mit der Straßenbahn und mit dem Bus fahren kann. Flexibel und digital."

Wie beim Karlsruher Modell auch, muss zwischen den verschiedenen Verkehrsverbünden eine Regelung für die Verteilung von Kosten und Erlösen gefunden werden. Wer könnte sich hierfür besser eignen, als jemand, der die Grundlage dieses System miterfunden hat.

Derzeit erfolgt die Einführung des BW-Tarifs stufenweise: Seit Dezember 2018 sind Einzelfahrscheine und Tageskarten an den Automaten und Verkaufsstellen der Eisenbahnunternehmen an den Bahnhöfen sowie als E-Ticket erhältlich. Bis 2021 ist laut Verkehrsministerium geplant, auch Zeitkarten für verbundübergreifende Fahrten in den Tarif einzubeziehen. Dann sollen Fahrgäste landesweit durchgängige Fahrkarten über die Grenzen der Verkehrsverbünde hinweg, vom Start bis zum Ziel, ihrer Fahrt lösen können.

Lebenslauf und Engagement Dieter Ludwig

15. Juli 1939: 
geboren in Dortmund
5. März 1958: Reifeprüfung am humanistischen Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim
1958 bis 1963: Sudium des Bauingenieurswesens an der Technischen Universität in Karlsruhe, Schwerpunkt: Verkehrswesen. Diplom-Abschluss am 15. Januar 1964
1965 bis 1967: Baureferendariat bei der Deutschen Bundesbahn
7.Juli 1967: Ablegung der Großen Staatsprüfung für den höheren technischen Verwaltungsdienst
8. Juli 1967: Übernahme in die Dienste der Deutschen Bundesbahn
1. Januar 1971: Übernahme in die Dienste der Stadt Karlsruhe
6. September 1972: Bestellung und Bestätigung als weiterer stellvertretender Betriebsleiter der Straßenbahnbetriebe der Stadt Karlsruhe (Verkehrsbetriebe)
1. Januar 1976: Ernennung zum Werkleiter der Stadtwerke (Verkehrsbetriebe)
11. Mai 1976: Bestätigung als verantwortlicher Betriebsleiter der Straßenbahnbetriebe der Stadtwerke Karlsruhe (Verkehrsbetriebe)
1. Januar 1978: Bestellung zum Geschäftsführer und oberster Betriebsleiter der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG)
15. November 1993: Bestellung zum, Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV)
25. Juli 2003: Bestellung zum Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft mbH (Kasig)


Weitere Tätigkeiten und Engagement … 

… im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)
… im Internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP)
… in der Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA)
… im Versicherungsverband Deutscher Eisenbahnen (VVDE)
… in der Berufsgenossenschaft der Straßen-, U-Bahnen und Eisenbahnen
… im Bundesverband Deutscher Eisenbahnen, Kraftverkehre und Seilbahnen e.V. (BDE)
… im Versicherungsverband deutscher Eisenbahnen
… im Kommunalen Arbeitergeberverand Baden-Württemberg (KAV)
… im Arbeitgeberverand Deutscher Eisenbahnen e.V.
… in der Berufsgenossenschaft der Straßen-, U-Bahnen und Eisenbahnen
… im Verein für den zwischenbetrieblichen Vergleich der öffentlichen Verkehrsbetriebe
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