Er flehmt. Und das den ganzen Tag schon. Der Grund dafür ist die neue Bärendame Nuka, die in dem benachbarten Gehege frisch eingezogen ist.
Flehmen heißt das gezielte und am geöffneten Maul und der Haltung erkennbare Wittern einiger Säugetiere.

Die beiden können sich gut riechen
Für den Eisbären ist das Riechorgan das wichtigste Sinnesorgan. Sie erriechen alles, könnte man sagen. Ein Eisbär kann ein 100km entfernter Kadaver noch riechen.
Für unseren Bären Kap bedeutet darum der Einzug von Nuka, eine wahre Geruchsexplosion. Er flehmt die ganze Zeit und schaut nach seiner frisch errochenen Flamme.

Aber auch Nuka scheint dem Bärenmann nicht abgeneigt zu sein. Sie zeigt sich zwar noch etwas schüchtern und wäre beim ersten Anblick des Männchens regelrecht erschrocken gewesen, hat aber nun den aufgeweckten Kap stehts im Blick.

Ein gutes Zeichen für den Karlsruher Zoo, denn noch in der diesjährigen Paarungszeit sollen die beiden für Bärenjungen sorgen.

Wann werden die Gehege zusammengeführt?
Die Paarungszeit von Eisbären ist zwischen März und April. Also lange kann es nicht mehr dauern, bis auch das Weibchen Nuka sich paarungswillig zeigt.
Wann genau die beiden Bären sich jedoch von Angesicht zu Angesicht beschnuppern dürfen, das sei noch unklar, so Timo Deible, der Presssprecher des Zoos.
Ist die Bärendame in ihren Gehege angekommen, soll sie auch das Gehege von Kap erkunden dürfen, bevor die beiden Habitate zusammengeführt werden. Kap kennt bereits das gesamte Gehege und das gleiche soll auch für Nuka gelten. Somit sollen die Gehege in den kommenden Tagen getauscht werden.

Obwohl der erste Kontakt sichtlich erfolgreich verlief, ist es schwer zu sagen, ob die Zusammenführung auch so harmonisch verlaufen wird. Man wisse dies nie zu 100 Prozent, es bleibe immer ein Restrisiko, erklärt Deible.
Die neue Bärendame Nuka ist sehr neugierig
Laut dem Karlsruher Zoo mache Nuka bisher einen sehr positiven Eindruck. Sie zeigt sich sehr neugierig und habe sofort alles in dem noch fremden Gehege erkunden wollen.

Sobald sich die Transportboxen zu ihrem neuen Lebensraum geöffnet haben, sei sie direkt herausgesprungen und habe nicht gefremdelt.
Weiter erklärt Deible: "Für sie gibt es viel neues zu erriechen. Vermutlich riecht Nuka sogar noch ihre Vorgängerin in dem Gehege."
2016 ist Nuka geboren, damit sei sie noch ein recht junges Bärenweibchen. Ihr künftiger Paarungspartner Kap hingegen, ist mit seinen 24 Jahren schon über der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Eisbären.
Gewöhnlich erreichen die Arktisbewohner ein Alter von 15 bis 18 Jahren.
Eisbär Kap, der letzte seiner Linie
Mit dem Fortschreitenden Alter des Bären, drängt der Nachwuchs. Kap ist zusammen mit seinem Bruder, der letzte seiner Linie - der sogenannten Moskaulinie.
Sein Bruder ist jedoch nicht zeugungsfähig, womit der Fortbestand alleine an Kap hängt.
Kap hat bereits gezeigt, dass er zeugungsfähig ist und eine Tochter in Hamburg gezeugt. Doch das reiche nicht zum Fortbestand der Linie.
"Ein Jungtier ist kein Jungtier," Deible führt fort, es brauche zwei Jungtiere, um die Linie künftig halten zu können. Darum liege nun die Hoffnung in der Bärendame Nuka.
Eisbärnachwuchs noch in 2024?
Läuft die Paarungszeit gut an und alles klappt nach den Plänen des Zoos, könnte noch in diesem Jahr, ein Eisbärbaby in Karlsruhe geboren werden.

Trotz der Größe des Säugetiers, dauert die Schwangerschaft der Eisbären nur wenige Monate an. Im Oktober, November kommen die Neugeborenen zur Welt.
85 Prozent aller Eisbär-Babys sterben
Die Jungtiere von Eisbären werden sehr jung und klein geboren. Das macht sie generell sehr schwach. Darum überleben die meisten der Jungtiere, auch in unseren heimischen Zoos nicht.
In freier Wildbahn ist die Sterberate noch drastischer. Die Mütter fressen im Sommer und ernähren ihre Jungen im Winter ausschließlich vom Eigenfett. Das kann in den Arktischen Gebieten schnell knapp werden.

Der Eisbär ist vom Aussterben bedroht
Es gibt nur noch 17.000 Tiere weltweit. Damit ist die der Eisbär in seiner Art hoch bedroht.
"Sie leben buchstäblich auf dünnem Eis." Das ist auf der Website der WWF zu lesen. Denn der Klimawandel lässt des Lebensraum der Bären schmelzen.
Die Jagdsaison wird immer kürzer, die Nahrungsfindung schwerer und die Ernährung der Jungtiere fast unmöglich.
WWF schätzt, dass die freilebenden Eisbären bei der weiteren drastischen Entwicklung des Polenschmelzens, bis zum Ende dieses Jahrhunderts vollständig ausgestorben sein werden.