Wie wird man zum Fabelwesen Meerjungfrau- und gar zu einer Trainerin für Nachwuchsmeerjungfrauen und -männer? Auf diese Frage hat die 27-jährige Franziska Mergl eine ganz plausible Antwort: "Mit 13 Jahren habe ich angefangen Monoflosse zu schwimmen. Nach drei Jahren Training und erfolgreichen Wettkämpfen musste ich leider aufhören, da mein damaliger Trainer sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete. Das war sehr traurig, denn im Monoflossenschwimmen hatte ich damals endlich die Sportart gefunden die hundertprozentig zu mir passt", berichtet sie. "Vor drei Jahren habe ich dann durch ein Video von den Meerjungfrauenflossen erfahren und mir gleich eine gekauft."
Fabelwesen und Seefahrermythos
Und dann ging es auch in Durlach mit dem Mermaid-Trend so richtig los: "Nachdem ich auch meine beste Freundin mit dem Meerjungfrauen-Fieber angesteckt hatte, nahm die Meerjungfrauenwelle ihren Lauf. Einige Mütter hatten uns bei Veranstaltungen unseres Vereins, den Aquanauten Karlsruhe Durlach, mit unseren Flossen gesehen und angefragt, ob ihre Töchter oder Söhne mit uns schwimmen dürften. Und so wuchs unsere Gruppe", berichtet die Hobby-Meerjungfrau, die im richtigen Leben in einer Druckerei arbeitet.
In Durlach treffen sich die Meerjungfrauen und -männer nun schon seit drei Jahren. Aber die Legenden um die die Seefahrer betörenden Damen, halb Fisch - halb Mensch, gibt es schon seit vielen Jahrhunderten - spätestens mit Disneys "Arielle" wurden diese auch von den Kindern wieder entdeckt. Heute sind es gar nicht mal so wenige, die diesen kuriosen und zugleich phantasievollen Sport ausüben: "Allein bei uns im Verein sind es momentan rund 24 Meerjungfrauen und Meerjungmänner im Alter von 8 bis über 30 Jahren", freut sich Mergl.
Nicht jeder hat Verständnis für das etwas andere Hobby
Aber was ist das Meerjungfrauenschwimmen nun eigentlich - Sport, eine Lebenseinstellung oder eine Art gelebtes Märchen? Die Antwort lautet: Eine gute Mischung aus allem. Zum einen natürlich der Sport, in dem fast alle Muskelregionen beim Tauchen und Schwimmen mit der Flosse trainiert werden. Zum anderen aber auch eine Lebenseinstellung.
"Wir alle, die diesen Sport betreiben, finden das toll. Klar gibt es auch Leute, die das total doof und kindisch finden, aber wir stehen dazu und machen das gerne. Für mich ist es ehrlich gesagt das Größte, wenn ich die glitzernden Augen von Kindern sehe, die an Meerjungfrauen glauben und durch uns auch welche treffen können. Wenn sie sich zu uns setzen dürfen, um ein Foto zu machen und dieses dann stolz zeigen, weil sie eine Meerjungfrau getroffen haben", schwärmt die 27-Jährige.
"Das Märchen und die Fantasie ausleben, ja so könnte man das nennen. Ich denke unser Sport ist auch ein Stück weit eine Förderung der Kreativität: Haarschmuck zu basteln, Flossen nähen. Einige meiner Vereinskinder drehen sogar kleine Filmchen oder schreiben Geschichten über das Meerjungfrauensein. Für uns 'Ältere' ist es eine schöne Abwechslung zum stressigen und hektischen Alltag. Wir dürfen aus dieser Welt ausbrechen und für ein paar Stunden wieder Kind sein."
"Unser Meermann Jürgen baut seine Flossen selbst"
Eine gewisse Vorliebe fürs Wasser und Sicherheit beim Schwimmen, es braucht eigentlich gar nicht viel, um sich in einer Meerjungfrau zu verwandeln. Es gibt sogar Firmen, die die Flossen und Anzüge herstellen, aber viele Meerjungfrauen basteln sich ihre Outfits auch selbst. "So eine Erstausstattung mit allem Drum und Dran kommt gekauft auf etwa 160 Euro", erklärt Franziska Mergl. "Bei uns gibt es aber auch schon einige mit selbstgenähten Überzügen. Und unser Meermann Jürgen hat sogar schon eine selbstgebaute Flosse."
Mitmachen kann jeder, der über acht Jahre alt ist und sehr gut schwimmen kann, ansonsten gibt es keine Einschränkungen. Neben den Trainingseinheiten gibt es auch Treffen und Wettkämpfe, bei denen man mit Meerjungfrauen aus anderen Regionen zusammentrifft. Gemessen wird sich dabei nicht nur in sportlicher Hinsicht, neben dem Schwimmen gibt es auch Schönheitswettbewerbe, bei denen Outfit, Kreativität und Auftritt entscheidend sind. Aus sportlicher Sicht fällt das Mermaiding unter das so genannte Apnoetauchen (Tauchen ohne Gerät), ist also tatsächlich auch physisch eine echte Herausforderung.
Warteliste für Neu-Meerjungfrauen
Die Karlsruher Meerjungfrauen und Meerjungmänner vom Tauchclub Aquanauten in Durlach trainieren montags in der Sportschule Schöneck, bei Interesse kann man über die Webseite www.aquanauten-karlsruhe.de Kontakt aufnehmen.
"Momentan gibt es durch die große Nachfrage allerdings eine Warteliste, für die man sich bei uns aber auch anmelden kann. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, noch mehr Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das Meerjungfrauenschwimmen bei uns zu ermöglichen", freut sich Meerjungfrau Franzi über den großen Zulauf und das wachsende Interesse.