Montag, zirka 13.30 Uhr, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und leichter Schneeregen. Perfekte Bedingungen für einen Mittagsbesuch auf dem Karlsruher Christkindlesmarkt. Viele Arbeitnehmer würden die Mittagspause für eine Bratwurst oder den im Dezember fast schon obligatorischen Mittags-Glühwein nutzen. Eigentlich.

Denn in diesem Jahr herrscht eine andere Realität. Um die Mittagszeit ist nämlich gähnende Leere auf dem Markt- und Friedrichsplatz. Nur vereinzelt kommen Karlsruher an die verwaisten und eingezäunten Stände. "So sieht es jeden Tag aus", sagt Susanne Filder im Gespräch mit ka-news.de.

2G plus schreckt Besucher ab

Das große Hindernis? "Die 2G plus-Regel", findet die Vorsitzende des Karlsruher Schaustellerverbandes. Sie ist der Meinung, dass nur Wenige den Aufwand eines zusätzlichen Schnelltests auf sich nehmen um spontan über den Markt zu schlendern. Ein Eindruck, den mehrere ihrer Kollegen bestätigen.

Susanne Filder, Vorsitzende des Schaustellerverbandes Karlsruhe.
Susanne Filder, Vorsitzende des Schaustellerverbandes Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Auch das erste Wochenende sei laut Filder eher mittelmäßig verlaufen. Zwar sei der Christkindlesmarkt in den Abendstunden gut besucht gewesen, doch den Tag über würde auch am Wochenende wenig bis gar nichts los sein. "Natürlich ist abends viel los, doch in zwei bis drei Stunden holen wir das nicht auf, was wir den Tag über verloren haben."

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Die Folge: erhebliche Umsatzeinbußen bei Schaustellern und Beschickern. "Natürlich haben wir nicht mit dem Umsatz der Vor-Corona-Zeit gerechnet, doch so wie es aktuell läuft, kann es nicht weitergehen. Wir arbeiten nicht kostendeckend", sagt Filder. Laut der Vorsitzenden würden die Stände auf dem Markt- und Friedrichsplatz nur rund 40 bis 50 Prozent des eigentlichen Umsatzes machen. Schlimmer sei die Situation am Kirchplatz St. Stephan. Hier würden sogar nur rund zehn Prozent Umsatz generiert. Der Frust: entsprechend groß. 

"Wir wollen weitermachen"

"Alle stehen den ganzen Tag in der Kälte, verdienen kein Geld und legen aktuell drauf", so das bescheidene Fazit von Filder. Doch trotz aller schlechten Nachrichten aufgeben wollen die Schausteller in Karlsruhe nicht. "Wir wollen auf jeden Fall weitermachen. Das sind wir unseren Kunden und auch der Stadt schuldig", meint Filder. Ein vorzeitiger Abbau sei laut Filder aktuell nicht geplant. 

Die Schausteller im Gespräch mit OB Frank Mentrup.
Die Schausteller im Gespräch mit OB Frank Mentrup. | Bild: Carsten Kitter

Generell würde die Stadt den Schaustellern gut unter die Arme greifen. "Der Aufbau, das Hygienekonzept, die Security und vieles mehr. Alles hat die Stadt wunderbar gemacht und dafür sind wir sehr dankbar. Doch die 2G plus-Regel macht vieles kaputt."

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In einem Gespräch tauschen sich die Schausteller mit Oberbürgermeister Frank Mentrup, Marktamtsleiter Armin Baumbusch und Ordnungsamt-Chef Maximilian Lipp über die aktuelle Situation aus und versuchen zufriedenstellendere Lösungen zu finden. Der Wunsch von Filder und Co: eine geringere Platzmiete. "Ideal wäre es natürlich wenn sie ganz wegfällt, um in der aktuellen Situation aber profitabel arbeiten zu können  wären 50 bis 60 Prozent weniger nötig", wendet sich Filder an OB Mentrup. 

Jetzt gibt es Besucherbändchen

Der versprach die Idee mit in die kommende Sitzung des Hauptausschusses am morgigen Dienstag zu nehmen. Außerdem sollen künftig Personen, die bereits einen der Plätze mit Impf- und Testnachweis betreten haben, ein Bändchen ans Handgelenk bekommen. So soll ermöglicht werden, den Christkindlesmarkt an einem Tag öfter zu besuchen, ohne jedes Mal die benötigten Unterlagen vorzeigen zu müssen. Zusätzlich wurde am Friedrichsplatz ein neuer Testcontainer eröffnet, auf dem Marktplatz soll ein weiterer folgen.

Weihnachtsmarkt
Bild: Carsten Kitter

An den Öffnungszeiten des Marktes soll indes nicht gerüttelt werden. "Auch wenn wir bis zum Abend wenig verkaufen, es wäre das falsche Zeichen an unsere Kunden und würde für noch mehr Verwirrung sorgen. Außerdem würden die Verkaufsstände dann gar nichts mehr verdienen. Hier geht der Betrieb nämlich meist nur bis 18 Uhr", so Filder.

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"Die Ideen sind gut und wir sind froh, dass der OB und die Stadt immer ein offenes Ohr für uns haben, doch wenn die Landesregierung beschließt, die Weihnachtsmärkte zu schließen, hat es sich eh erledigt", meint Filder. "So lange kämpfen wir aber weiter!"

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