Den beiden AfD-Stadträten Paul Schmidt und Marc Bernhard ist die Band Feine Sahne Fischfilet ein Dorn im Auge. In einer Pressemitteilung fordern sie im Namen der Karlsruher AfD eine "sofortige Absage an die linksextreme Gruppe". Schmidt davon ist überzeugt, dass es sich bei Feine Sahne Fischfilet nicht einfach nur um eine ganz normale Band handele, sondern um eine "Gruppe von Linksextremisten, die regelmäßig vom Verfassungsschutz beobachtet wird". 

Stadträte wenden sich an Fest-Veranstalter 

Tatsächlich war die Band 2011 in den Fokus des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern geraten. Die Band war aufgrund einzelner Songtexte und einer angeblichen Anleitung zum Bau eines Molotow-Cocktails in die Kritik geraten. Medienberichten zufolge stufte der Verfassungsschutz die Band in einem Bericht damals als staatsfeindlich ein. Diese Beurteilung war seinerzeit nicht unumstritten. Für die Karlsruher AfD sind die damaligen Berichte aber auch heute noch ein Grund zur Sorge. 

"Es handelt sich um eine Band, die solch völlig enthemmten Gewaltorgien, wie wir sie gerade in Hamburg (Anm. d. Redaktion: Gemeint sind die Ausschreitungen im Rahmen des G20-Gimpfels in der Hansestadt) erleben mussten, verherrlicht. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände in Hamburg zeigen doch deutlich, wohin uns die jahrelange politische Verharmlosung des gewalttätigen Linksextremismus gebracht hat", so AfD-Stadtrat Marc Bernhard. Die AfD-Stadträte fordern daher die Veranstalter auf, den Auftritt der Band abzusagen.

Veranstalter erteilen AfD-Forderung klare Absage

Auf Nachfrage von ka-news heißt es vonseiten der Karlsruher Event GmbH (KEG), die Das Fest organisiert, dass die Kritik an der Band nicht unbekannt sei. Die Fest-Veranstalter stellen sich aber ganz klar hinter ihren Act. Das Fest stehe seit Jahrzehnten für Offenheit - und die Formation Feine Sahne Fischfilet passe mit "ihrem starken Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in das Programm des Festivals". Nach Einschätzung der KEG steht die Punk-Band für Dialog, Diskurs und die Vermittlung zwischen politischen Lagern. 

Aufrufe zur Gewalt bei Konzerten habe es nicht gegeben. Zudem stehe kein Titel der Band auf einem Index. "Richtig ist, dass die Band vor drei Jahren im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern erwähnt wurde, seit fast zwei Jahren findet man dort keine Erwähnung von Feine Sahne Fischfilet mehr", heißt es im Statement der KEG weiter. Nach Angaben der Veranstalter wird jede Band vor der Buchung von einem Booking- und Sicherheitsteam vorab besucht. 

"Wir glauben, dass das jahrelange Engagement und die aktuellen Auszeichnungen sowie Nominierungen nicht durch einen zehn Jahre alten Text, der seit sieben Jahren nicht mehr zur Aufführung kommt, so negativ gewichtet werden kann, um damit ein Auftrittsverbot ableiten zu können oder zu dürfen. Künstler und Musiker durchleben Wandel- und Lernprozesse - sie haben die Chance, sich zu entwickeln", stellt die KEG klar. 

Aktualisierung, 17.55 Uhr: 

Die AfD-Stadträte erhalten bei ihrer Forderung nach einer Absage von Feine Sahne Fischfilet Rückendeckung von der CDU Karlsruhe. Auch die Christdemokraten kritisieren in einer Pressemitteilung den Auftritt der Punk-Band. 

"Gerade vor dem Hintergrund der allgemein gestiegenen Zahl von Angriffen auf Polizeibeamte und der schlimmen Ereignisse rund um den G20-Gipfel in Hamburg sind die Einladung und der geplante Auftritt dieser Band für alle Polizistinnen und Polizisten ein Schlag in Gesicht", so der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther.

Die Argumentation der Veranstalter von Das Fest, die Band passe mit ihrem Engagement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit angeblich gut ins Programm, ist aus Sicht der CDU zu kurz gegriffen. Texte und öffentliche Äußerungen der Band würden "klar linksextremistische und Gewalt gegen Polizeibeamte rechtfertigende Ansichten." belegen. Deshalb wäre gerade nach den Ereignissen von Hamburg ein Signal wichtig, dass man sich gegen jede Form von Extremismus wende. 

Aktualisierung, Mittwoch 15.45 Uhr:

Nun meldet sich im Streit um den Auftritt von Feine Sahne Fischfilet bei Das Fest auch die Karlsruher SPD zu Wort - und die zeigt sich angesichts der Kritik der Karlsruher CDU irritiert. "Martin Wacker und sein Team leisten auch in diesem Jahr hervorragende Arbeit. Das Fest ist erneut ein starkes Aushängeschild für Karlsruhe. Im Vorfeld hatte sich das Team um Wacker die Punkband deshalb genau angeschaut und ist zu einem positiven Ergebnis gekommen", so der SPD-Kreisvorsitzende Parsa Marvi.

Es sei immer schwierig, wenn Politiker sich auf die Ebene von Künstlerkritik bewegen würden. Gleichzeitig mahnt Marvi, dass die Lieder von Feine Sahne Fischfilet auf keinem Index gelandet wären. Marvi wirft Wellenreuter vor, sich in diesem Streit auf Kosten der Veranstalter zu profilieren. Die SPD stelle sich klar gegen jegliche Angriffe auf die Polizei - "egal aus welcher Richtung sie kommen. Gewalt als Mittel zur Durchsetzung eigener Meinung hat in einer Demokratie keinen Platz. Die Band hat sich längst von dem zitierten Liedgut distanziert. Wir sehen auch von daher kein Problem mit der künstlerischen Vielfalt auf Das Fest." 

Aktualisierung, Donnerstag 17.20 Uhr:

Auch die Karlsruher Grünen-Gemeinderatsfraktion schaltet sich in die laufende Diskussion über den Auftritt von Feine Sahne Fischfilet bei Das Fest ein.  "Der geplante Auftritt der Musikband Feine Sahne Fischfilet bei Das Fest wird derzeit sehr kontrovers diskutiert. Gewalt legitimierende Songs werden von den Grünen abgelehnt. Die Grüne Gemeinderatsfraktion sieht es nicht als ihre Aufgabe an, gegenüber den Programmzuständigen Zensur auszuüben", so das Statement der Karlsruher Grünen.