Der Umsatz der Videospielindustrie stieg während der Corona-Krise weltweit um eine Milliarde Euro. Auch in Deutschland war der globale Aufwind der Digitalkunst deutlich spürbar - nicht zuletzt beim Karlsruher Publisher Gameforge. Doch wo immer es einen lukrativen Absatz gibt, werden auch Betrüger versuchen, auf illegalen und ausgeklügelten Wegen davon zu profitieren. Davon ist auch der Karlsruher Videospielentwickler nicht ausgenommen.

Thomas Burck, Vorstandsmitglied und Chief Officer & HR bei Gameforge AG Karlsruhe.
Tomas Burck, Vorstandsmitglied und Chief Officer & HR bei Gameforge AG Karlsruhe. | Bild: Visibility Agency

"Schon sehr lange, eigentlich seit Anbeginn der Online-Spiele, gibt es sogenannte Cheatbots. Software mit dem Zweck, das Spiel zu manipulieren und sich gegebenenfalls daran zu bereichern", erklärt Tomas Burck, Vorstandsmitglied und Chief Officer Customers & HR bei Gameforge. "Innerhalb eines unserer Online-Spiele gab es über mehrere Jahre einen sehr weitverbreiteten Bot, dessen mutmaßlicher Entwickler aber letzte Woche von der Polizei dingfest gemacht und von der Staatsanwaltschaft angeklagt wurde."

Ein künstlicher Spieler als endlose Geldquelle

Dieser Bot eines Münchner Entwicklers sei ein bekanntes und sehr massives Problem für Gameforge gewesen, da er laut Burcks Schätzungen einen Schaden im Millionenbereich verursacht habe. "Sie müssen sich den Bot als eine Art künstlichen Spieler vorstellen, der in einem automatisierten Prozess mit der virtuellen Welt unseres Online-Spiels interagiert und Ressourcen plündert", so Burck. "Auf diese Weise wird eine nie versiegende Quelle von Ingame-Währung generiert und die spielinterne Wirtschaft bricht zusammen."

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Hierdurch gehe einiges an Spielspaß verloren, da ehrliche Spieler dank der Bots eine ressourcen- und aufgabenarme Welt vorfänden. Spieler, die den Bot nutzen, könnten hingegen unverhältnismäßige Vorteile daraus ziehen. Zusätzlich würde eine zu große Zahl an Bots die Server des Spiels verstopfen. "Das alleine kostete uns schon viele Spieler, was für unser Free-to-Play-Online-Spiel schon schlimm genug ist", gleichzeitig aber entstand durch diesen Bot ein auf das Spiel zugeschnittener Schwarzmarkt.

Betrugsgeld im Millionenbereich

"Sowohl der Bot selbst als auch die durch ihn generierte Ingame-Währung wurde im Internet gegen Echtgeld verkauft - beides ist natürlich verboten. Auf diese Weise wurden nicht nur die Taschen des Entwicklers gefüllt, die schiere Masse der Bots, die unsere Serverplätze blockierten, wurden auch immer größer." Laut Polizeibericht habe der Täter durch seinen Bot einen Gewinn im Millionenbereich erwirtschaftet, bevor Gameforge ihm beikommen konnte. 

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Und dieses Beikommen der Bots und des Entwicklers sei alles andere als simpel gewesen: "Unsere Software kann einen Bot im ersten Moment nicht von einem menschlichen Spieler unterscheiden. Wie viele Ausgaben dieses Bots innerhalb unseres Online-Spiels präsent waren, kann ich also gar nicht so genau sagen", wie Burck ausführt. "Wir mussten die Fälle also teilweise einzeln überprüfen. Und selbst wenn wir einen Bot gefunden und gebannt haben, bleibt die Tatsache, dass unser Spiel free-to-play ist."

Ein Kommissar für das Gameforge-Team

Bei einem kostenpflichtigen Online-Spiel müsste sich ein Bot-User nämlich eine neue Spielekopie erwerben (zumindest wenn er den legalen Weg einschlage). Gameforges Produkt sei aber für jeden zugänglich, wodurch es einem gebannten Spieler möglich sei, mit neuer Mail- und IP-Adresse wieder auf das Spiel zuzugreifen. So könne erneut ein Bot eingeschleust werden. "Uns ist auf lange Sicht klar geworden, dass wir uns bei der Jagd auf den Entwickler nicht auf Technik alleine verlassen können", so Burck.

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Gameforge habe daher beschlossen, ihr Team durch einen ehemaligen Kommissar und Experten für Cyberkriminalität zu erweitern. "Wir mussten sehr viele Maßnahmen einleiten um den Täter letztendlich einzukreisen und die Bots großflächig auszumerzen. Ein großer Teil unseres wirtschaftlichen Schadens ergibt sich auch aus den Kosten, die diese Notwendigkeit mit sich brachte. Dennoch gelang es uns letztlich, mit dem Münchner Entwickler den mit Abstand größten Bot-Verkäufer unserer Produkte festzusetzen", sagt der Vorstand.

"Wir werden auch zukünftig keine Bots dulden"

Zumindest sei die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, den Täter gefunden zu haben. "Da die Ermittlungen aber noch Laufen können wir leider keine genaueren Details zu seiner Überführung herausgeben", sagt der Vorstand von Gameforge. "Dennoch bin ich froh, dass unsere Arbeit Früchte trug. Mit unserem Spiel auf illegale Weise Geld zu verdienen und dabei unsere Spieler über den Tisch zu ziehen ist nämlich etwas, das wir auf keinen Fall dulden möchten."

Natürlich werde man auch zukünftig mit Bots zu kämpfen haben, da wolle Burck sich "keine Illusionen machen. Aber dass wir es nun geschafft haben, einen der größten Schadensstifter unserer Online-Spiele zu fassen, sehen wir dahingehend auch optimistisch in die Zukunft und werden auch weiterhin gegen jede Art von Cheatbot und Schadenssoftware vorgehen."