Über 1.400 Menschen folgen "CatcallsofKarlsruhe" bereits auf Instagram. Mit Kreideaktionen auf den Straßen und digitalen Infoposts möchte das Team über sexuelle verbale Belästigung aufklären und gegen Catcalling einstehen. Wie Caroline erzählt mit vollem Erfolg.
Hallo zusammen, wollt ihr euch mal kurz vorstellen: Wer steckt denn alles hinter dem Instagram-Account "catcallsofkarlsruhe"?
Derzeit besteht 'CatcallsofKarlsruhe' aus zehn aktiven Mitgliedern. Wir bestehen derzeit aus Student:innen und mehreren Arbeitstätigen.

Wie kamt ihr auf die Idee, diesen Account zu gründen?
Ein Mitglied – Caroline (ich) – hat den Account damals eigenständig gegründet und erstmal alleine geführt. Auslöser war ein Catcall, da ich eine Freundin dabei hatte, die total überfordert war und anfing zu weinen.
Da kam mir erstmals der Gedanke, dass ich sowas nicht akzeptieren muss und habe beim Recherchieren im Internet @catcallsofnyc gefunden. Damals habe ich dann beschlossen, dass ich auch was dagegen unternehmen muss. Zum Glück habe ich daraufhin auch bald Unterstützung von weiteren Mitgliedern bekommen.
Welches Ziel verfolgt ihr damit?
Wir wollen Solidarität gegenüber Betroffenen zeigen und ein Zeichen gegen sexuelle verbale Belästigung setzen. Catcalling ist auch Belästigung und sollte genauso strafbar sein wie körperliche Belästigung.
Wie würdet ihr „Catcalling“ in einfachen Worten selbst beschreiben?
Verbale sexuelle Belästigung wie beispielsweise zurufen von sexuellen Anmachsprüchen, sexuellen Kosenamen oder sexuelle Komplementierung von Körperteilen.

Wie kann man sich an eurem Projekt beteiligen?
Wir freuen uns immer auf Neuzuwachs im Team. Man kann auch gerne mal zum Kreiden mitkommen, oder auch einfach nur unsere Bilder teilen und liken. Am meisten hilft man uns aber durch aktives Einschreiten, wenn man Catcalling mitbekommt. Geht auf die Täter zu und konfrontiert sie. Helft den Betroffenen, sich zu wehren.
Über PayPal sammelt ihr auch Spenden: Wofür werden diese genutzt?
Die Spenden sind für den Deutschen Verein 'Chalk Back Deutschland e.V.' Da alle eingetragenen Ortsgruppen zur internationalen Organisation Chalk Back und damit in Deutschland auch zum namensgleichen Verein gehören, können wir natürlich auch auf die Spenden zugreifen.

Die Spenden werden per Förderantrag bei Bedarf an die Ortsgruppen verteilt. Dazu gehören zum einen natürlich vorwiegend Kreide, aber auch T-Shirts mit ortsspezifischen Logo oder Geld für Events gegen Catcalling.
Ihr selbst verrichtet eure Arbeit aber ehrenamtlich, oder?
Ja, wir sind alle ehrenamtlich tätig – alle existierenden Ortsgruppen der Organisation Chalk Back sind unbezahlt! Das gilt international. Das Geld, das wir zur Verfügung bekommen, wird erst überwiesen nach Einreichen der bereits bezahlten Bestellung. Wir bekommen dementsprechend auch nur genau das, was wir aus eigener Tasche bezahlt haben. Keiner verdient daran, wir kommen lediglich wieder bei 0 raus.

Was müsste sich sowohl in unserer Gesellschaft als auch in der Politik verändern, damit 'Catcalling' in Zukunft kein Problem mehr darstellt?
Viel Bildung und Sensibilisierung ist nötig. Unsere Gesellschaft muss lernen, dass Catcalling eine Form der Belästigung ist und dementsprechend unterlassen werden muss. Von der Politik wünschen wir uns härteres Durchgreifen und Strafen für Catcalling.
Habt ihr für euch selbst denn auch einen Meilenstein gesetzt?
Als Gruppe wollen wir Bildungsarbeit leisten durch unsere regelmäßigen Infoposts und das Aufweisen von Catcalling auf den Straßen. Außerdem arbeiten wir derzeit mit dem Deutschen Dachverein an Workshops und versuchen derzeit mit dem KIT zu kooperieren.

Wie groß ist das Thema Catcalling denn in Karlsruhe?
Was die Menge der eingehenden Catcalls angeht, sehr groß. Wir bekommen fast täglich Einsendungen. Aber ein großes Gesprächsthema ist es leider nicht. Weder die Medien, noch die Leute thematisieren es. Catcalling muss präsenter werden und wir müssen darüber sprechen.
Und wie kommt das Projekt deiner Meinung nach bei den Karlsruhern an?
Da wir regelmäßig beim Kreiden angesprochen werden und Fragen beantworten, können wir sicher sagen, dass die Resonanz gut ausfällt. Die Leute interessieren sich dafür und unterstützen unsere Aktion.

Bis jetzt hatten wir um einiges weniger negative Reaktionen, als wir anfangs dachten. Was natürlich nicht bedeutet, dass Catcalling unwichtig ist. Es existiert viel, aber angesprochen werden wir eher von Personen, die uns zugewandt sind.