Die Blutkonserven werden immer knapper: In deutschen Krankenhäusern herrscht derzeit ein deutlicher Mangel an Reserven und der Bedarf kann teilweise nur gerade so noch gedeckt werden. "Aktuell reicht der Bestand für ungefähr fünf Tage aus", so Beate Barta, Fachärztin für Transfusionsmedizin, Anästhesie und Hämostaseologie am Städtischen Klinikum Karlsruhe.

Der Verein sagt Blutkrebs den Kampf an.
Der Verein Blut e.V. sagt Blutkrebs den Kampf an. | Bild: Sophia Wagner

Dabei spielen Blutspenden eine immens wichtige Rolle: Jeder Dritte von uns ist mindestens einmal im Leben auf das Blut anderer angewiesen, sei es zur Behandlung von Krebs, Erkrankungen des Herzens, Magen- und Darmkrankheiten oder bei Sport- und Verkehrsunfällen.

Warum der Mangel?

Gründe für die derzeitigen Engpässe sind unter anderem die zahlreichen Krankheitsfälle unter den Bürgern aufgrund der aktuell herumgehenden Infektionskrankheiten, Atemwegserkrankungen und der Grippewelle. "Ist man krank, darf man nämlich gar nicht spenden", so Maria Allmendinger von der Blutspendezentrale des Städtischen Klinikums in Karlsruhe.

Station im St. Vincentius Klinikum Steinhäuserstraße
Bild: Thomas Riedel

Doch die sinkende Menge ist schon seit längerer Zeit ein Problem. Laut dem Deutschen Roten Kreuz gehen nur drei Prozent der spendefähigen Bevölkerung auch tatsächlich zur Blutspende. "Diese Prozentzahl bleibt zwar gleich", erklärt Barta, "doch aufgrund der demographischen Entwicklung gibt es immer weniger junge Leute, die sich für eine Blutspende eignen." Wichtig wäre es, dass die Anzahl der Erstspender nachwächst, um diese Lücke im Spenderpool wieder auszugleichen.

"Ein Mangel ist immer da"

In Karlsruhe gehört das Problem zum Alltag: "Ein Mangel ist immer da, die Spendenbereitschaft ist sehr rückläufig", beklagt Allmendinger. Unsicherheit und Zweifel aufgrund mangelnder Aufklärung sei hierbei der Hauptgrund. "Viele trauen sich auch nicht, den Schritt zu gehen", sagt sie gegenüber ka-news.de.

Dr. Beate Barta ist Fachärztin in der Transfusionsmedizin- Anästhesie- Hämostaseologie am Städtischen Klinikum Karlsruhe.
Dr. Beate Barta ist Fachärztin in der Transfusionsmedizin- Anästhesie- Hämostaseologie am Städtischen Klinikum Karlsruhe. | Bild: Markus Kümmerle

Dabei haben wir alle genug Blut in unseren Körpern, um etwas davon abzugeben – rund fünf Liter fließen durch unsere Venen. Bei einer Blutspende werden nur bis zu 500 Milliliter entnommen. Das kann der Organismus schnell wieder ausgleichen.

Komme ich als Spender infrage?

Um Blutspender zu werden, müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt werden. Zu den Wichtigsten gehört:

  • gesund sein und sich am Tag der Entnahme fit fühlen
  • zwischen 18 und 68 (Neuspender maximal 60) Jahre alt sein
  • mindestens 50 Kilogramm wiegen
  • keine Einnahme von Antibiotika, Antimykotika (Pilzmittel) oder Cortisontabletten oder die Verabreichung bestimmter Impfstoffe in den vergangenen vier Wochen

Diese Punkte und alle weiteren wichtigen Dinge werden vor Ort mit einem Fragebogen erfasst, um für absolute Sicherheit zu sorgen – nicht nur für den Spender, sondern auch für den zukünftigen Empfänger.

Man darf auch regelmäßig sein Blut abgeben: Männer alle zwei Monate, Frauen alle drei Monate. Frauen dürfen zudem erst sechs Monate nach einer Schwangerschaft beziehungsweise nach der Stillzeit wieder spenden.

Einer Frau wird bei einer Blutspende eine Blutprobe entnommen.
Einer Frau wird bei einer Blutspende eine Blutprobe entnommen. | Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa/Symbolbild

Ist man sich nicht sicher, ob man als Spender geeignet ist, bietet das DRK auf seiner Webseite auch einen Spenden-Check an. "In jedem Fall lohnt es sich trotzdem immer, zumindest Bereitschaft zu zeigen", so Mike Mudat von Blut e.V. in Weingarten. Dieser Verein ist für die Typisierung von Stammzellenspendern zuständig, ka-news.de berichtete.

Ein schmerzfreier und unkomplizierter Prozess

Erfüllt man alle Voraussetzungen, kann es losgehen! Das Blut abnehmen selbst dauert nur fünf bis zehn Minuten. Für den gesamten Vorgang von Anmeldung bis Ruhezeit nach der Entnahme sollte man sich jedoch insgesamt ungefähr eine Stunde Zeit einplanen.

Dem Körper wird bei der Blutspende Flüssigkeit entzogen. Wichtig für den Kreislauf ist es daher, vor der Spende ausreichend gegessen (nicht zu fettig) und mindestens 1,5 Liter Wasser, Tees oder Fruchtsäfte getrunken zu haben. Alkohol ist ab dem Tag vor dem Termin tabu.

Ärmel hoch gegen Blutkrebs: Das ist das Motto des Vereins.
Ärmel hoch gegen Blutkrebs: Das ist das Motto des Vereins. | Bild: Sophia Wagner

Nachdem man bei der Anmeldung den Anamnesebogen ausgefüllt hat, wird ein kleiner Tropfen Blut aus der Fingerbeere entnommen, um festzustellen, ob ausreichend Blut vorhanden ist, um 500 ml davon abzunehmen.

Anschließend werden Blutdruck, Puls und Temperatur gemessen, sowie ein Gespräch mit dem zuständigen Arzt geführt. Nach der Entnahme muss der Spende 20 bis 30 Minuten ruhen und kann sich beim kostenfreien Imbiss mit Essen und Trinken stärken.

So wird der freiwillige Einsatz belohnt

Bezahlt wird man für die Blutspende zwar nicht, sie ist freiwillig und unentgeltlich. Jedoch wird mit diversen "Goodies" geworben, die den Spendern einige Vorteile für ihre eigene Gesundheit bringen.

Der Vorrat an Blutkonserven für die Krankenhäuser in NRW hat einen Tiefstand erreicht.
Der Vorrat an Blutkonserven für die Krankenhäuser in NRW hat einen Tiefstand erreicht. | Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Dazu gehören Kontrollen, die über den Standard der ärztlichen Untersuchungen hinausgehen, wie Cholesterin, Blutfette, Leber- und Nierenwerte oder Harnsäure. Auch auf mögliche Infektionen, wie Hepatitis, Syphilis oder HIV, wird getestet.

Ab der zweiten Spende bekommt man außerdem seinen eigenen Blutspender-Pass. Er beinhaltet neben der Blutgruppe auch die Rhesusformel und, wenn vorhanden, Antikörper. Führt man diesen immer mit sich, kann dies im Notfall entscheidend sein.

Was passiert, wenn es so weitergeht?

Falls es bei diesem Versorgungsengpass mit Blutspenden bleibe, haben die Kliniken Maßnahmenpläne. "Geht uns das Blut aus, versuchen wir es zunächst von außerhalb einzukaufen", erklär Allmendinger. Doch auch dies gestaltet sich laut Barta als schwierig: "Wenn wir zu wenig Blut haben, müssen wir auch davon ausgehen, dass es anderen Kliniken gerade genauso geht."

Das Karlsruher Klinikum befindet sich gegenwärtig bei Pandemiestufe eins.
Das Karlsruher Klinikum befindet sich gegenwärtig bei Pandemiestufe eins. | Bild: Verena Müller-Witt

Wenn der Mangel einmal zu groß werden sollte, müssen nicht-lebensnotwendige Operationen verschoben werden.  "Eine andere Option gibt es nicht", betont Allmendinger. Barta ergänzt: "Wir müssen mittelfristig gesehen davon ausgehen, dass Probleme in der Versorgungssicherheit auftreten könnten." Bisher war dies in Karlsruhe noch nicht der Fall. "Im Frühjahr waren wir aber nah dran", äußert sich Barta. "Da hat das Blut gerade so für einen Tag ausgereicht."

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Um dieses dunkle Zukunftsszenario zu vermeiden, gebe es laut DRK-Sprecher Stephan David Küpper einige Anreize. Beschäftigte könnten zum Beispiel für ihre Blutspende eine Zeitgutschrift vom Chef bekommen, und in den Schulen könnte das Thema im Biologieunterricht einen festen Platz finden.

Wo kann man in Karlsruhe Blut spenden?

Eine Anlaufstelle, wenn man sich für eine Blutspende entscheidet, ist die Blutspendezentrale des Städtischen Klinikums. Sie befindet sich in Haus D, direkt neben dem Parkhaus in der Knielinger Allee.

Öffnungszeiten:

Montag: 8:30 bis 11 Uhr
Dienstag: 14 bis 18 Uhr
Mittwoch: 14 bis 19 Uhr
Donnerstag: 14 bis 18 Uhr
Freitag: 8:30 bis 12 Uhr

Einen Termin kann man telefonisch unter der 0721 974 1720  oder direkt online unter blutspendetermine-karlsruhe.de ausmachen.

Außerdem gibt es immer wieder Tagesaktionen in Karlsruhe.

Die nächste findet am 23. Januar statt: Sporthalle Wettersbach, Thüringer Straße 11, 14:30 bis 19 Uhr. Zur Terminreservierung

Wichtig: Zur Anmeldung bitte einen gültigen Personalausweis oder Reisepass mit Meldebescheinigung mitbringen!