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Karlsruhe: Blick in die Historie: Wie der Fußball in Karlsruhe das Laufen lernte

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Blick in die Historie: Wie der Fußball in Karlsruhe das Laufen lernte

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    DFB-Vorstand 1906 mit Fritz Boxhammer 2. v. r.
    DFB-Vorstand 1906 mit Fritz Boxhammer 2. v. r. Foto: gemeinfrei

    Der 1894 gegründete Karlsruhe FC Phönix ist der Vorgänger des heutigen Karlsruher SC und einer der acht Vereine, die 1897 den Süddeutschen Fußball-Verband gründen. Sie tragen die Farben Schwarz und Blau, ihre Trikots werden in England bestellt – hier kommt der Sport her und es ist vorerst schwierig, Fußball in Deutschland zu etablieren.

    Im Jahr 1900 wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegründet, zu dessen 86 Gründungsvereinen Phönix zählt. Obwohl Phönix zunächst im Schatten seines Rivalen dem Karlsruher FV steht, entwickelt sich der Verein in den nächsten Jahren zu einer Spitzenmannschaft, auch auf nationaler Ebene.

    Länderspiel soll in Karlsruhe ausgetragen werden

    Die ersten Länderspiele überhaupt finden in Großbritannien statt, wo Schottland bereits 1872 gegen England spielt. Das erste offizielle Länderspiel in der Geschichte des deutschen Fußballs findet im April 1908 zwischen Deutschland und der Schweiz in Basel statt – hier schlagen die Schweizer die deutsche Mannschaft mit 5:3. Ein Jahr später wollen die Deutschen ein Rückspiel bestreiten.

    Am 4. April 1909 soll das erste Länderspiel auf deutschem Boden in Karlsruhe stattfinden – und kurz davor werden zwei Karlsruher Spieler vom FC Phönix ins Team der Nationalmannschaft berufen. Emil Oberle, der erst seit der Saison 1907/08 dabei ist, und Robert Neumaier, bereits seit 1902 Verteidiger beim FC Phönix, sollen für Deutschland spielen.

    Eine rein süddeutsche Mannschaft

    Über 5.000 Menschen haben sich am 4. April 1909 am Platz des Karlsruher Fußballvereins an der Moltkestraße versammelt, um das Spiel zu verfolgen. Der Spielausschuss des DFB hat für dieses Spiel eine rein süddeutsche Mannschaft zusammengestellt.

    Die deutsche Mannschaft spielt zum ersten Mal in dieser Aufstellung zusammen, aber "sie fand sich immer besser ineinander", wie die Zeitung am nächsten Morgen berichtet. In der 40. Minute fällt für Deutschland das erste Tor, dann geht es in die Pause. In der zweiten Hälfte gibt es mehrere Chancen auf weitere Tore, jedoch bleiben alle Versuche erfolglos.

    Phönix-Mannschaft 1908
    Phönix-Mannschaft 1908 Foto: gemeinfrei

    Nach 2,5 Stunden und einem sehr starken Wind, der das Spielen zeitweise erschwert, geht Deutschland gegen die Schweiz trotzdem als Sieger hervor. Abends kommt auch die Nachricht in Karlsruhe an, dass der FC Phönix in einem Spiel der Deutschen Meisterschaftsrunden 3:2 in Kaiserslautern gewonnen hat.

    FC Phönix erreicht das Endspiel der Deutschen Meisterschaft und gewinnt

    Insgesamt musste FC Phönix 29 Spiele bestreiten – 20 davon zur Erreichung der Südkreismeisterschaft, sechs zur süddeutschen und drei zur deutschen Meisterschaft. Das Endspiel findet am 30. Mai 1909, einem Pfingstsonntag, gegen Titelverteidiger FC Viktoria Berlin auf dem Sportplatz des Sportclubs Schlesien in Breslau, im Stadtteil Kleinburg statt.

    Hier kommen etwa 1.500 Zuschauer dazu, während in Karlsruhe zirka 200 Mitglieder des FC Phönix auf dem eigenen Sportplatz auf eine telefonische Nachricht aus Breslau warten Die Karlsruher haben den Anstoß aber der Berliner Mittelstürmer Worpitzsky schießt nach einem Freistoß in der 16. Minute das erste Tor.

    Wanderpreis "Die Viktoria"
    Wanderpreis "Die Viktoria" Foto: gemeinfrei

    Kurze Zeit später, in der 30. Minute, kann der Karlsruher Kapitän Arthur Beier nach einem Freistoß den Ausgleich für Phönix erzielen. Kurz darauf schießt Halbstürmer Wilhelm Noë das zweite Tor für Karlsruhe und die Mannschaften gehen mit 2:1 in die Pause.

    Nach der Pause hat Berlin den Anstoß und macht einige erfolglose Vorstöße. In der fünfzehnten Minute der zweiten Halbzeit schießt Phönix Stürmer Hermann Leibold wieder ein Tor, dann bleibt es bis zur 65. Minute beim 3:1, als Noë ein viertes Tor erzielt.

    Doch die Berliner fühlen sich noch nicht geschlagen und sieben Minuten vor Schluss gelingt Viktoria Halbstürmer Helmut Röpnack ein letztes Tor. Doch das reicht nicht. Am Ende siegen die Karlsruher mit 4:2 und erringen den Deutschen Meistertitel. 

    Die Gewinner werden gefeiert

    Bei der Siegesfeier überreicht der Vorsitzender des Verbands Deutscher Ballspielvereine, Fritz Boxhammer aus Berlin, der Mannschaft den aus Reichsmitteln gestifteten Wanderpreis – die Siegesgöttin, sitzend auf einem Sockel mit einem Lorbeerkranz in der rechten Hand.

    Boxhammer ist an der Gründung des Verbands Deutscher Ballspielvereine beteiligt und vertritt in dieser Funktion im Jahr 1900 mehrere Berliner Fußballvereine bei der Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bundes.

    Die Rückkehr nach Karlsruhe

    An jedem Bahnhof, wo der Zug anhält, wird die Mannschaft beglückwünscht. Kurz vor 20 Uhr fährt der Zug in den Karlsruher Bahnhof ein. Die Mannschaft wird von einer riesigen Menschenmenge empfangen und große Lorbeerkränze werden überreicht.

    Etwa 20 blumengeschmückte Droschken bringen die Männer durch die Kaiserstraße und die Karl-Friedrich-Straße zu ihrem Stammlokal Löwenrachen, wo der Abend mit Reden, Trinksprüche, Musik und Gesang weitergeht.

    Es ist das erste Mal, dass der Titel "Deutscher Meister" nach Karlsruhe kommt. Von überall her treffen mehr als hundert Glückwunschtelegramme ein, unter anderem von Oberbürgermeister Siegrist, Prinz Alfons von Bayern und Prinz Max von Baden.

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