Karlsruhe und die Region werden bei der Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten weiter zulegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine "kleinräumige Bevölkerungsprognose", welche die Stadt in Auftrag gegeben hatte und welche am Dienstag Thema im Karlsruher Gemeinderat war.

Landkreis Karlsruhe legt weiter zu

Deutschlandweit wird die Bevölkerung bereits ab 2022 abnehmen. Ganz anders verläuft die Entwicklung im Südwesten: Allein in der Region mittlerer Oberrhein werden nach Aussage des Landes 2025 rund 1,06 Millionen Menschen leben - und damit rund 40.000 mehr als heute. Mit Ausnahme von Baden-Baden werden, so die Prognose des Landes Baden-Württemberg, alle Städte in der Region mehr Einwohner haben.

Deutlich zeigt sich dieser Trend im Landkreis: In ihrer Prognose geht die Stadt davon aus, dass die Einwohnerzahl allein im Landkreis um fast 16.000 Personen auf insgesamt 447.300 Einwohner steigen wird. Besonders hoch soll dabei der Zuwachs in Karlsruhe ausfallen.

 

Vor allem Durlach und Neureut legen zu

Um abschätzen zu können, wie sich die Bevölkerung in der Fächerstadt entwickeln wird, hat die Stadt zwei Szenarien modelliert. In die Betrachtung wird die Bevölkerung mit Erst- und Zweitwohnsitz miteinbezogen. Die Bewohner der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge (LEA) werden nicht mitgerechnet. Der Grund: Zum einen sei es seit 2015 zu Verzerrungen der Meldefälle in der LEA gekommen. Zudem könne man nicht abschätzen, wie sich die Flüchtlingszuwanderung in den kommenden Jahre entwickle.

Bereits in den vergangenen Jahren zeichnet sich in Karlsruhe in eindeutiger Trend ab. Zwischen 2007 und 2014 stieg die Zahl der wohnberechtigten Bevölkerung von 300.412 auf 312.842 Einwohner - das entspricht einem Zuwachs von 12.430 Personen in acht Jahren. Im sogenannten "dynamischen Szenario" geht die Stadt davon aus, dass bis 2035 zwischen 24.700 und 37.400 weitere Einwohner hinzukommen werden.

 

Eine besonders starke Zunahme erwartet die Stadt in den Stadtteilen Durlach (4.891 Personen mehr) und Neureut (4.010 Personen mehr). Warum gerade diese beiden Stadtteilen? "In beiden Fällen resultiert das starke Bevölkerungswachstum fast ausschließlich aus Zuzügen in neu gebaute Wohnungen", erklärt die Stadt.

In Durlach nimmt sie an, dass neben größeren Neubaugebieten (Oberer Säuterich, Sportflächen) auch zahlreiche Flächen aus dem Baulandkataster sowie neue Flächen an den Siedlungsrändern  erschlossen und bezogen werden. "In Neureut ergeben sich  die hohen Bevölkerungsgewinne fast gänzlich aus dem  Wohnungsneubau im Rahmen des Räumlichen Leitbilds", so die Stadt weiter.

Stadt muss bei Infrastruktur und Wohnraum nachrüsten

Das Wachstum geht allerdings nicht spurlos an der Fächerstadt vorüber. "Die aktuelle und künftige Bevölkerungsentwicklung hat weitreichenden Einfluss auf viele Bereiche der öffentlichen Daseinsversorgung", so die Stadt in ihrer Bevölkerungsprognose. Das zeige sich dann beispielsweise dann bei der Nachfrage von Gütern oder Dienstleistungen. Und auch der Anspruch an die technische und soziale Infrastruktur wird sich mit zunehmender Bevölkerung verändern.

Ein weiteres Problem: der verfügbare Wohnraum. Wie alle Großstädte des Landes, aber auch zahlreiche mittlere Städte, hat die Fächerstadt ein Platzproblem und steht damit vor der schwierigen Aufgabe, der wachsenenden Bevölkerung auch ausreichend Wohnraum bieten zu können. Je nach Szenario werden in der Fächerstadt künftig 18.500 bis 30.300 weitere Neubauwohnungen benötigt.

Schon jetzt räumt die Stadt ein, dass es am Wunsch-Wohnstandort nicht ausreichend Wohnungen vorhanden sind. Die Folge: Wohnungssuchende müssen auf den Landkreis ausweichen. Dieses Problem will die Stadt frühzeitig angehen.

Konkrete Maßnahmen nennt sie in ihrer Untersuchung nicht. Mit der Zustimmung des Gemeinderats plant die Verwaltung nach eigener Aussage, die Prognose in Überlegungen zur Flächenbereitsstellung für den Wohnungsbau zugrunde zu legen.