Dass die Bauherren der Kombilösung auf die geplanten oberirdischen Gleise auf dem Südabzweig am Marktplatz verzichten wollen,entsetzte einige Karlsruhes Einzelhändler in den vergangenen Tagen. Geschäftsbetreiber sprachen von einer "katastrophalen Entwicklung" - sagten voraus, dass bis 2018 die meisten Läden geschlossen sein würden.

Die bahnfreie Kaiserstraße positiv verkaufen

Eine weitere Hiobsbotschaft Anfang dieser Woche: In den Pfingstferien wird die Kaiserstraße zwischen Kronen- und Europaplatz erneut wegen Bauarbeiten gesperrt. Auch in Mühlburg werden die Bahnen während dieser Zeit still stehen - und zwar zwischen Händelstraße und Entenfang. Auf Wunsch der verärgerten Einzelhändler will Oberbürgermeister Frank Mentrup nun immerhin dafür sorgen, dass die Bahnen noch am Pfingstsamstag verkehren - einem Hauptgeschäftstag.

"Ansonsten sagen Sie ihren Kunden einfach, sie können in der Kaiserstraße ganz ohne Bahnen einkaufen, statt von Unerreichbarkeit zu sprechen", so der OB am Mittwoch zu den anwesenden Händlern. Es gebe dieses Jahr deutlich mehr Chancen als Risiken.

Uwe Konrath, Geschäftsführer der Kasig, bat die Unternehmer um Verständnis dafür, dass er in Sachen Kombi-Baustelle noch keine genauen Daten nennen könne. Die hätten die für die Arbeiten verantwortlichen Unternehmen nämlich noch nicht geliefert. Fest steht aber: Pünktlich zum Stadtgeburtstag soll der Zirkel wieder über alle Straßen von der Kaiserstraße aus zugänglich sein. Auch der Marktplatz soll dann aufgrund des Südabzweig-Verzichts zu Teilen wieder begehbar sein. Zu den weiteren anstehenden Baumaßnahmen kann der Kasig-Chef derzeit noch keine detaillierten Aussagen geben. Sehr zum Ärger der Händler, die sich auf Einschränkungen in der Innenstadt einstellen wollen.

Erste Hilfe: Ein zusätzlicher verkaufsoffener Sonntag

Hoffnung und einen Kompromiss soll eine Aktion des Stadtmarketings in den schweren Zeiten für Karlsruhes Einzelhändler schaffen: Stadtmarketing-Chef Norbert Käthler kündigt am Mittwoch die Einrichtung eines "Innenstadtfonds" an. Insgesamt stünden 75.000 Euro zur Verfügung, mit denen individuelle Maßnahmen der Unternehmer im Baustellenbereich gefördert werden können. Bedingungen: Es müssen sich mindestens fünf Unternehmen zusammentun. Gefördert werde bis maximal 5.000 Euro oder bis zu 75 Prozent der Gesamtkosten. Mit ihren Ideen können sich die Unternehmer ab sofort im Internet bewerben.

Darüber hinaus ist von einem zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntag am 19. Juli die Rede. Dieser müsse jedoch erst vom Gemeinderat genehmigt werden. Weitere Aktionen wie der Klaviertag "Spiel mich", ein Oster- und Genussmarkt und Kunstinstallationen auf der Achse zwischen Ettlinger Tor und Schloss sollen zusätzlich für Attraktivität in der baustellengeplagten Karlsruher Innenstadt sorgen.

Stadtgeburtstag als Chance?

Und dann ist da ja auch noch der Stadtgeburtstag, von dem die Einzelhändler diesen Sommer profitieren sollen: Wie Geburstags-Organisator Martin Wacker erklärt, sollen die Events nicht nur im Schlosspark, sondern auch auf allen anderen Innenstadtplätzen stattfinden, sodass man mit bis zu einer Million Besuchern rechnen könne. "Die Gäste müssen ja auch alle durch die Stadt, um zum Schloss zu kommen", macht Wacker den Händlern Mut. Eine Merchandise-Produktlinie - eigens für den Stadtgeburtstag entwickelt - soll den Unternehmern zusätzliche Möglichkeiten eröffnen. "Nehmen Sie teil am Gemeinschaftserlebnis Stadtgeburtstag - heißen Sie unsere Gäste mit uns willkommen", so Wacker.

Auch Mentrup betont: 2015 sei ein Wendepunkt für Karlsruhe, nicht nur wegen des Stadtgeburtstags, auch, weil die Baustellensituation sich merklich bessern werde. Danach könne man darüber nachdenken, "wie wir den Baustellen-Countdown 2016 und 2017 gemeinsam organisieren und besser gestalten können."

So viel Optimismus ist den Einzelhändlern am Mittwoch jedoch ein Tick zu viel: "Sie können so viel Werbung machen, wie sie wollen. Wir hören doch, was die Leute über Karlsruhe denken; und das ist einfach selten etwas Gutes", so ein Beitrag aus dem Publikum des Einzelhandelsforum.

 
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