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Karlsruhe "Respektloser Frevel" an Denkmal: Friedensaktion am Haydnplatz sabotiert?

Anlässlich des 70. Jahrestags der Kapitulation der Wehrmacht und des Ende des Zweiten Weltkriegs verhüllten am vergangenen Freitag, 8. Mai, Friedensaktivisten ein umstrittenes Kriegsdenkmal am Haydnplatz in der Karlsruher Nordweststadt. Die Aktion sollte helfen, das Denkmal in einen historischen Kontext zu setzen - doch bereits in der Nacht zum Samstag wurde die Verhüllung von Unbekannten wieder entfernt.

Eigentlich sollte die Verhüllung bis zum 25. Mai bestehen bleiben, doch noch in der Nacht zum Samstag entfernten Unbekannte sowohl das schwarze Stofftuch als auch die aufgestellte Informationstafel am Kriegsdenkmal. Weiterhin wurden "die niedergelegten Gedenksteine mit Ortsnamen sowie für die namenlosen Opfer wahllos verstreut", heißt es in einer Pressemitteilung der Veranstaltungsinitiatoren. Sie sprechen von Schändung. Bemerkt wurde der Vorfall laut Veranstalter am späten Freitagabend von einem Mitglied des Friedensbündnis.

"Respektloser Frevel"

"Dies ist ein vor den Opfern der 35. Infanteriedivision respektloser Frevel", so die Friedensaktivisten, "zugleich ist er sinnlos, da mit unserer Aktion die Informationen über die Kriegsverbrechen der 35. Infanteriedivision sowie die kommunale Willfährigkeit bei der Denkmalaufstellung 1964 breit thematisiert werden konnte."

Die Verhüllung war eine Aktion von Karlsruher Friedensaktivisten. Sie sollte auf die umstrittene Bedeutung des Denkmals aufmerksam machen. Aufgestellt wurde es in den 60er Jahren im Gedenken an gefallene Soldaten der 35. Infanteriedivision der Wehrmacht, die ab 1936 in Karlsruhe stationiert war. Rund 40 Jahre später ergaben Recherchen des Stadtarchivs, dass die Division zahlreiche Gräueltaten - darunter Brandstiftung, Raub, gezielte Erschießungen und Misshandlungen von Frauen und Kindern - beging.

Rechtsextremistische Motive?

Die Friedensaktivisten vermuten hinter den Vandalen am Denkmal "militaristische" oder "rechtsextremistische" Motive: "Neonazistische Organisationen aus der Region treffen sich seit Jahren am 8. Mai zum Gedenken an die Wehrmacht, eventuell nutzen sie ihr diesjähriges Treffen, um die Verhüllung des Kriegsdenkmals und das Andenken an die Opfer zu schänden", heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung.

Die Polizei bestätigte am Montagvormittag gegenüber ka-news, dass sowohl Verhüllung als auch Erinnerungsschild nicht mehr am Haydnplatz vorhanden sind. Allerdings sei bislang noch keine Anzeige erstattet worden, sodass derzeit noch keine offizielle Straftat und keine Strafverfolgung vorliege. Man behalte sich eine Anzeigenerstattung vor, heißt es auf Nachfrage von ka-news bei den Friedensaktivisten. Ein Duplikat der gestohlenen Tafel soll in den kommenden Tagen aufgestellt werden.

ka-news Hintergrund:

Friedensaktivisten verhüllten am vergangenen Freitag, 8. Mai, das Denkmal mit einem schwarzen Stoff. Dieser wird mit bemalten Steinen am Boden befestigt. Der 8. Mai 1945 gilt als als Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und damit als offizieller Tag des Ende des Zweiten Weltkrieges. Er jährte sich am vergangenen Freitag zum 70. Mal. Zur Verhüllung aufgerufen hatte ein Zusammenschluss aus der Deutschen Friedensgesellschaft, dem Friedensbündnis Karlsruhe und der Initiative für ein Friedensdenkmal in Karlsruhe.

Das Denkmal steht schon länger in der Kritik. Vor mehr als einem Jahr stellte die Gemeinderatsfraktion der Linken eine Anfrage an das Gremium - Recherchen des städtischen Stadtarchivs und des Kulturamtes zeigten, wie tief die Division in die Grausamkeiten des Krieges verwickelt war. Brandstiftung, Raub, gezielte Erschießungen, schwere Misshandlungen von Frauen und Kindern - die Liste der Gräueltaten der Division ist lang. Zusammengefasst sind diese in einem sogenannten Symposium, das das Kulturamt sowie das Stadtarchiv im November 2014 anfertigte.

Die Stadt Karlsruhe hatte die Aktion genehmigt - allerdings darf die Verhüllung nur bis zum 25. Mai bleiben. Danach soll der Stein wieder enthüllt werden - dann jedoch mit einem kritischen Kommentar versehen:
 

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  •   Uhowei
    (594 Beiträge)

    12.05.2015 12:48 Uhr
    Alles Kriegsverbrecher?
    Eine Division besteht in Friedenszeiten üblicherweise aus ca. 10.000 bis 30.000 Soldaten. Zieht diese in den Krieg, kommt es durch die Kampfhandlungen bedingt zu einer Fluktuation (Verwundungen, Gefallene), so dass in Abhängigkeit der Kriegsdauer und Heftigkeit der Kämpfe dann oft ein Vielfaches der obigen Zahl an Angehörigen einer solchen Division heraus kommt.
    Ich habe meine Zweifel, ob man mal eben so 50.000 bis 100.000 Menschen pauschal als Verbrecher hinstellen darf. Das mag auf einen Teil zutreffen, die meisten jedoch dürften junge Menschen gewesen sein, die für ein verbrecherisches Regime den Kopf hinhalten mussten und erbarmungslos verheizt wurden. Denen zu gedenken ist eher pazifistisch als eine Verherrlichung von Gräueltaten.
    Es ist aber leider typisch, dass 70 Jahre nach Kriegsende linke Gruppen mit einem gefährlichen historischen Halbwissen meinen, sich mit derartigen Aktionen in Szene setzen zu müssen.
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  •   Badman
    (80 Beiträge)

    12.05.2015 18:30 Uhr
    Wer für Hitler in den Krieg zog, um die halbe Welt zu erobern
    hat kein Mitleid verdient!
    Verbrecherbande!
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  •   OtusScopus
    (1602 Beiträge)

    13.05.2015 22:13 Uhr
    Obwohl die Wehrmacht...
    eine verbrecherische Organisation war, ist es natürlich Unsinn zubehaupten, dass alle ihre Soldaten Verbrecher gewesen wären. Wer das tut, relativiert die Schuld der tatsächlichen Täter, von denen es in der Wehrmacht viele gab.

    Man kann durchaus der Toten der Wehrmacht gedenken, wenn man dabei so ehrlich ist, zu sagen, dass sie ihre Leben im Kampf für ein verbrecherisches System verloren haben und sich einige von ihnen schwerer Verbrechen schuldig gemacht haben.

    Genau diese Einsicht fehlt bei dieser Art Denkmal. Deshalb wäre es richtig, es zu entfernen.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12043 Beiträge)

    12.05.2015 20:04 Uhr
    es waren nicht alle Nazis, die in dieser Division Dienst taten:
    Hans Wulz, späterer General der NVA - ein Nazi, oder ein geradliniger Sozialist?

    Heinz Scharff, späterer Generaltruppeninspekteur des österreichischen Bundesheeres - ein Nazi, oder ein durch die "heim ins Reich"-Aktion Zwangsrekrutierter?

    ...

    Allesamt Verbrecher???
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  •   Rundbau-Gespenst
    (12043 Beiträge)

    12.05.2015 19:35 Uhr
    wie schön, da hat jemand die Gnade
    der späten Geburt...

    ... damals blieb den meisten nur die Alternative: Hurra, oder KZ ???
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  •   frari66
    (3920 Beiträge)

    12.05.2015 19:01 Uhr
    Das konnte man nur schwer selbst entscheiden
    ob man in den Krieg ziehen will oder nicht damals. Das war ja eine Diktatur mit entsprechenden "Organen" (GESTAPO udgl.), die schon dafür sorgte, dass man gehorchte oder in ein KZ kam.
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  •   frari66
    (3920 Beiträge)

    12.05.2015 13:07 Uhr
    Aber Sie haben natürlich das Vollwissen ?
    Woher ? Wikipedia ? Zitieren Sie doch mal was aus Ihrem Vollwissen zu den Vorwürfen dieser Division, wenn Sie es so genau wissen. Tatsächlich habe ich in wikipedia nachgeschaut. Sollte es anders gewesen sein wäre das interessant zu wissen. Dann kann man es ja wikipedia mitteilen. Auf jeden Fall ist ja ein Kommandeur dieser Division zum Tode wegen den Verbrechen verurteilt worden. Das dürfte also schon so stimmen ?
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  •   Uhowei
    (594 Beiträge)

    12.05.2015 13:21 Uhr
    Vollwissen hat niemand, aber hier reicht, mehr zu wissen als Sie!
    Generalleutnant Johann-Georg Richert wurde wegen der Gräueltaten, die in Osaritschi im März 1944 von den Wachmannschaften der 35. Infanterie-Division begangen wurden, verurteilt.
    Das erklärt nicht, warum man Angehörige anderer dieser Division angehörenden Regimenter oder Brigaden (Infanterie, Kavallerie, Panzertruppen, Artillerie, Pioniere, Sanitäter, Logistiktruppen, Panzerabwehrtruppen usw.) pauschal als Kriegsverbrecher verurteilt und es erklärt auch nicht, warum man vor dem März 1944 aus der division ausgeschiedene (Gefallene, Verwundete) oder erst nach dem März 1944 in die Division eingetretene Soldaten da mit hinein zieht.
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  •   Badman
    (80 Beiträge)

    12.05.2015 18:38 Uhr
    Nazis waren an der Regierung
    Das Militär zieht in einen Eroberungsfeldzug.
    Noch Fragen?
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  •   fallobst
    (1345 Beiträge)

    12.05.2015 19:48 Uhr
    Der Geschichtsunterricht
    an der Hauptschule ist definitiv mangelhaft, wie man hier sieht.
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