Am Anfang des 19. Jahrhunderts beschließt die Stadtverwaltung Karlsruhe, die Fächerstadt durch einen Kanal mit dem Rhein zu verbinden. Aus Kostengründen wird die Ausführung jedoch um mehrere Jahrzehnte verschoben.

Der Rheinhafen wird offiziell

Erst im Juni 1901 werden zwei Hafenbecken und ein kleines Ölbecken in Betrieb genommen und am 27. Mai 1902 wird der Rheinhafen eingeweiht. Die Eröffnungszeremonie findet im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 50. Jahrestag der Regierungszeit von Großherzog Friedrich I statt.

Rheinhafen am 27. Mai 1902.
Rheinhafen am 27. Mai 1902. | Bild: gemeinfrei

"Wir bringen zur öffentlichen Kenntnis, dass der Rheinhafen bei Karlsruhe dem Betrieb übergeben ist und mit dem Zeitpunkt dieser Bekanntmachung als Hafen gilt", schreibt das Großherzogliches Ministerium des Innern am 11. Juni 1901.

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Über den Schiffsverkehr am Rheinhafen wird dann regelmäßig öffentlich detailliert berichtet. Man kann beispielsweise lesen, wie die Badenia V am 27. Juli mit 113 Tonnen Stückgüter ankommt, während die Arminius am 31. Juli mit 140 Tonnen Holz und Sprit und die Grünwinkel III mit 40 Tonnen Bier abgehen.

Neue Arbeitsplätze durch die Eröffnung des Rheinhafens

Die Eröffnung des Rheinhafens sorgt für viele neue Arbeitsplätze. Das Städtische Hochbauamt beispielsweise schreibt eine "Arbeitvergebung in öffentlicher Submission" aus und sucht dabei Gipser, Schreiner, Schlosser, Glaser und Maler für Arbeiten an dem Städtischen Verwaltungsgebäude am Rheinhafen. Hier im Verwaltungsgebäude wird die neueste Technik eingesetzt.

Der Rheinhafen bei Karlsruhe mit den Becken
Der Rheinhafen bei Karlsruhe mit den Becken | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Wie die Badische Presse am 2. Juni 1901 berichtet, wird das Geschäftszimmer des Brückenmeisters der Maxauer Schiffbrücke mit dem Verwaltungsgebäude am Rheinhafen telefonisch verbunden werden, damit die rechtzeitige Öffnung der Schiffbrücke zum Durchlass von Schiffen signalisiert werden kann. Die Geschäftszimmer in der Werfthalle am Rheinhafen werden auch an das Fernsprechnetz der Stadt angeschlossen.

Lange waren die Bestrebungen erfolglos

"Die Bestrebungen Karlsruhes, durch einen schiffbaren Kanal mit dem Rhein verbunden zu werden, reichen bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts zurück", schreibt die Badische Landeszeitung am 28. Mai 1902.

Der Rheinhafen bei Karlsruhe mit mit den Becken
Der Rheinhafen bei Karlsruhe mit mit den Becken | Bild: Carmele|TMC Fotografie

Bereits 1824 hat Ingenieur Johann Gottfried Tulla, der ab 1809 die Rheinbegradigung durchführte, vier verschiedene Projekte ausgearbeitet, die aber nicht weiterverfolgt wurden. 1856 wird der Plan von dem damaligen Wiesenbaumeister und späteren Oberbürgermeister Wilhelm Lauter wieder aufgenommen und jahrelang betrieben, jedoch ohne endgültiges Ergebnis.

Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 kommt unerwartet ein Aufschwung in der deutschen Wirtschaft und auch in Karlsruhe entwickeln sich Handel und Industrie immer mehr. Dies führt dazu, dass die Stadt Karlsruhe erneut über die Durchführbarkeit des Rheinhafenprojekts nachdenkt.

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Nach langen Verhandlungen 1896 mit der großherzoglichen Regierung, der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus und der Landstände, darf mit dem Projekt weitergemacht werden.

Die feierliche Einweihung

Bereits am Vormittag des 27. Mai 1902 fängt die feierliche Einweihung an. Gegen 10 Uhr versammeln sich die Festteilnehmer: Leiter der staatlichen, städtischen und militärischen Behörden, Mitglieder des Landtags und der Handelskammer auf dem Hauptbahnhof, von wo aus sie per Sonderzug nach Maxau gebracht werden.

Friedrich I und Luise von Baden (Großherzogspaar)
Friedrich I und Luise von Baden (Großherzogspaar) | Bild: gemeinfrei

Das Großherzogspaar und andere Mitglieder des großherzoglichen Hauses werden mit Kutschen nach Maxau gefahren. Böllerschüsse von den oberhalb und unterhalb der Maxauer Schiffbrücke aufgefahrenen Schiffe begrüßen das Großherzogspaar. An dem Hafenfest beteiligen sich 20 Schiffe – drei Ehrenschiffe sowie 16 Dampfer und ein Vordampfer, die Badenia IX, auf welcher das Großherzogspaar fährt.

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Auf dem zweiten Schiff befindet sich Prinz Max von Baden, auf dem dritten Prinz Karl mit seiner Gemahlin. Alle Schiffe sind mit Flaggen und Blumen geschmückt. Auch die Schiffe auf der anderen Seite des Rheins – damals die bayerische Seite, heute die pfälzische – stehen in Paradestellung und auf jedem der Dampfer spielen Militärkapellen.

Prinz Max von Baden ca. 1900 – der letzte Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs.
Prinz Max von Baden ca. 1900 – der letzte Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs. | Bild: gemeinfrei

Kurz vor 11 Uhr öffnet die Schiffbrücke und die stattliche Flottille, mit dem Vordampfer und das Schiff mit dem Großherzogspaar, beginnen die Fahrt nach dem Rheinhafen, wo sie kurz vor 12 Uhr ankommen. Auf beiden Seiten des Ufers stehen große Menschenmengen und beobachten das Spektakel.

Nach der Landung besichtigen die Passagiere die Hafenanlagen, insbesondere die Werfthalle und das Elektrizitätswerk; danach werden die Gäste werden per Sonderstraßenbahn in die Stadt zurückgebracht.

Der Großherzog spricht einen Toast auf die Stadt

Nachmittags veranstaltet die Handelskammer Karlsruhe ein Festmahl, zu dem die Teilnehmer der Festfahrt eingeladen werden und um 15 Uhr erscheint der Großherzog mit den Prinzen Max und Karl.

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