Bittere Tränen wurden im Januar 2016 für das "Le Carambolage" vergossen - eine Traditionsbar hatte nach über 30 Jahren für immer seine Türen geschlossen. Nachdem lange unklar war, wie es weitergehen soll, steht seit Anfang 2017 ein neuer Club in den Startlöchern. Angelehnt an den Kultfilm der Coen-Brothers "The Big Lebowski" haben sich Susan Rostam und Jakob Mackeldey an das schwere "Carambo"-Erbe getraut.
Neuer Charme im alten Look
Es ist eine große Aufgabe für die beiden Jung-Unternehmer, die auch privat ein Paar sind. Außer der Fassade und dem Kachelofen ist nicht viel vom alten Carambo geblieben. Das Gebäude wurde vom neuen Besitzer kernsaniert - kein alter Muff, sondern frischer Holzduft weht dem Besucher entgegen. Noch sind Wände und Böden grau, doch schon Mitte Juli soll das "Lebowski" einen 50er-Jahre Retro-Charme versprühen.

Eine Couch auf altem Holzboden, ein riesiger Kachelofen und feine Mosaikplättchen lassen die Vergangenheit des Gebäudes wiederaufleben. Gestaltungselemente, die im schummrigen Licht der alten Kneipe nicht zur Geltung kamen. Und auch in der Anordnung wird sich viel verändern.
Elektro statt Indie-Rock
Der vordere Bereich ist als Bar- und Sitzbereich im 50-Jahre-Stil geplant, im hinteren Bereich werden künftig die DJs das Publikum in einer Industrial-Atmosphäre zum Tanzen animieren. Die Musik: Hauptsächlich elektronisch, einmal in der Woche soll ein Mixed-Music-Abend auch nicht elektronisches Publikum anlocken.
Ab Juli wird das "Lebowski" jeden Tag ab 9 Uhr die Türen öffnen und soll nicht nur Nachtschwärmern einen Anlaufpunkt bieten. Clubbetrieb ist vorerst nur an drei Tagen geplant: jeden Mittwoch, Freitag und Samstag. Später sollen weitere Tage hinzukommen.

"Wir planen langfristig einen Bar- und Cafébetrieb ab 9 Uhr, mit kleiner Frühstückskarte", so Susan, "auch der Biergarten, der Raucherbereich, im Innenhof soll dann geöffnet sein." Das Zielpublikum? "Bei uns ist jeder willkommen", sagt die 25-Jährige, "einen Dresscode gibt es nicht. Chucks und Jeans sind hier ebenso gern gesehen wie Kleid und High-Heels."
Trotz Offenheit beim Kleidungsstil: Für Ex-Carambo-Gänger, mit Vorliebe für Rock-, Indie- und Alternative-Musik, stellt das "Lebowski" ein hartes Kontrastprogramm dar. Freunde der elektronischen Musik werden am "Ich dreh durch"-Motto der Wochenendabende hingegen viel Freude am neuen Club haben.
DJ, Einrichtung, Gastro: Alles "Do it yourself"
An den elektronischen Plattentellern soll es viel Abwechslung geben: Um die DJ Auswahl und Musik kümmert sich Jakobs Bruder Max, der auch selbst an den Reglern stehen wird. Zusammen mit einem weiteren Kollegen gründeten die Brüder 2015 die DJ-Agentur B&J Events, die auch im Lebowskis DJ stellen wird. "Wir spielen im Lebowski kein Druffie-Elektro", antwortet Jakob auf die Nachfrage nach der konkreten Musikrichtung, "neben Deep House und Minimal wird auch Chillhouse oder Elektro-Swing aufgelegt."

Nicht nur bei der DJ-Auswahl heißt es "Do it yourself" bei den Jungunternehmern: Die Einrichtung und anfallenden Handwerker-Renovierungsarbeiten übernehmen die Besitzer - "mit Ausnahme der wichtigen Sachen wie Anschlüsse et cetera", sagt Jakob.
Das i-Tüpfelchen in Sachen Trendfaktor wird die digitale Speisekarte sein, die vorhandene Technik bringt ebenfalls ein eigenes Start-Up von Jakob mit. "Mit My Gastrotab kann das Mittagessen beispielsweise per App vorbestellt und zur gewünschten Zeit bei uns abgeholt oder direkt verspeist werden. Oder im Barbetrieb können die Besucher ihr Getränk direkt auf dem Smartphone nachbestellen - ohne Warten auf den Kellner", erklärt Jakob. Die Etablierung der App-Bestellung soll zusammen mit der Speise- und Getränkekarte im Laufe des Clublebens wachsen.
Baustellen-Partys am Wochenende
Jetzt heißt es zunächst: renovieren, streichen, einrichten. Im Juli ist die Eröffnung geplant. Wer vorher schon eine Vorstellung vom neuen Club bekommen möchte, kann am Wochenende die "Baustellenpartys" besuchen. "Der Eintritt ist frei", sagt Susan.
In Kooperation mit dem Grashüpfer-Festival sind am Samstag und Sonntag auch die Räume des ehemaligen "Liebstöckl" geöffnet: Wie in alten Zeiten wird am Freitag und Samstag, 26. und 27. Mai, über zwei Stockwerke gefeiert. Eine Kombination, die es künftig öfters geben wird? "Lasst euch überraschen", sagt Susan im Gespräch mit ka-news.