Thomas Fröhlich hat (beruflich) schon so Einiges erlebt, hat sprichwörtlich seine Duftmarken und Spuren in der (inter)nationalen Kunst- und Kulturszene hinterlassen.

Der amtierende Kanzler der Staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe ist freundlich, entspannt und eloquent und erweist sich sofort als angenehmer Zeitgenosse, einfach jemand, mit dem man sich gerne unterhält, ja fachsimpelt. In diesem Sinne freut sich ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei über ein Gespräch mit dem ausgewiesenen Fachmann.

Herr Fröhlich, Sie sind jetzt gut ein Jahr im Amt, wie fällt Ihr Fazit aus?

"Die Zeit ist auf jeden Fall schnell vergangen. Das ist für mich ein Zeichen, dass ich gut angekommen bin. Am Anfang musste ich mich in meine neue Aufgabe, aber auch in die Stadt und ins Gebäude ein- und zurechtfinden. Ich wurde sehr freundlich und unterstützend im Haus und in Karlsruhe aufgenommen“ und so falle es leichter, die Herausforderungen, die anstehen, anzugehen. "Ich bin also gut angekommen."

Thomas Fröhlich: "Gehe immer noch gerne ins Kino"
Thomas Fröhlich: "Gehe immer noch gerne ins Kino" | Bild: Tim Carmele

Wie ist Ihr Eindruck von der Hochschule?

"Die HfG befindet sich in einer Umbruchphase. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wird ein kompletter Generationenaustausch an der HfG stattfinden. Das heißt fast alle Professor*innen und viele Mitarbeiter*innen sind neu oder erst relativ kurz am Haus und werden gemeinsam die Zukunft der HfG gestalten.“ Das sei ungemein spannend, aber zugleich auch anstrengend, "da wir ja unserem Ruf und unseren eigenen Erwartungen an die Ausbildung der Studierenden gerecht werden wollen“.

Es sei aber auch eine Phase, so Fröhlich, in der alle fundamental mitgestalten könnten. So etwas komme eher selten an Hochschulen vor "und daher finde ich es gerade sehr erfüllend, an diesem Prozess mitwirken zu können“.

Thomas Fröhlich im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei
Thomas Fröhlich im Gespräch mit ka-news.de-Kulturredakteur Toby Frei | Bild: Tim Carmele

Und welche (mittelfristigen) Ziele haben Sie?

"Die oben erwähnte Umbruchphase verunsichert natürlich auch viele. Veränderungen heißt auch Vertrautes aufgeben und Neues annehmen.“ Nicht jedem falle so etwas leicht. "Mein Ziel wäre es, dass wir die HfG für die Zukunft ausrichten und dabei alle Beteiligten mitnehmen, damit die Veränderung als Chance wahrgenommen wird. Die selbst gesetzten Ziele, welche die HfG in Ihrem Struktur- und Entwicklungsplan mit dem Land vereinbart hat, müssen bis 2025 umgesetzt werden. Dabei werden sowohl die gegenwärtige Struktur des Hauses, als auch die Erwartungen an die Zukunft berührt.“

Thomas Fröhlich, seit 2021 im Amt des HfG-Kanzlers
Thomas Fröhlich, seit 2021 im Amt des HfG-Kanzlers | Bild: Tim Carmele

Das betreffe Themen wie beispielsweise Profilschärfung der Lehre, Verwaltungsreform, Nachhaltigkeit, Geschlechterparität und vieles mehr. Da bleibe nicht viel Zeit. Umso wichtiger sei, so Experte Fröhlich, dass alle mitmachen und wissen, dass ihre Unterstützung gewollt und wichtig ist!

Ein besonders spannendes Thema ist ja die Typographie – haben Sie da einen persönlichen Bezug, ein Faible?

Vielleicht Helvetica? Typografie sei ein oft unterschätztes Thema. Vor allem wenn man bedenke, wie oft bei der Gestaltung von und mit Texten danebengegriffen wird. „Es gibt schier unendlich viele Schrifttypen; aber die richtige zu finden und dann auch noch richtig einzusetzen, scheint immer noch eine ungeheure Herausforderung zu sein.“ Da bleibe oft nur der Rückgriff auf Bewährtes. „Und da wären wir wieder bei Helvetica“, erklärt Fröhlich.

Fröhlich: "Karlsruhe ist pittoresk"
Fröhlich: "Karlsruhe ist pittoresk" | Bild: Tim Carmele

Sie sind/waren ja unter anderem Regisseur und Drehbuchautor, gibt es auch noch andere Passionen?

„Das Kino bleibt für mich sicherlich ein Interessenschwerpunkt. Ich gehe immer noch sehr gerne ins Kino, auch wenn ich seit über zehn Jahren aus der Branche raus bin. Ansonsten erkunde ich mit meiner Familie gerade die Museen und die Umgebung der Stadt.“ Dass Frankreich in der Nähe sei, sieht Fröhlich als willkommenen Anlass, "sein Französisch wieder zu üben und auf Vordermann zu bringen“.

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Wie gefällt Ihnen Karlsruhe als Stadt, insbesondere deren kulturelle Einrichtungen?

Fröhlich gerät geradezu ins Schwärmen: "Karlsruhe hat ein enormes kulturelles, aber auch tolles Sport- und Freizeitangebot.“ Bislang habe er nur einen kleinen Teil wahrnehmen können. "Ich beschreibe Karlsruhe immer gerne als pittoresk. Es ist ein bisschen wie ein tolles Gemälde, bei dem man immer mehr entdeckt, je länger man es betrachtet."

Vita Thomas Fröhlich

Thomas Fröhlich bringt für die Position des Kanzlers vielfältige Erfahrungen im Verwaltungs- und Finanzbereich mit. Er studierte Rechtswissenschaften in Passau und Berlin, Liberal Arts in New York und Bildende Kunst in Kassel. Nachdem er viele Jahre als Drehbuchautor und Regisseur tätig war, arbeitete er in leitender Position bei einem Pharma-Startup und einem Schulträger, bevor er 2012 an die Kunsthochschule Kassel wechselte. Hier verantwortete er die Hochschulverwaltung und berichtete dem Rektorat der Kunsthochschule. Auch privat ist er der Kunst verbunden und engagierte sich langjährig unter
anderem im Kasseler Kunstverein e.V.. Als Kanzler der HfG verantwortet er innerhalb des Rektorats die Bereiche Wirtschaft und Personal und leitet die Hochschulverwaltung. Darüber hinaus wird er die strategische Ausrichtung und Entwicklung der Hochschule aktiv mitgestalten.