Die Profis sowie die U19- und U17-Mannschaft des Karlsruher SC sollen aus dem eingetragenen Verein in einen wirtschaftlichen Betrieb ausgegliedert werden. "Fußballvereine in den oberen Ligen sind heutzutage reine Wirtschaftsunternehmen", sagt Markus Schütz im Gespräch mit ka-news.

Schütz sitzt im eigens gegründeten Ausgliederungsausschuss des KSC, der alle Informationen für den Wandel in ein reines Wirtschaftsunternehmen zusammengetragen und bewertet hat. Weitere Mitglieder sind: Das KSC-Präsidium, Vertreter des Verwaltungs-, Vereins- und Ehrenrates, ein Beratungsunternehmen, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Teile der aktiven Fanszene (Supporters Karlsruhe 1986 und Ultra1894).

Was spricht gegen die Ausgliederung?

KSC-Geschäftsführer M ichael Becker sieht keine Nachteile in der Ausgliederung, nennt im ka-news-Interview ausschließlich Gründe , die dafür sprechen: Finanzielle Haftung im Verein klar regeln, sich für Investoren öffnen, Gesamtverband vor Insolvenz schützen - kurzum die Professionalisierung der Organisationsstruktur."Wir wollen uns breit positionieren, mit unserem Modell alles abdecken", sagt Becker zur geplanen Vereinsstruktur.

Schütz beurteilt die Ausgliederung ebenfalls positiv. Argumente gegen eine Ausgliederung gibt es laut Schütz nur auf Grundlage einer Basis: "Da geht es höchstens um rein emotionale Aspekte." Diese dürften in der Fanszene durchaus vorhanden sein: Man ist stolz auf die Tradition; die über 120-jährige Geschichte des Vereins.

Ein kurzer Exkurs: Am 6. Juni 1894 wurde der "Karlsruher FC Phönix" gegründet, er fusionierte am 6. Juli 1912 mit dem 1897 gegründeten "Karlsruher FC Alemannia" zu "Karlsruher FC Phönix" (Phönix-Alemannia), am 16. Oktober 1952 fusionierte der KFC Phönix mit dem VfB Mühlburg - zum heutigen Karlsruher SC.

Dessen aktuelle Fans halten sich öffentlich zurück, kritische Stimmen erheben sich bislang keine. Auf ka-news-Anfragen finden sich keine Gegenpositionen zu den aktuellen KSC-Planungen bei den aktiven Fans. "Bisher möchte sich noch niemand positionieren, da sie noch die Informationsveranstaltungen abwarten möchten", sagt Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe, gegenüber ka-news.

Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe
Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe | Bild: ps

Bislang konnten kritische Stimmen im Gespräch überzeugt werden: Zusammen mit KSC-Chef Becker hat Schütz bereits eine Veranstaltung der Supporters Karlsruhe besucht und sind in den Dialog über die Ausgliederungspläne getreten. "Wir haben die anwesenden Fans überzeugen können", sagt Schütz, "das Konstrukt der Ausgliederung muss man verstehen."

Damit es möglichst alle verstehen (und im Juni für die entsprechende Satzungsänderung stimmen), veranstalten die KSC-Verantwortlichen eine Regio-Tour. Am 9. und 23. Mai stellen sich Becker und Co. ab 18 Uhr den Fragen der Fans im Klubhaus im heimischen Wildparkstadion. Außerdem informieren sie in Mörsch, Bruchsal und Sinzheim.

Wie wird umstrukturiert?

In insgesamt fünf Sitzungen hat der Ausschuss über die passende Rechtsform für das "Wirtschaftsunternehmen KSC" diskutiert. Geeingt hat man sich auf eine "Gesellschaft mit beschränkter Haftung und Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien" - also kurz eine GmbH & Co. KGaA.

So soll sich die KSC GmbH & Co. KGaA strukturieren, falls die Mitglieder die Ausgliederung absegnen.
So soll sich die KSC GmbH & Co. KGaA strukturieren, falls die Mitglieder zustimmen. | Bild: Schütz RA

"Eine GmbH wäre richtig, wenn ein großer Geldgeber existiert, wie Volkswagen bei VfL Wolfsburg oder Bayer in Leverkusen", so Schütz. Der Automobilriese und der Pharmahersteller halten die Mehrheit bei den jeweiligen Gesellschaften. Möglich ist das durch eine Ausnahmeregelung der 50+1-Regel. Diese besagt, dass ein Verein mindestens 50 Prozent der Stimmen plus eine weitere Stimme an der ausgegliederten Lizenzspielerabteilung halten muss.

Hat künftig ein Investor das Sagen?

Müssen sich KSC-Fans vor einer Investoren-Übernahme des Vereins fürchten? "Viele Fans denken, dass ein Scheich oder ein finanzstarker Investor kommt und dann sind wir weg", so Schütz, "Das ist nicht der Fall!" Die 50+1 Regel wird beim KSC unantastbar bleiben.

"Es ist so in der Satzung verankert, dass der Verein KSC die Mehrheit an dem wirtschaftlichen Betrieb halten wird", so Rechtsanwalt Markus Schütz gegenüber ka-news. Die Fanverbände sollen außerdem einen festen Platz im Aufsichtsrat der KG erhalten: "Das ist eine neue Dimension der Fanmitbestimmung", sagt Rechtsanwalt Markus Schütz. Bleibt abzuwarten, wie es die über 7.000 Vereinsmitglieder sehen: Abgestimmt wird bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 29. Juni.

ka-news-Hintergrund

An folgenden Terminen können sich Mitglieder und Fans über die geplante Ausgliederung informieren:

Donnerstag, 2. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des 1. SV Mörsch.
Mittwoch, 8. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des SV 62 Bruchsal.
Donnerstag, 9. Mai, 18 Uhr im Klubhaus Wildparkstadion.
Mittwoch, 15. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des SV Sinzheim.
Mittwoch, 22. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des FC Germania Singen.
Donnerstag, 23. Mai, 18 Uhr im Klubhaus Wildparkstadion.

So erklärt der KSC die Ausgliederung im Video

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