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Karlsruhe KSC-Ausschussmitglied Schütz: "Es sprechen nur emotionale Gründe gegen Ausgliederung"

Fußballvereine in den oberen Ligen sind heute reine Wirtschaftsunternehmen - der Karlsruher SC möchte diesen Schritt mit der Ausgliederung seiner Profis auch gehen. Doch dazu benötigt der Verein die Zustimmung seiner Mitglieder im Juni. Die Dreiviertelmehrheit kann es nur geben, wenn die Emotionen zurückgestellt werden. Doch das ist beim Fußball bekanntlich nicht immer so einfach - vor allem nicht, wenn es um eine mehr als 120-jährige Vereinsgeschichte geht.

Die Profis sowie die U19- und U17-Mannschaft des Karlsruher SC sollen aus dem eingetragenen Verein in einen wirtschaftlichen Betrieb ausgegliedert werden. "Fußballvereine in den oberen Ligen sind heutzutage reine Wirtschaftsunternehmen", sagt Markus Schütz im Gespräch mit ka-news.

Schütz sitzt im eigens gegründeten Ausgliederungsausschuss des KSC, der alle Informationen für den Wandel in ein reines Wirtschaftsunternehmen zusammengetragen und bewertet hat. Weitere Mitglieder sind: Das KSC-Präsidium, Vertreter des Verwaltungs-, Vereins- und Ehrenrates, ein Beratungsunternehmen, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Teile der aktiven Fanszene (Supporters Karlsruhe 1986 und Ultra1894).

Was spricht gegen die Ausgliederung?

KSC-Geschäftsführer M ichael Becker sieht keine Nachteile in der Ausgliederung, nennt im ka-news-Interview ausschließlich Gründe , die dafür sprechen: Finanzielle Haftung im Verein klar regeln, sich für Investoren öffnen, Gesamtverband vor Insolvenz schützen - kurzum die Professionalisierung der Organisationsstruktur."Wir wollen uns breit positionieren, mit unserem Modell alles abdecken", sagt Becker zur geplanen Vereinsstruktur.

Schütz beurteilt die Ausgliederung ebenfalls positiv. Argumente gegen eine Ausgliederung gibt es laut Schütz nur auf Grundlage einer Basis: "Da geht es höchstens um rein emotionale Aspekte." Diese dürften in der Fanszene durchaus vorhanden sein: Man ist stolz auf die Tradition; die über 120-jährige Geschichte des Vereins.

Ein kurzer Exkurs: Am 6. Juni 1894 wurde der "Karlsruher FC Phönix" gegründet, er fusionierte am 6. Juli 1912 mit dem 1897 gegründeten "Karlsruher FC Alemannia" zu "Karlsruher FC Phönix" (Phönix-Alemannia), am 16. Oktober 1952 fusionierte der KFC Phönix mit dem VfB Mühlburg - zum heutigen Karlsruher SC.

Dessen aktuelle Fans halten sich öffentlich zurück, kritische Stimmen erheben sich bislang keine. Auf ka-news-Anfragen finden sich keine Gegenpositionen zu den aktuellen KSC-Planungen bei den aktiven Fans. "Bisher möchte sich noch niemand positionieren, da sie noch die Informationsveranstaltungen abwarten möchten", sagt Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe, gegenüber ka-news.

Marco Fuchs
Marco Fuchs, Vorsitzender der Supporters Karlsruhe | Bild: ps

Bislang konnten kritische Stimmen im Gespräch überzeugt werden: Zusammen mit KSC-Chef Becker hat Schütz bereits eine Veranstaltung der Supporters Karlsruhe besucht und sind in den Dialog über die Ausgliederungspläne getreten. "Wir haben die anwesenden Fans überzeugen können", sagt Schütz, "das Konstrukt der Ausgliederung muss man verstehen."

Damit es möglichst alle verstehen (und im Juni für die entsprechende Satzungsänderung stimmen), veranstalten die KSC-Verantwortlichen eine Regio-Tour. Am 9. und 23. Mai stellen sich Becker und Co. ab 18 Uhr den Fragen der Fans im Klubhaus im heimischen Wildparkstadion. Außerdem informieren sie in Mörsch, Bruchsal und Sinzheim.

Wie wird umstrukturiert?

In insgesamt fünf Sitzungen hat der Ausschuss über die passende Rechtsform für das "Wirtschaftsunternehmen KSC" diskutiert. Geeingt hat man sich auf eine "Gesellschaft mit beschränkter Haftung und Co. Kommanditgesellschaft auf Aktien" - also kurz eine GmbH & Co. KGaA.

Grundstruktur KSC GmbH & Co. KGaA
So soll sich die KSC GmbH & Co. KGaA strukturieren, falls die Mitglieder zustimmen. | Bild: Schütz RA

"Eine GmbH wäre richtig, wenn ein großer Geldgeber existiert, wie Volkswagen bei VfL Wolfsburg oder Bayer in Leverkusen", so Schütz. Der Automobilriese und der Pharmahersteller halten die Mehrheit bei den jeweiligen Gesellschaften. Möglich ist das durch eine Ausnahmeregelung der 50+1-Regel. Diese besagt, dass ein Verein mindestens 50 Prozent der Stimmen plus eine weitere Stimme an der ausgegliederten Lizenzspielerabteilung halten muss.

Hat künftig ein Investor das Sagen?

Müssen sich KSC-Fans vor einer Investoren-Übernahme des Vereins fürchten? "Viele Fans denken, dass ein Scheich oder ein finanzstarker Investor kommt und dann sind wir weg", so Schütz, "Das ist nicht der Fall!" Die 50+1 Regel wird beim KSC unantastbar bleiben.

"Es ist so in der Satzung verankert, dass der Verein KSC die Mehrheit an dem wirtschaftlichen Betrieb halten wird", so Rechtsanwalt Markus Schütz gegenüber ka-news. Die Fanverbände sollen außerdem einen festen Platz im Aufsichtsrat der KG erhalten: "Das ist eine neue Dimension der Fanmitbestimmung", sagt Rechtsanwalt Markus Schütz. Bleibt abzuwarten, wie es die über 7.000 Vereinsmitglieder sehen: Abgestimmt wird bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 29. Juni.

ka-news-Hintergrund

An folgenden Terminen können sich Mitglieder und Fans über die geplante Ausgliederung informieren:

Donnerstag, 2. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des 1. SV Mörsch.
Mittwoch, 8. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des SV 62 Bruchsal.
Donnerstag, 9. Mai, 18 Uhr im Klubhaus Wildparkstadion.
Mittwoch, 15. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des SV Sinzheim.
Mittwoch, 22. Mai, 18 Uhr im Klubhaus des FC Germania Singen.
Donnerstag, 23. Mai, 18 Uhr im Klubhaus Wildparkstadion.

So erklärt der KSC die Ausgliederung im Video

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  •   DonHasi
    (978 Beiträge)

    01.05.2019 06:50 Uhr
    Heiße Luft, sonst nix
    Ein Wirtschaftsunternehmen hat Geld und Reputation. Der KSC hat nix. (Ausser Schulden)
    An jeder noch so kleinen Herausforderung scheitert man kläglich. Siehe Ausnahmegenehmigung, siehe verlorene Relegationsspiele, beim letzten Bundesligakurzgastspiel hätte man 33 Punkte gebraucht um die Klasse zu halten - was war -nix. Eine ganze Nation wollte 1996 , das der KSC endlich einen offiziellen Titel gewinnt und hätte es uns auch gegönnt. Kläglich versagt.
    Hört auf zu träumen und blickt der Realität ins Auge.
    Momentan sind wir fußballerisch so bedeutungsvoll wie eine Ameise im Kopfsalat.
    Keiner wird Sie wahrnehmen und wenn Sie Pech hat wird Sie trotzdem gefressen.
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  •   Holzbierebub
    (205 Beiträge)

    30.04.2019 22:56 Uhr
    Auf in die Zukunft....?
    Sicher stehen die Investoren vor Welles Büro bereits Schlange.
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  •   DonHasi
    (978 Beiträge)

    30.04.2019 21:14 Uhr
    Heiße Luft, sonst nix
    Ein Wirtschaftsunternehmen hat Geld und Reputation. Der KSC hat nix. (Ausser Schulden)
    An jeder noch so kleinen Herausforderung scheitert man kläglich. Siehe Ausnahmegenehmigung, siehe verlorene Relegationsspiele, beim letzten Bundesligakurzgastspiel hätte man 33 Punkte gebraucht um die Klasse zu halten - was war -nix. Eine ganze Nation wollte 1996 , das der KSC endlich einen offiziellen Titel gewinnt und hätte es uns auch gegönnt. Kläglich versagt.
    Hört auf zu träumen und blickt der Realität ins Auge.
    Momentan sind wir fußballerisch so bedeutungsvoll wie eine Ameise im Kopfsalat.
    Keiner wird Sie wahrnehmen und wenn Sie Pech hat wird Sie trotzdem gefressen.
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  •   Karlsruher
    (55 Beiträge)

    02.05.2019 15:27 Uhr
    Und
    wenn sie es fünfmal wiederholen, wird ihr Gewürge nicht besser.
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  •   ALFPFIN
    (6685 Beiträge)

    30.04.2019 20:09 Uhr
    Dann gehöre ich auch zu denen,
    die meckern. Wenn der KSC meint sich zukünftig als reines Wirtschaftsunternehmen aufstellen zu müssen, muss er sich auch selbst finanzieren und zwar ausschließlich. Sollte ein KSC Verein trotzdem noch extern existieren, dürfen gerne alle KSC Freunde und (ehemalige) Mitglieder großzügig in das Wirtschaftsunternehmen spenden.
    Steuergelder sollten vorrangig in soziale Unternehmen, zum Erhalt der kommunalen Infrastruktur fließen. Letztendlich wollen wir ja auch alle (nicht nur die Freunde eines bestimmten Vereines) wieder davon einen Nutzen haben. Natürlich, es wäre blauäugig zu denken, alle Steuereinnahmen würden sinnvoll ausgegeben, siehe Kombi, aber dann nicht mehr für ein reines Wirtschaftsunternehmen KSC. Das werden sie, wenn überhaupt erst in Angriff nehmen, wenn das Stadion durch uns alle finanziert wurde. Rückfinanzierung, guck in die Sterne. grinsen
    Und natürlich Fußball gehört heute dazu, es gibt aber noch andere Sportarten, die gefördert werden sollten.
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  •   Arrows
    (98 Beiträge)

    01.05.2019 09:05 Uhr
    Und genau....
    ...deswegen will der KSC die Ausgliederung, damit der arme Karlsruher Steuerzahler kein Geld mehr in diesen Verein investieren muss. Sondern lieber in Stuttgart 21 oder BER.💪🏼
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  •   zahlenbeutler
    (1239 Beiträge)

    30.04.2019 17:59 Uhr
    reines Wirtschaftsunternehmen
    ach so, wie kommt die Stadt Karlsruhe dann dazu den KSC nicht wie ein anderes x-beliebiges Unternehmen zu behandeln oder hat die Stadt Karlsruhe auch vor, auch anderen Firmen großzügige Finanzierungen ihrer Ausgaben zu gewähren, z.b. Hoepfner zur Sanierung ihrer Gebäude oder dem Schreiner bei mir um die Ecke, der bräuchte dringend digitalfähige Maschinen
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  •   A.C
    (40 Beiträge)

    30.04.2019 18:09 Uhr
    ......
    Der Stadt Karlsruhe gehört das Areal und das Stadion... und Fussball gehört eben zu unserem Leben dazu, seht es ein oder behaltet eure Meinung für euch.
    Und mir geht dieses Gebashe sowas von auf den Nerv. Immer und über alles muss hergezogen werden, sei es das Stadion, die U-Strab, der neue Marktplatz und und und... diese Bewohner der Stadt (nicht alle) sind mit nix zu Frieden, glaube gäbe es nix zu Bruddeln, würden sie sogar darüber Bruddeln 😄 nee sorry Leute, aber das is nicht normal, das einzige worüber man Meckern kann, ist, dass es keine zweite Rheinbrücke gibt... bzw. die jetzige noch nicht im Rhein versenkt wurde 😂
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