Herr Kwasniok, gegen den KSC sind die Fans wieder zugelassen. Erstmals gibt es wohl seit rund zwei Jahren in Paderborn ein volles Haus. Freuen Sie sich?

Ich freue mich total. Unsere Heimbilanz ist überschaubar, das hängt auch damit zusammen, dass wir ganz, ganz selten gemeinsam mit den Ultras im Stadion antreten durften.

Wir haben sie vermisst, nun dürfen sie erstmals wieder mitwirken. Das macht Hoffnung, dass wir in den restlichen Heimspielen besser punkten als zuletzt.

Haben Sie keine Bedenken, dass durch diese Freigabe die Corona-Ansteckungszahlen wieder nach oben schnellen könnten?

Das ist von Fachleuten durchdacht und entschieden worden, ich habe Vertrauen in sie.

Karlsruhes Trainer Lukas Kwasniok geht über das Spielfeld.
Bild: Uwe Anspach (dpa)

Es ist nun Partie Nummer drei gegen den KSC. Ist es noch etwas Besonderes?

Ein Spiel gegen den KSC wird immer etwas Besonderes bleiben. Grundsätzlich ist jedes Zweitligaspiel etwas Besonderes - gegen den KSC ist es für mich ganz speziell. Dieser Verein hat mich als junger Spieler und dann als junger Erwachsener im Trainerbereich geprägt. Ich werde diesem Verein immer mit Dank verbunden bleiben.

Zwei Siege stehen bisher bei Ihnen gegen den KSC zu Buche. Folgt am Sonntag Nummer drei?

Natürlich ist es das Ziel, die drei Punkte zu holen. Es ist aber davon auszugehen, dass der KSC vom Hinspiel noch etwas wiedergutmachen will. Das liegt auf der Hand. Vor allem aufgrund der ersten Halbzeit, die hat etwas länger weh getan. Der KSC wird mit einer Portion Extra-Motivation zu uns kommen.

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Sie sprechen den furiosen Start Ihrer Elf im Wildpark an. Ist es wahrscheinlich, dass es am Sonntag nach 30 Minuten wieder 4:0 für den SCP steht?

(lacht): Sven Michel ist nicht mehr da…

Paderborn hat sich zu einer Art "Karlsruher Filiale" entwickelt. Sie stammen von dort, ihr Assistent Frank Fröhling ist gebürtiger Karlsruher. Marcel Mehlem und Florent Muslija haben dort gespielt. Bald kommt Robin Bormuth vom KSC zum SCP…

Frank Fröhling war nie beim KSC, weder als Spieler noch als Trainer. Dann liegt es in der Natur der Sache, dass sich die Wege von Spielern und Trainern in diesem Geschäft immer wieder kreuzen. Und: Dass man sich als Trainer, wenn es um Neuzugänge geht, an Spieler erinnert, deren Qualitäten man kennt, ist logisch. Man kennt sich, geht füreinander durchs Feuer.

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Der SCP hat die magische 40-Punkte-Marke erreicht, der Klassenerhalt ist gesichert. Der KSC ist mit 38 Punkten kurz davor. Es geht also um die "Goldene Ananas"?

Wenn für einen Spieler ein Zweitligaspiel nichts Besonderes ist, dann muss er schauen, dass er eine Umschulung macht. Das meine ich so, wie ich es sage! Wir haben als Verein ein Ziel, wir wollen in jedem Spiel einen Dreier. Dazu wird jeder für sich eine zusätzliche Motivation finden.

Einer ist wegen der Fans zusätzlich motiviert, der nächste will in der Tabelle weiter nach vorne, der andere will sich anbieten, der nächste sieht die Prämie. Die individuelle Motivation kann unterschiedlich sein - aber ist auf Fälle da. Wenn jemand aus meinem Kader meint, es geht um nichts, dann bekomme ich echt schlechte Laune. Aber: Das ist nicht der Fall!

Ist diese komfortable Tabellensituation eine gute Voraussetzung für ein Fußball-Spektakel?

Das war schon im Hinspiel der Fall, das war ein tolles Fußball-Spektakel. In der Mehrheit der Spiele versuchen wir dafür zu sorgen, dass es dazu kommt. Bisher ist uns das leider auswärts besser gelungen als in Heimspielen. Aber: Die Ultras sind wieder da!

Wie erwarten Sie den KSC taktisch? 

Der KSC ist stabiler geworden, hat sich im Mittelfeld der Tabelle festgesetzt. Da hat sich unter Christian Eichner einiges verfestigt. Sie versuchen alle Mannschaften unter Druck zu setzen. Wenn ihnen das einmal nicht so gelingt, dann haben sie kein Problem zu sagen: Okay - dann verteidigen wir eben. Und das macht sie so gefährlich.

Diese Elf schafft es auch, aus wenig viel zu machen, ist sehr effektiv. Der KSC ist eine echt unangenehme Mannschaft, mit Topkönnern im Team. Hofmann ist immer für ein Tor gut, Marvin Wanitzek auch. Es ist schwer, sie über die 90 Minuten zu kontrollieren.

Welche Taktik werden Sie wählen? Nach vorne spielen? Oder wie in Hamburg mit einem 5-3-2 agieren?

Das Spiel in Hamburg fand eigentlich außerhalb unserer üblichen Herangehensweise statt. Eigentlich entspricht ein 5-3-2 nicht unserem Naturell. Aber wir kamen nicht aus einer tollen Phase, und wenn man dann zum HSV fährt, dem Team, das bisher nur ein Heimspiel - gegen Werder Bremen - verlor und das unglücklich, dann muss man eben reagieren. Dann ist es legitim, die Spielsystematik anzupassen.

Interims-Trainer Lukas Kwasniok
Lukas Kwasniok zu seiner Zeit als Trainer der U19 des KSC. | Bild: M. Ripberger

Das heißt: Gegen den KSC werden Sie eine andere taktische Herangehensweise wählen? 

Definitiv. In einem Heimspiel gegen den KSC wollen wir nicht so wie in Hamburg agieren. Zudem: Systemwechsel sind Teil unserer Identität.

Ist Ihre Familie am Sonntag im Stadion?

Ja, meine Frau, unser Sohn und mein Bruder werden vor Ort sein.

Wem drücken die die Daumen? Ihr Sohn Brooklyn spielte in der KSC-Jugend…

In diesem Fall - natürlich mir!

Gibt es im Vorfeld Reaktionen von KSC-Fans, die Sie aus Ihrer Zeit im Wildpark kennen?

Das gibt es, da ist nichts abgebrochen. Und darüber freue ich mich sehr. KSC-Fans, Angestellte des Clubs - auch andere Bekannte melden sich immer wieder.

Sie haben mich auch nach dem Spiel in Karlsruhe beglückwünscht, haben aber auch deutlich gemacht, dass sie lieber einen KSC-Sieg gesehen hätten, oder jetzt: Dass sie mir alles Gute wünschen - und dem KSC am Sonntag einen Sieg. So sollte es im Fußball zugehen.