Am 11. September 2021 hatte der erstligaerfahrene Jung gegen Holstein Kiel seinen letzten Startelfeinsatz beim KSC. Trotz der enorm langen Pause: Jung trat auf, als hätte er nie gefehlt. Kompromisslos, zweikampfstark und mit viel Übersicht agierend. Seine Daten belegen das: 9,73 Kilometer spulte er beim Comeback in 83 Minuten ab. 89 Prozent Passquote. Dazu starke 75 Prozent Zweikampfquote. Richtig gut!

Keine Scheu vor Zweikämpfen

Auffallend: Er gab den Teamkollegen Anweisungen, schickte zum Beispiel einmal Stephan Ambrosius mehr ins Abwehrzentrum, beorderte ein anderes Mal Marvin Wanitzek auf eine defensivere Mittelfeldposition. Vom Anpfiff an war "Sebi“ im Spiel und orientierte sich nach vorne. Schon in Minute eins - die erste Flanke, direkt auf den Kopf von Torjäger Fabian Schleusener, der köpfte knapp am FCN Gehäuse vorbei. Nach 22 Minuten zeigte der 32 Jahre alte Jung auch defensiv seine Klasse und Erfahrung. Plötzlich stand er bei einem Nürnberger Konter alleine gegen Kwadwo Duah und Christoph Daferner.

KSC gegen Holstein Kiel 11. September
KSC gegen Holstein Kiel am 11. September(Archivbild) | Bild: Michaela Anderer

Doch mit klugem Stellungsspiel schaffte er es, per Kopfball zu klären. Stimmte einmal das Stellungsspiel nicht, dann gab’s eben ein kleines, cleveres Foulspiel. Ruhe am Ball – Übersicht, das brachte er ins KSC Spiel in. Beeindruckend: Jung hatte trotz langer Verletzungshistorie keine Angst bei Zweikämpfen, ging in jeden seiner Zweikämpfe ohne jegliche Scheu. "Ich bin ja schon ein paar Wochen im Training“ sagte er dazu lapidar. "Das ist ein Reifeprozess. Wenn man Angst hat - dann kann man nicht spielen.“

Sebastian Jung am Ball beim Spiel KSC gegen Nürnberg
Sebastian Jung am Ball beim Spiel KSC gegen Nürnberg | Bild: Mia

Dafür, dass Jung kompromisslos und ohne Angst agierte, trotz der langen Verletzungspause, hat Trainer Eichner eine Erklärung: "Sebi liebt den Sport, Sebi liebt das Fußballspiel.“ Der so Gelobte war zufrieden. "Wir haben in der ersten Halbzeit ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht und sind mit einer 1:0 Führung eigentlich mit einem zu geringen Vorsprung in die Kabine. Wir haben nichts zugelassen, außer ein, zwei Fernschüssen.“

Kein böses Blut mit "Thiedex"

Auch als die Nürnberger kurz nach der Halbzeit etwas aufkamen, haben man "so gut wie keine Chance zugelassen.“ Seinen Startelfeinsatz hat er genossen. "Es ist immer wieder schön, wenn man zurückkommt. Dann muss man aber auch das Vertrauen mit Leistung zurückgeben. Gegen Nürnberg war es ein sehr guter Start für mich, ich bin gut ins Spiel gekommen.“

Jung dachte auch den Kollegen Marco Thiede, der für ihn aus der Startelf weichen musste und zu dem er ein freundschaftliches Verhältnis hat: "Thiedex hat das die letzten Wochen auch gut gemacht. Ich bin sicher, er wird weiterhin seine Einsätze bekommen. Natürlich will ich spielen - aber das entscheidet das Trainerteam."