Derzeit hat die Online-Petition auf der Petitionsplattform von "Campact" - einer Bürgerbewegung - nach nur knapp einer Woche über 18.700 Unterschriften gesammelt. Die Menschen dahinter stimmen damit unter anderem dem Vorwurf zu, dass Nestlé Menschen in die Irre führe, dabei deren Leben aufs Spiel setze und dm das durch den Verkauf der Produkte unterstütze.

Konkret sieht die Petition Änderungsbedarf unter anderem in dem laut Petition vom Nahrungsmittelkonzern Nestlé  unterstützten Wachstum von Kinderarbeit. Zudem stehe insbesondere Babynahrung wegen Verletzung der Menschenrechte in der Kritik. "Nestlés irreführende Werbekampagnen untergraben das Stillen von Säuglingen, welches nicht selten den Tod zur Folge hat," heißt es in der Petition.

Einen weiteren Kritikpunkt wird in der Vermarktung von Wasser gesehen. Demnach fehle insbesondere in ärmeren Ländern vielen Menschen das Wasser als Lebensgrundlage. "Genau dort schöpft Nestlé viel Wasser ab und verkauft es in Plastik verpackt an die dort arme Bevölkerung - in einer Vielzahl von Ländern der Welt," erklären die Verantwortlichen der Petition auf ihrer Homepage weiter.

Vorwurf an dm: "Kein gemeinschaftliches Vorbild"

Die Kritik geht allerdings in erster Linie an dm: Der Karlsruher Drogeriemarktkette wird vorgeworfen, dass die Zusammenarbeit mit Nestlé dem Leitmotiv des Unternehmens "soziale Verantwortung" entgegen spreche.

"Es kann kein gemeinschaftliches Vorbild und auch keine soziale Verantwortung sein, einen Großkonzern - durch den Verkauf seiner Produkte - zu unterstützen, der sich derart gegen ein friedliches Leben auf diesem Planeten stellt und seinen Profit so unverfroren ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen einfährt," so die Verantwortlichen der Petition zur Begründung.

Aktuell hat die Online-Petition an den dm-Chef Erich Harsch schon über 18.700 Unterschriften.
Aktuell hat die Online-Petition an den dm-Chef Erich Harsch schon über 18.700 Unterschriften. | Bild: Screenshot ka-news

"Kein Anlass, Produkte aus dem Sortiment zu nehmen"

Doch was sagt dm zu den Vorwürfen? Der Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung von dm, Sebastian Bayer, erklärt in Hinblick auf die Petition gegenüber ka-news: "Wir sehen aufgrund der Informationen durch Nestlé keinen Anlass, Produkte dieses Lieferanten aus dem Sortiment zu nehmen." Nachdem man von der Petition gehört hatte, setzte man sich nach Aussage des Geschäftsführers sofort mit Nestlé in Verbindung und bat um ein Statement, auf das sich die Drogeriemarktkette jetzt beruft.

Das Ergebnis ist eine Erklärung des Unternehmens, in dem vor allem auf die Vermarktung von Säuglingsmilchnahrung und um den Umgang mit dem Recht auf Wasser eingegangen wird. Insgesamt gehe das Unternehmen nach eigener Aussage mit Kritiken offen um und ist sich demnach auch bewusst, dass es in der Vergangenheit häufig Diskussionen um die Vermarktung von Säuglingsnahrung gab.

Diese Diskussionen seien allerdings schon längst veraltet. Bereits seit 1982, als Nestlé das erste Unternehmen war, das den WHO Kodex umsetzte - der zum Ziel hat, die Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten auf Kosten des Stillens zu verhindern - wurde dieser eingehalten, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens. Außerdem sei das Unternehmen in den "FTSE4Good Index" aufgenommen worden, der unter anderem "strenge Anforderungen und Überprüfungen zur Vermarktung von Säuglingsmilchnahrung" beinhalte.

"Nestlé unterstützt das Menschenrecht auf Wasser"

Auf die Kritik in Bezug auf das Wasser reagiert der Nahrungsmittelkonzern folgendermaßen: "Nestlé unterstützt ausdrücklich das Menschenrecht auf Wasser, insbesondere für die persönliche Flüssigkeitsversorgung und für die Basishygiene. Die damit verbundenen Verpflichtungen sind auch Gegenstand unserer Unternehmensgrundsätze und stellen damit eine verbindliche Grundlage für unsere Geschäftstätigkeit weltweit dar."

Weiter habe sich das Unternehmen nach eigener Aussage Ziele gesetzt, um Verantwortung für den Umgang mit Wasser noch mehr gerecht zu werden. Schon jetzt werde man aber von kritischen Organisatoren, wie beispielsweise der Hilfsorganisation Oxfam, positiv bewertet.