Während der Industrialisierung veränderte sich in der Fächerstadt nicht nur die wirtschaftliche Situation: "Die Bevöl­ke­rung wuchs auch in Karlsruhe explo­si­ons­ar­tig, die Stadt wurde 1901 mit 100.000 Einwohnern Großstadt", beschreibt die Stadtverwaltung die damalige Situation. Diese Entwicklung hielt stetig an: 2018 - rund 150 Jahre nach Karlsruhes Hochindustrialisierung - wohnen hier zirka 310.000 Einwohner - also mehr als das Dreifache als Anfang des 20. Jahrhunderts.

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(Symbolbild) | Bild: Julia Wessinger

Früher: Umschlagplatz für Ziegel, Kohle und Schotter

Das sind aber nicht die einzigen heutigen Spuren der Industrialisierung: Im Stadtteil Grünwinkel beispielsweise sind auf dem Gebiet rund um den Westbahnhof "Relikte baulicher aber auch struktureller Art aus der Anfangszeit des Eisenbahnverkehrs", heißt es im Räumlichen Leitbild der Stadt Karlsruhe. Im Norden des Areals befanden sich in der Vergangenheit Umschlag-Gleise für Ziegel, Kohle und Schotter - der südliche Teil war ab 1899 Unternehmensareal der Alttextilverwertung Vogel und Schnurmann.

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Das Gebiet rund um die heutige Haltestelle West soll sich stark verändern. | Bild: Julia Wessinger

Noch heute lässt sich die überlieferte Struktur gut erkennen: Die ehemaligen Güterumschlagshallen mit Verwaltungsgebäude waren bis März 2009 an Speditionen und Gewerbe vermietet. Der Abriss der Anlage konnte mit Aufnahme in die Liste der erhaltenswerten Kulturdenkmäler verhindert werden - heute steht der Westbahnhof unter Denkmalschutz. Das Areal wurde 2009 für das Distributionszentrum der Deutschen Bahn umgestaltet. Weiterhin nutzt "Kühl Entsorgung & Recycling Südwest" einige Flächen des Westbahnhofs.

Zukunft: Gewerbe, Gastronomie, Kultur und Sport

Außer Gewerbe ist in der Ecke des Westbahnhofs nicht viel los: Zwischen den Gleisen finden sich noch einige Kleingärten und die Haltestelle wird derzeit von einer Straßenbahn (S51), einer Regionalbahn (R51) sowie einer Buslinie (60) angefahren. Das möchte die Stadt ändern und den Westbahnhof als Mobilitätsportal aktivieren: Die Pläne der Verwaltung sehen für die Zukunft vor, das Areal "Westbahnhof Roter Turm" mit Gewerbenutzungen nebst neuer Mobilität, Gastronomie, Kultur und Sport aufzuwerten.

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Der Westbahnhof in Blickrichtung Karlsruhe. | Bild: Julia Wessinger

Mit der Umgestaltung des 24,8 Hektar großen Geländes soll der Westbahnhof das Gebiet wieder besser erreichbar machen - und das, so die Pläne der Stadt, mit einer dicht getakteten Stadtbahnlinie. Sie solle zwischen dem Hauptbahnhof und Wörth fahren.

Außerdem wird der Westbahnhof nach den Plänen des Leitbildes ein "echter" Knotenpunkt mit neuer "Gleisquerung direkt in die nördlich und südlich angrenzenden Quartiere hinein". Insgesamt soll sich dadurch und mithilfe einer Umstrukturierung und Nachverdichtung von Gewerberäumen der Stadtraum komplett verändern.

Räumliches Leitbild Karlsruhe

Neue Grünflächen: Pocket Parks in Verbindung mit Grünräumen der Alb

Zu dieser Neugestaltung zählt zudem auch die Einplanung grüner Flächen: Es werde versucht gezielt kleine gärtnerisch gestaltete Flächen zu gestalten - sogenannte Pocket Parks - und diese miteinander zu verbinden. "Im Süden besteht die Möglichkeit, eine Grünbrücke über die Südtangente herzustellen", so die Stadt abschließend.

Die konkreten Pläne für die Entwicklung des Areals rund um den Westbahnhof.
Die konkreten Pläne für die Entwicklung des Areals rund um den Westbahnhof. | Bild: Stadtplanungsamt Karlsruhe

Ob und in welchem Umfang die Pläne allerdings umgesetzt werden, steht bislang nicht fest. Das Räumliche Leitbild gibt, wie der Name schon verrät, lediglich Linien für die Entwicklung der Stadt im Sinne der Verwaltung vor.

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