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Karlsruhe Neues Projekt von Karlsruher Unternehmen feiert Deutschland-Premiere: Was macht eigentlich ein Home-Office-Manager?

Arbeite ich eigentlich noch oder habe ich schon Feierabend? Nur eine von vielen Fragen mit denen sich Arbeitnehmer im Home-Office auseinandersetzten. Den Vorteilen, die das Home-Office bringt, stehen aber auch einige Herausforderungen und rechtliche Grauzonen gegenüber. Um Unternehme und ihre Mitarbeiter hier zu unterstützen, gründeten sechs Karlsruher Firmen eine "Home-Office-Allianz." Ein Projekt der Allianz feierte jetzt sogar Deutschland-Premiere.

Für viele Arbeitnehmer ist es ein stetiger Begleiter im Arbeitsalltag: das Home-Office. Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, besteht zwar schon länger, doch seit der Pandemie erlebt die Arbeit von zu Hause einen regelrechten Boom. 

Home-Office-Anteil in der Pandemie deutlich gestiegen

Eine Online-Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung ergibt: Rund 16 Prozent der Befragten arbeiteten Ende Juni 2020 "überwiegend oder ausschließlich" in den eigenen vier Wänden. Mit Beginn der Corona-Krise  erreichte der Anteil der zu Hause arbeitenden Arbeitnehmer im April 2020 seinen Höchsttand von 27 Prozent. Vor der Pandemie gaben lediglich vier Prozent der 6.309 Befragten an von zu Hause aus zu arbeiten. 

Im Homeoffice arbeiten viele Beschäftigte an einem nicht-ergonomischen Arbeitsplatz. Laut einer neuen Umfrage sind oft gesundheitliche Probleme die Folge.
Im Homeoffice arbeiten viele Beschäftigte an einem nicht-ergonomischen Arbeitsplatz. Laut einer neuen Umfrage sind oft gesundheitliche Probleme die Folge. | Bild: Fabian Strauch/dpa

Neben dem Vorteil, die Pandemie zu bremsen, bietet das Home-Office weitere Vorteile für Arbeitnehmer und 71 Prozent der Befragten gab an, auch in Zukunft damit zu rechnen, dass das Home-Office weit verbreitet bleibe. Doch das Home-Office hat auch einige Nachteile und stellt Unternehmen vor Aufgaben, welche auf den ersten Blick nicht unbedingt ersichtlich sind. Dies bemerkten auch sechs Karlsruher Unternehmen und gründeten deshalb kurzerhand eine "Home-Office-Allianz."

Die sechs Unternehmen und ihre Kompetenzen sind: 

  • Caemmerer Lenz (Recht)
  • sieber/wensauer-sieber/partner (Mitarbeitermotivation, Digital Leadership, Meetings)
  • ArgonSoft (IT-Ausstattung und IT-Sicherheit)
  • Keyrion IT (IT-Sicherheit)
  • 101 Entertainment (Digitale Veranstaltung, Übertragungstechnik)
  • Paseo Marketing (Home-Office-Leitfaden, Digitales Präsentieren)

Doch was genau können sich Unternehmen und Arbeitnehmer unter diesem Begriff vorstellen? In einem Zoom-Interview stehen Jörg Schröder, Elke Sieber und Michael Hölle stellvertretend für die Allianz ka-news.de Rede und Antwort. 

Das macht die "Home-Office-Allianz"

"Wir haben festgestellt, dass sich niemand - egal wie groß die Unternehmen sind - ernsthaft mit dem Thema Home-Office beschäftigt hat. Es gab keine Strukturen, jeder hat von allem ein bisschen gemacht und nichts war koordiniert", steigt Michael Hölle, Geschäftsführer von Paseo Marketing, ein.

Elke Lieber (oben links), Michael Hölle (unten links) und Jörg Schröder (unten rechts) im Zoom-Interview mit ka-news.de-Redakteur Carsten Kitter.
Elke Sieber (oben links), Michael Hölle (unten links) und Jörg Schröder (unten rechts) im Zoom-Interview mit ka-news.de-Redakteur Carsten Kitter. | Bild: Screenshot

Aus dieser fehlenden Struktur heraus sei dann die Idee für die "Home-Office-Allianz" entstanden. "Da jedes Unternehmen einen unterschiedlichen Schwerpunkt hat,  haben wir uns ausgetauscht und so ist dann die Idee entstanden", so Hölle weiter. 

Welche Schwierigkeiten auf Unternehmen beim Thema Home-Office zukommen, erklärt Elke Sieber von sieber/wensauer-sieber/partner. "Die Anforderungen, Perspektiven und Abläufe stellen sich nun anders da und auch rechtliche Aspekte müssen beachtet werden." Es seien aber auch Themen wichtig wie, "wie bleibe ich gesund, wie kann ich mein Team führen, wie motiviere ich meine Mitarbeiter, wie führe ich eine Teamsitzung durch und das Ganze auf Distanz und so, dass es für Unternehmen und Mitarbeiter gut und fördernd ist."

Deutschland-Premiere: Weiterbildung zum "Home-Office-Manager"

Um all diese und weitere Aspekte, wie beispielsweise IT-Sicherheit und technische Ausstattung für Unternehmen besser greifbar zu machen und um einen kompetenten Ansprechpartner innerhalb der Firma zum Thema Home-Office zu haben, bietet die Karlsruher Allianz gemeinsam mit dem IHK-Bildungszentrum nun eine Weiterbildung zum "Home-Office-Manager" an. 

Probleme im Home-Office? Die Karlsruher Allianz bietet Unternehmen ihre Hilfe an.
Probleme im Home-Office? Die Karlsruher Allianz bietet Unternehmen ihre Hilfe an. | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

"Wir bieten unsere Fähigkeiten und Kenntnisse aus unserem spezifischen Bereich an und daraus wurde ein Lehrgang entwickelt, bei dem jeder aus der Allianz seinen Part betreuen wird", erklärt Hölle den neuen IHK-Lehrgang. Dieser Lehrgang umfasst insgesamt 56 Unterrichtsstunden, die bei insgesamt zwölf Terminen durchgeführt werden. Ende April feierte der erste Kurs seine Deutschland-Premiere. Der nächste soll im Oktober starten. 

IHK-Kurs startete Ende April

Zum neuen Kurs erklärt Jörg Schröder von Caemmerer Lenz: "Interessierte Mitarbeiter sollten ein gewisses Koordination- und Organisationstalent haben." Prinzipiell seien die Anforderungen aber vor allem "weiche Faktoren", welche die Hürde für Interessierte nicht allzu hoch hängen sollte. Durch die Weiterbildung sollen Unternehmen für sich einen kompetenten Ansprechpartner in Sachen Home-Office schaffen. 

Gemeinsam mit IHK Bildungszentrum Karlsruhe bietet die Home-Office-Allianz die Weiterbildung zum Home-Office-Manager. (Symbolbild)
Gemeinsam mit IHK Bildungszentrum Karlsruhe bietet die Home-Office-Allianz die Weiterbildung zum Home-Office-Manager. (Symbolbild) | Bild: Wilfried Falk / IHK Bildungszentrum

Doch die Hilfe für andere Unternehmen soll sich laut Schröder nicht nur auf den Lehrgang begrenzen. "Wir wollen eine Art Kompetenzzentrum bilden, an welches sich alle Unternehmen aus allen Bereichen wenden können, wenn sie Unterstützung oder Hilfe beim Thema Home-Office brauchen."

Interesse ist groß

Und das Angebot zur Hilfe scheint auch gut angenommen zu werden, wie Schröder weiter berichtet. So meldeten schon verschiedene Unternehmen, gemeinnützige Organisationen oder mittelständische Unternehmen Bedarf an. Auch öffentliche Behörden seien unter den "Klienten" der Home-Office-Allianz. 

Und so unterschiedlich wie die Unternehmen sind, das Ziel ist immer gleich wie Elke Sieber zusammenfasst: "Alle vereint Anliegen. Sie wollen für ihre Mitarbeiter die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, um gut und gesund Home-Office machen zu könne. Und zwar in jeglicher Hinsicht."

Interessierte, die Hilfe zum Thema Home-Office benötigen oder der Karlsruher Allianz beitreten möchten, können sich jederzeit direkt bei den sechs Unternehmen oder beim Bildungszentrum der IHK melden. 

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Kommentare (4)
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  •   SW-Bewohner
    (3 Beiträge)

    04.05.2021 07:56 Uhr
    Pausenregel im Homeoffice
    Ich erhalte zu den unüblichen Tages-/ Nachtzeiten sowie am Wochenende Anfragen und Mails.
    Ist da nicht auch eine Pausenregel vorhanden, wie beim Arbeiten im Büro?
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  •   SW-Bewohner
    (3 Beiträge)

    04.05.2021 07:51 Uhr
    gibt es beim Homeoffice auch Pausenregeln?
    Viele wurden ins mobile Arbeiten oder Homeoffice "geschickt".
    Bei uns war es mobiles Arbeiten und damit musste ich erstmal einen Bildschirm, Schreibtisch,... auf eigene Rechnung kaufen. Schön, wenn man sich den ergonomischen Arbeitsplatz leisten kann, das ist nicht bei jedem so einfach. Dass manche den Platz zu Hause gar nicht haben, wurde auch nicht gefragt.
    Und zum Thema Pausenregel nach X Stunden bzw. Pause zwischen dem einen und nächsten Arbeitstag will auch keiner was wissen. Das geht dei dem ein oder anderen sehr auf die Psyche.
    Ich hoffe sehr, dass es bald Regeln zum Arbeitsschutz für diese Art der Berufsausübung gibt!
    Vielleicht ist das ja auch Inhalt der Schulung und wird in bälde Thema - zum Schutz der Mitarbeiter.
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  •   schlaule2
    (415 Beiträge)

    04.05.2021 06:58 Uhr
    Home Office ist nicht gleich zu setzen
    mit mobilen Arbeiten zu Hause. Die meisten die in der Pandemie zu Hause arbeiten machen kein Homeoffice. Bei Homeoffice muss der Arbeitgeber den Arbeitsplatz ausstatten und der Arbeitsplatz muss dem Arbeitsschutz entsprechen. Beim mobilen Arbeiten erlaubt der Arbeitgeber das man ab und zu zu Hause arbeite darf (oder wie jetzt in der Pandemie dauerhaft). Wie der Arbeitsplatz dann aussieht ist egal. Auch jemand der offiziell Homeoffice macht kann zusätzlich mobil arbeiten wenn es erlaubt ist z.B. aus einer Ferienwohnung heraus.
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  •   kritiker_2014
    (808 Beiträge)

    03.05.2021 23:04 Uhr
    Weiterbildung zum "Home-Office-Manager?
    Jeder Betrieb der Home Office anbietet weiß wohl am besten wie man das organisiert.
    Einzig IT Sicherheit und das entsprechendes Equipment muß dafür zur Verfügung gestellt werden
    wie Rechner,Bürotisch Drucker etc.
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