Das "Karlsruher Modell" hat sich seit fast 25 Jahren als erfolgreiches Modell für die Verknüpfung von innerstädtischen und überländlichen Schienenverkehr erwiesen und steht für schnelles Reisen zwischen der Karlsruher Innenstadt und dem Umland.

Neuer Vertrag bis 2035

Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup und Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann haben durch eine neue Vergabekonzeption, die durch die Europäische Union vorgeschrieben wird, die Grundlage für das Modell bis ins Jahr 2035 gelegt.

Das EU-Gemeinschaftsrecht sieht vor, dass Aufträge, unter anderem aus dem Dienstleistungsbereich, deren Wert über einem bestimmten Schwellenwert liegen, europaweit ausgeschrieben werden müssen. Diese Schwellenwerte werden alle zwei Jahre von der EU-Kommission neu festgelegt. Am Montagmittag wurde der neue Eckpunkteplan, der sich an der Vorgabe orientiert, mit den neuen Vergaberichtlinien in Karlsruhe unterzeichnet.

v.l. Technischer AVG-Geschäftsführer Ascan Egerer, AVG-Geschäftsführer Dr. Alexander Pischon, OB Dr. Frank Mentrup, Verkehrsminister Winfried Hermann, Landrat Dr. Christoph Schnaudigel

Gute Lösung für das "Karlsruher Modell"

Das vorgestellte neue Konzept sieht vor, die Strecken mit umsteigefreier Innenstadtanbindung, direkt ohne Ausschreibung an die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) zu vergeben, weil diese alleiniger Inhaber von Zweisystemfahrzeugen ist. Diese Linien werden nicht ausgeschrieben. Dies könne auch in Einklang mit dem EU-Recht gehandhabt werden, so die Verantwortlichen.

Davon getrennt werden laut Konzeption die Linien, die nicht durch die Innenstadt führen und nur im Eisenbahnbereich unterwegs sind. Dieser Teil soll gemäß EU-Vorgaben in einem europaweiten Wettbewerb ausgeschrieben werden. Dafür, dass die AVG die Linien durch die Innenstadt in Direktvergabe bekommt, bewirbt sie sich nicht auf die Linien im Eisenbahnbereich.

AVG streicht Verbindungen, künftig Eisenbahnen unterwegs

Die Zweisystemfahrzeuge, Stadtbahnen die sowohl im Stromnetz der Karlsruher Innenstadt und auf Eisenbahnlinien fahren können, ermöglichen zwar eine direkte Anbindung mit der Innenstadt und der Region, bringen aber auf längeren Strecken einige Nachteile gegenüber Eisenbahnfahrzeugen mit sich, begründen die AVG ihr Vorgehen beim Pressetermin.

So verfügen sie über eine geringere Gesamtleistung, haben teilweise keine Toiletten und nur eine geringe Fahrradkapazität, was bei längeren Fahrten ins Umland oft als weniger komfortabel empfunden wird, so das Verkehrsunternehmen.

Deshalb sieht das neue Eckpunktepapier zwischen dem Land und der Stadt vor, dass insgesamt vier Verbindungen der AVG ins Umland ab 2022 vom Fahrplan gestrichen werden. Die Strecken sollen dann wieder mit Eisenbahnwagen über den Karlsruher Hauptbahnhof gefahren.

Daher werden folgende Linien ab 2022 nicht mehr von der AVG bedient:

  • Karlsruhe Hbf - Rastatt - Forbach (Express-Verbindung) - Freudenstadt (-Eutingen/ Bondorf) 
  • Express-Verbindung Karlsruhe Hbf - Bretten - Eppingen - Heilbronn Hbf
  • stündliche Linie Karlsruhe Hbf - Rastatt - Achern
  • Verdichterlinie Karlsruhe Hbf -Rastatt - Gernsbach/ Forbach

"Nur ein kleiner Teil des Gesamtstreckennetzes ist betroffen"

Verkehrsminister Winfried Hermann sprach bei der Vertragsunterzeichnung von einer Stärkung für das Karlsruher Modell. "Der jetzt gefundene Weg stärkt das Karlsruher Modell und ergänzt es mit Nahverkehrszügen, die auf längeren Strecken eine höhere Qualität bieten, sodass keine Zweisystemfahrzeuge benötigt werden."

Auch AVG-Geschäftsführer Alexander Pischon freut sich, das mit dem Eckpunktepapier eine wichtige Weiche zum Erhalt des Karlsruher Modells gestellt wird. "Insgesamt ist von den Änderungen, nur ein kleiner Teil des Gesamtstreckennetzes betroffen", so Pischon weiter.

Sicherheit für die Arbeitsplätze versprochen

Die Stadt und das Land erwarten durch die wettbewerbliche Vergabe des Eisenbahnverkehrs preisliche und qualitative Verbesserungen für die Fahrgäste. Für OB Mentrup ist das Eckpunktepapier nach eigener Aussage der Durchbruch auf dem Weg zur Sicherung des Karlsruher Modells für die kommenden Jahre.

Das nun unterzeichnete Eckpunktepapier gewährleistet eine Fortführung des "Karlsruher Modells" bis mindestens 2035. Der neue Eckpunkteplan garantiere auch den rund 2.500 Mitarbeitern für die Zukunft sichere Arbeitsplätze.