Künftig sollen Reisende in Fernbusse steigen können, die auf Linien zwischen deutschen Städten rollen. Im November 2011 machte der Bundesrat den Weg dafür frei: Die Bahn bekommt jetzt Konkurrenz von der Straße. Busunternehmer wittern nun das große Geschäft. Das Angebot wird größer, dadurch aber auch unübersichtlicher.

"Alle Fernbusse auf einen Blick"

Was es bereits für Flieger und Züge gibt, gibt es jetzt auch für Fernbusse: Ein Online-Vergleichsportal. Die drei Karlsruher Studenten Martin Rammensee, Sebastian Stehle und Frederic Bartscherer wollen mit busliniensuche.de das Fernbus-Angebot "bequem sichtbar machen" und "alle Fernbusse auf einen Blick" anbieten.

"Schon jetzt gibt es viele Fernbusverbindungen, allerdings sind sie den Menschen kaum bewusst. Durch die Liberalisierung wird sich das Angebot radikal verbessern. Als neutrales Portal bieten wir Informationen zu allen Fernbussen und tragen so dazu bei, öffentlichen Fernverkehr in Deutschland attraktiver zu machen", sagt Martin Rammensee, zuständig für Geschäftsentwicklung und Strategie bei  busliniensuche.de . Der 25-Jährige Student hatte die Idee zu dem Onlineportal, als er im vergangenen Jahr eine Seminararbeit zum Thema "Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs innerhalb Deutschlands" verfasste.

"Fernbusse werden sich durchsetzen"

Die drei Studenten des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) besitzen keine eigenen Busse, sie chartern diese auch nicht. Sie stellen die gesammelten Informationen bereit: Auf ihrem Portal kann man Fernbusverbindungen in Deutschland suchen und bekommt Fahrtzeiten sowie Preise angezeigt. Wer ein Ticket buchen möchte, wird direkt auf die Seite der Anbieter weitergeleitet. "Wir haben den Anspruch der Vollständigkeit. Wir wollen alle Unternehmen mit einbeziehen, die Reisen mit Fernbussen in Deutschland anbieten", so Rammensee gegenüber ka-news.

 

Gibt es für eine bestimmte Strecke mehrere Anbieter, stellt das Portal die Angebote in einer Übersicht zusammen. Neben Fahrzeiten und Preisen sollen zukünftig auch Qualitätsmerkmale aufgezeigt werden. Beispielsweise, ob Gepäck nur gegen Aufpreis befördert wird oder ob Tickets umgetauscht werden können. "Wir geben einen unabhängigen und schnellen Überblick über alle Fernbusverbindungen in Deutschland", so Rammensee.

Künftig größere Nachfrage nach Fernbussen

Das Portal ist seit Ende November online. Bisher bleibt zwar der große Ansturm aus, doch Rammensee sieht großes Potential in den Fernbuslinien. "Noch geht es schleichend voran, aber die Fernbusse werden sich durchsetzen und mit zunehmender Nachfrage auch unser Portal voranbringen", so der Student. Auch die Stadt Karlsruhe selbst ist an das Fernbuslinien-Netz bisher noch nicht sonderlich gut angeschlossen. "Das liegt wohl daran, dass Karlsruhe sehr gut vom Bahnverkehr bedient wird und damit die Konkurrenz für Busse groß ist." Dennoch glaubt Rammensee daran, dass auch Karlsruhe künftig häufiger von Fernbussen angefahren wird. "Das wird sich entwickeln", so der 25-Jährige.

Die Website haben die drei Studenten selbst programmiert und gestaltet. Sie machen das neben dem Studium. "Wir brauchten kein Startkapital, haben keine Angestellten. Geld haben wir also nicht investiert, aber viel Zeit", so Rammensee. Bisher verdienen sie mit dem Portal kein Geld, doch künftig wollen sie von den Busunternehmen Provision für über das Portal verkaufte Tickets. In weiteren Schritten wollen die drei Jungunternehmer auch mit den Fernbus-Anbietern kooperieren. "Wir sind teilweise in intensiven Gesprächen mit den Unternehmen." Auch sollen bald europäische Buslinien mit in das Angebot aufgenommen werden.

Fernbus-Haltestellen mindestens 50 Kilometer voneinander entfernt

"Für die Anbieter von Fernbuslinien bietet das Portal eine hervorragende Möglichkeit, ihr Angebot bekannt zu machen. Für die einzelnen Anbieter wird es vor allem am Beginn wichtig sein, dass die Leute überhaupt von ihrem Angebot wissen", so Sebastian Stehle, Informatikstudent und Mitgründer.

Im November 2011 stimmte der Bundesrat einem Kompromiss zu, auf den sich die schwarz-gelbe Koalition mit SPD und Grünen geeinigt hatte. Seit Januar sind demnach Beschränkungen für Busse weitgehend abgeschafft, die seit mehr als 70 Jahren die Entwicklung der Bahn schützen. Um dem öffentlich finanzierten Nahverkehr nicht zu schaden, müssen Fernbus-Haltestellen allerdings mindestens 50 Kilometer voneinander entfernt sein.

Hier geht's zur Website des Karlsruher Startups: www.busliniensuche.de

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