Am Dienstag erreichte die Redaktionen die Pressemeldung der Stinag Stuttgart Invest AG, dass sie ihre Anteile der Moninger Holding verkauft hat. Neuer Inhaber ist ebenfalls eine Aktiengesellschaft: Die SBS Familien-Verwaltungs AG - kein unbekannter Akteur auf dem Biermarkt. Mit dem Transfer geht die Gesellschaft, die Gebäude, die Solaranlage und die Brautechnik in Grünwinkel in den Besitz der Familie Scheidtweiler über. Was hinter dem Deal steckt, haben die Akteure am Donnerstag der Presse bei einem Gespräch mitgeteilt.

Eineinhalb Jahre lange Verhandlungen enden

Stinag war lange Jahre im Biergeschäft tätig - veräußerte aber bereits 2004 die Anteile am Stuttgarter Hofbräu, nun folgte der Verkauf der Karlsruher Moninger Holding. Teile dieser Holding ist die Hatz-Moninger Brauhaus AG und die Sinner AG. Man wolle sich künftig auf das Immobiliengeschäft konzentrieren, so die Vorstandsvorsitzende von Stinag, Heike Barth.

Um die Karlsruher Brauerei hätten sich viele Interessenten beworben, unter anderem auch aus China, England und Russland. "Diese waren aber alle nur am Gelände interessiert, nicht an der Brauerei", so Horst Winterberg. Er war über Jahrzehnte in der Leitung von Moninger und Hatz beschäftigt. Es sei nun froh, dass jemand den Betrieb übernimmt, der sich auch wirklich für die Zukunft der Brauerei einsetzt. Die Verhandlungen hätten schlussendlich rund eineinhalb Jahre gedauert.

Die auch operative Leitung liegt künftig in der SBS Familien-Verwaltung. Die Gesellschaft hält mittlerweile an sechs Brauereien Anteile, Karlsruhe wird der vierte Betrieb sein, der von der Familie Scheidtweiler geleitet wird. Das Kommando wird Dorothee Scheidtweiler übernehmen.

Neben der Brauerei Franz in Rastatt, Palmbräu in Eppingen und dem Brauhaus in Pforzheim, soll Hatz-Moninger in Karlsruhe quasi den Mittelpunkt darstellen. Es ist mit einer Produktion von rund 200.000 Hektoliter Bier mit Abstand die größte Brauerei mit der größten Anlage der Scheidtweilers. In Karlsruhe sollen daher möglicherweise auch die größeren Biere der anderen Brauereien abgefüllt werden.

In Karlsruhe soll weiter gebraut werden

"Bier braucht Heimat", betont Wolfgang Scheidtweiler. Für ihn steht daher außer Frage, dass andere Biere in Karlsruhe gebraut werden. Heimat heiße, dass das Bier aus der jeweiligen Brauerei stammen muss. Vielmehr sollen die Firmen untereinander von Synergie-Effekten profitieren, wie einem gemeinsamen Handwerker-Service, oder eben dem Prüflabor und der Flaschenabfüllung in Karlsruhe.

Auch Hatz-Moninger soll von der neuen Leitung profitieren: Beide Biermarken sollen erhalten bleiben und sogar noch weiter ausgebaut werden, was vor allem Moninger helfen soll. Diese Biere machten zuletzt nur etwa ein Viertel des Bierumsatzes von Hatz-Moninger aus und kämpft in Karlsruhe mit einem verhaltenen Image: "Dabei hat es eine ausgezeichnete Qualität und ist deutschlandweit eines der wenigen Biere, das mit Quellwasser gebraut wird", wirbt Scheidtweiler für das Produkt.

Hatz-Moninger betreibt Tiefbrunnen, die rund 145 Meter in die Erde reichen. Dort ist das Wasser weitgehend abgeschirmt von Umwelteinflüssen. Eine Marke in einer Stadt zu etablieren, ist dem Unternehmen bereits in Rastatt gelungen: Hier werde das Franz Bräu derart gut nachgefragt, dass zeitweise schlicht keine Vorräte mehr auf Lager sind und die Käufer auf eine neue Charge warten müssen.

Hatz und Moninger soll durch Sinner-Bier ergänzt werden

Künftig will man auch die Bier-Marke "Sinner" wiederbeleben. Bis 1976 wurde dieses Bier auf dem Gelände des heutigen Moninger-Hatz gebraut. Seither existiert die Marke nur noch als Immobiliengesellschaft. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll Sinner als Craft-Beer auf den Markt kommen. "Die Menschen sind experimentierfreudiger geworden", so Wolfang Scheidtweiler. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, soll auf dem Gelände in Grünwinkel ein neues Brauhaus entstehen, wo sich "Braumeister Eckart Fischer austoben darf", so Scheidtweiler weiter.

Die Scheidtweilers sind neben dem Brauerei-Gewerbe auch in der Immobilienbranche tätig und betreiben mehrere Hotels und Restaurants. Auf dem Brauerei-Gelände in Rastatt entsteht bald ein solches Haus, auch für Karlsruhe eine Option? "Wir schließen es nicht aus, geplant ist es aber noch nicht", heißt es am Donnerstag.

Mit dem Mehrheitserwerb von Hatz-Moninger vereint die SBS Familien-Verwaltungs AG rund 150 Mitarbeiter in Brauereien unter sich. Das soll auch so bleiben, für Karlsruhe seien keine Kündigungen vorgesehen. Insgesamt soll ein Bierausstoß von rund 300.000 Hektoliter produziert werden.