Karlsruhe Gründer in der Fächerstadt: Warum Start-ups in Karlsruhe boomen

Karlsruhe ist TechnologieRegion, IT-Hauptstadt und hat mit dem KIT eine der angesehensten Universitäten in Europa. Auch deshalb ist die Fächerstadt Anziehungspunkt für immer mehr junge Gründer auf dem Weg in die Selbstständigkeit und damit so etwas wie das "Silicon Valley des Südwestens". Über 200 Start-ups sind in Karlsruhe angesiedelt - Tendenz stark steigend. Da die Stadt von den vielen Jungunternehmern profitiert, gibt es viele Fördermöglichkeiten für Gründer die hier ihre Geschäftsidee verwirklichen wollen.

Start-ups sind inzwischen fast so eng mit Karlsruhe verbunden wie das Schloss, die Pyramide und die Baustellen. Die TechnologieRegion Karlsruhe boomt, am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) werden tausende Studierende zu Experten in den Bereichen Naturwissenschaft, Informations- oder Elektrotechnik sowie Wirtschaft ausgebildet.

Ihr Wissen wollen viele als selbstständige Unternehmer einbringen und mit ihrem eigenen Start-up in Karlsruhe durchstarten. Auch außerhalb zieht es immer mehr Gründer in die Fächerstadt. Das liegt auch an der guten Struktur, die Karlsruhe für Start-ups bietet. Hier gibt es Fördermöglichkeiten, Beratungen, Netzwerke und auch Flächen, die für Gründer geeignet sind.

Start-up
Bild: pixabay.com

Eine dieser Förderungsmöglichkeiten ist der EXI-Gründergutschein 2.0, der in diesem Jahr in die zweite Runde geht. Vor Kurzem stellten die Gründerallianz, die Wirtschaftsförderung der Stadt und das CyberForum die Fortsetzung des Start-up-Förderprogramms vor. Es soll Gründern von Start-ups eine kostenfreie und unverbindliche Kompaktberatung bieten, um über Vorstellungen der Gründer zu sprechen um so einen Ausblick geben zu können, welche Chancen die Geschäftsidee am Markt hat.

Interessierte können anschließend auch eine durch EU- und Landesmittel geförderte Intensivberatung in Anspruch nehmen. Die Idee hinter dem Gründergutschein: Junge Unternehmen in der TechnologieRegion Karlsruhe individuell und intensiv beraten und unterstützen. Doch der Gründergutschein ist nur eine von vielen Förderungsmöglichkeiten, die es für junge Gründer in Karlsruhe gibt.

KIT fördert Unternehmer aus den eigenen Reihen

Studenten, die sich schon während des Studiums für das Thema Gründung interessieren, finden in Karlsruhe eine breite Auswahl an Beratungs- und Fördermöglichkeiten. Das KIT bietet für seine Studierenden und Beschäftigten, die in die Selbstständigkeit gehen möchten, mit der KIT-Gründerschmiede eine Plattform, auf der sie ihre Ideen präsentieren und sich gezielt mit den Themen Gründen und Unternehmertum auseinanderzusetzen können. Die Plattform wurde vor fünf Jahren, im April 2013, auf Initiative von Studenten und Beschäftigten des KIT ins Leben gerufen.

In den vergangenen Monaten wurden durch die Plattform neue Lehr- und Weiterbildungsformate, ein verbessertes Beratungsangebot und die KIT-eigene Finanzierungsplattform KITcrowd eingeführt. Gefördert werden sollen sowohl Start-ups aus dem Kreis der Studierenden als auch Hightech-Gründungen aus dem wissenschaftlichen Bereich. Außerdem soll sie als Zugang zur Karlsruher Gründerszene dienen, um sich so mit anderen Unternehmen austauschen zu können. In der Kategorie "Gründer des Monats" wird Monat für Monat ein anderes Start-up und dessen Protagonisten vorgestellt.

Breites Informations- und Förderangebot für Gründer

Darüber hinaus gibt es das Zentrum für Interdisziplinäres Unternehmertum (CIE), das sich als Anlaufstelle für Gründer aller Gründungsphasen am KIT wendet. Vor allem gründungsinteressierte Studenten sollen dort beraten und bei der Themenentwicklung oder bei Geschäftskonzepten unterstützt werden.

Die Pionier Garage ist eine Plattform für studentische Gründer. Die Hochschulgruppe des KIT ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der Gründerideen seiner Mitglieder durch Vorträge, Reisen etwa ins Silicon Valley, Workshops oder anderen Events fördert. Mit ihrem Angebot will die Pionier Garage möglichst viele Zielgruppen ansprechen.

KIT Maschinenbau
(Symbolbild) | Bild: KIT

Gründer können sich mit anderen Gründern austauschen und über Themen informieren. Aber auch Studenten mit der Idee einer Start-up-Gründung können Veranstaltungen nutzen um Mitgründer kennenzulernen, Know-How mitnehmen und ein Netzwerk aufbauen. Die Pionier Garage soll aber auch Studenten eine Plattform bieten, die lediglich in die Gründerkultur schnuppern wollen und noch nicht genau wissen, ob der Schritt in die Selbstständigkeit für sie in Frage kommt.             

Start-ups können im Alten Schlachthof wachsen

Wo früher Schweinebäuche und Rinderhälften hingen, ist heute ein Teil der Karlsruher Gründerszene zu Hause. Im Alten Schlachthof in der Oststadt ist in den vergangenen Jahren ein Zentrum für junge Gründer entstanden. In der ehemaligen Schweinemarkthalle sitzen  inzwischen im Rahmen des Perfekt Futur-Projekts über 30 Start-ups aus unterschiedlichen Branchen. Perfekt Futur ermöglicht jungen Gründern der Kultur- und Kreativwirtschaft die Anmietung von Büroflächen auf dem Gelände um erste Schritte in der Selbstständigkeit zu machen.

Alter Schlachthof 2017
Auch im Kreativpark Alter Schlachthof, im Karlsruher Osten, sind mittlerweile viele Startups angesiedelt. | Bild: ka-Reporter: Peter Eich

Der Clou der Einrichtung: Die Büros sind in gebrauchten Seefracht-Containern untergebracht. Die ansässigen Start-ups sind in den unterschiedlichsten Branchen tätig, darunter Design, Filmproduktion, Softwareentwicklung, IT-Dienstleistungen und Marketing. Die Bereitstellung außergewöhnlicher und kostengünstiger Räume in Form Container soll den Start-ups den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern.

Erste Pläne, das alte Schlachthofgebäude als Gründerzentrum zu nutzen, entstanden bereits im Jahr 2007 und wurden in den Jahren danach weiter voran getrieben. Eine Analyse des Fraunhofer-Instituts bestätigte 2010 den Bedarf eines mordernen Gründerzentrums. 2011 beschloss daher der Gemeinderat die Umsetzung des Containerprojekts. Nach rund anderthalb Jahren Umbau wurde das Perfekt Futur im April 2013 eröffnet. Betrieben wird der Kreativpark von K³, der Kultur- und Kreativwirtschaft Karlsruhe. 

Kreativzentrum Perfekt Futur
Das Kreativzentrum Perfekt Futur im Schlachthof. | Bild: Paul Needham

Karlsruhe ist eine blühende Start-up Landschaft

"Beratung, Förderung und Netzwerke sind große Komponenten bei der Gründung eines Start-ups", erklärt der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, Michael Kaiser gegenüber ka-news. "Karlsruhe ist in all diesen Bereichen sehr gut aufgestellt und daher für Gründer gut geeignet", so Kaiser weiter. Die Wirtschaftsförderung der Stadt ist Ansprechpartner für nationale und internationale Unternehmen in Standortfragen. Außerdem betreut sie Existenzgründer, indem sie preiswerte Startmöglichkeiten in Gründerzentren bietet und Kontakte zu nützlichen Ansprechpartnern herstellt. 

Gründern stehen in Karlsruhe knapp 50 Institutionen zur Verfügung, die zu unterschiedlichen Themen, die bei einer Unternehmensgründung eine Rolle spielen, beratend zur Seite stehen. Dazu gehört auch das CyberForum, was mit dem CyberLab die Entwicklung vielversprechender Start-ups aus der Technologie-Branche beschleunigen möchte und dafür eine gezielte Förderung bietet.

Tür an Tür mit Start-up-Experten arbeiten

Mit einem Mentorenprogramm, das die Gründer beim Aufbau ihres Unternehmens unterstützt und einer optimal ausgestatteten Arbeitsumgebung, soll den Gründern eine optimale Möglichkeit geboten werden, ihre Geschäftsidee schnell zur Marktreife zu bringen. Durch die Zusammenarbeit, Tür an Tür mit dem CyberForum, sollen sich für die Jungunternehmer schnell Kontakte zu vielen Unternehmen und Netzwerken öffnen.    

Die Arbeitsphase im CyberLab dauert sechs Monate und kann auf ein Jahr verlängert werden. Die Gründer werden in dieser Zeit von Experten betreut, die ihr Know-How und ihre Erfahrungen an die Gründer weitergeben um die Geschäftsidee zu beschleunigen. Auch in organisatorischen Fragen oder PR-Angelegenheiten steht den Gründern das Team des CyberForums zur Seite.       

 

Auch VC Ventures Inkubator zählt zu den Zentren in Karlsruhe, in denen Start-ups bei ihren ersten Schritten in die Selbstständigkeit gefördert werden sollen. VC mit Sitz in Rüppurr, setzt, wie die meisten Karlsruher Gründerzentren, auf die Komponenten Raum, Know-How, Finanzierung und Netzwerk. Hier werden den jungen Gründern Büro-, Meetingräume und sogar einen Kinoraum für Präsentationen zur Verfügung gestellt. Start-up-Coaches begleiten die Gründer. Ergänzt wird das Angebot durch Workshops und Seminare. Auch die jeweils optimale Finanzierungsstrategie soll erarbeitet werden und die Jungunternehmer sollen Zugang zu Netzwerken und Geschäftspartnern bekommen. 

Start-up Symbolbild
Bild: pixabay.com

Neue Ideen und Arbeitsweisen aus der Start-up-Branche nutzen auch große Unternehmen wie der Erergiekonzern EnBW. Ideen sollen in einem systematischen Innovationsprozess generiert werden und zu einem Geschäftsmodell für den Konzern entwickelt werden. Dafür kooperiert der Konzern mit Start-ups und stellt diesen wiederum unternehmerisches Know-How zur Verfügung.

Dass die Start-up-Entwicklung in Karlsruhe Früchte trägt, zeigen Unternehmen, die in Karlsruhe groß geworden sind und der Stadt Einnahmen in Form von Gewerbe- und Einkommenssteuer generieren. So macht die IT-Branche in Karlsruhe über 40 Prozent der Gewerbesteuer aus. Auch neue Arbeitsplätze können bei einem erfolgreichen Wachstum in der Fächerstadt entstehen und stärken somit Karlsruhe als Arbeits- und Wirtschaftsstandort. Das Unternehmen "Campusjäger" beispielsweise ist mit einem Wachstum von über 200 Prozent Karlsruhes erfolgreichstes Start-up.  

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