Im Skandal rund um die Verseuchung von Äckern und Grundwasser mit dem Umweltgift PFC ziehen die Stadtwerke Rastatt vor den Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg. Man habe Klage gegen das Land eingereicht, teilte der kommunale Versorger am Mittwoch mit. "Ziel ist es, die Kosten der Bekämpfung der PFC-Verunreinigung auf mehrere Schultern zu verteilen." Diese beliefen sich aktuell auf rund sechs Millionen Euro. Perspektivisch gehe man sogar von rund 15 Millionen Euro aus. Wann es einen Termin in diesem laut einem VGH-Sprecher sehr umfangreichen Verfahren geben könnte, ist unklar (Az.: 3 S 2276/22). Zuvor hatten die "Badischen Neusten Nachrichten" berichtet.

Regierungspräsidium hält PFC für deutschlandweites Problem

Mit der Klage wollen die Stadtwerke konkret erreichen, dass die PFC-Belastung in den Gewässerbewirtschaftungsplan aufgenommen wird und entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Der alle paar Jahre neu aufgestellte Plan dient dazu, einen guten ökologischen und chemischen Zustand in Gewässern zu erreichen. Das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe hingegen verwies schon im Juli darauf, dass PFC deutschlandweit ein Problem und daher ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen notwendig sei.

In Mittelbaden sind mittlerweile rund 1.200 Hektar Boden, 58 Quadratmeter Grundwasseroberfläche und 170 Millionen Kubikmeter Grundwasser mit PFC belastet. Um die Trinkwasserversorgung sicherzustellen, müssen Wasserversorger das Gift aufwendig herausfiltern. Das koste Millionen, die bisher die Stadtwerke Rastatt und ihre Wasserkunden tragen. "Das kann aber nach unserer Auffassung nicht richtig sein, da unsere Kunden mit der Entstehung des Grundwasserschadens nichts zu tun haben", so die Stadtwerke.

Die Verseuchung mit dem in der Natur nicht abbaubaren Gift - PFC steht für per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) - soll von Kompost verursacht worden sein, der mit Papierschlämmen aus der Papierindustrie versetzt und auf die Felder aufgebracht worden war. Seither kämpft die Region mit den Folgen.