Dann und wann kann man es in den Büschen der Waldstadt rascheln hören und der ein oder andere Autofahrer musste aufgrund eines über die Straße huschenden Schattens schon des Öfteren massiv in die Eisen steigen. Der Grund dafür wird häufig besprochen, aber nur selten gesehen: Wildschweine in Karlsruhe.

Das gesamte Waldgebiet hat ein Wildschweinproblem?

Leider scheint momentan eine ganze Rotte der neugierigen Paarhufer die Fächerstadt als Weidegrund auserkoren zu haben. Schon seit mehreren Monaten gebe es immer wieder größere Schäden durch Wildschweine im Schlosspark - und nicht nur dort: "Eigentlich ist das gesamte, bewaldete Gebiet Karlsruhes, der Norden der Stadt sozusagen, davon betroffen", sagt Ulrich Kienzler, Leiter des Forstamtes Karlsruhe.

PK Bäume Innenstadt
Ulrich Kienzler, Leiter des Forstamtes Karlsruhe. | Bild: Lars Notararigo

Immer wieder wagten sich die Wildschweine ins Siedlungsgebiet auf der Suche nach Nahrung und beschädigten dabei unter anderem Rasenflächen, Garteneinrichtungen oder Böschungen. "Besonders um den Hardtwald, den Roteichenwald, den Schlossgarten häufen sich die Wildschweinmeldungen", so Kienzler.

"Im Süden der Stadt wo die Besiedelung dichter ist, -etwa die Weststadt oder Durlach - sind uns allerdings keine Fälle von Wildschweinschäden bekannt, dort gibt es eher Probleme mit anderen Wildtieren." Die Wurzel dieser Probleme läge aber - wortwörtlich - bei allen Wildtieren ähnlich.

"Es lohnt sich für die Tiere immer mehr, außerhalb des Waldes Nahrung zu suchen"

Am Beispiel des Schlossgartens, sei "das Fallen der schmackhaften Eicheln von den Bäumen" der ausschlaggebende Faktor, der zu den umgegrabenen Rasenflächen geführt habe. "Grundsätzlich haben die überdurchschnittlich warmen Winter der letzten Jahre im gesamten Stadtgebiet zu einer erhöhten Fructuation der Bäume - also dem Reifen von Früchten - geführt. Entsprechend lohnt es sich für Wildtiere immer mehr, außerhalb der Wälder auf Nahrungssuche zu gehen." 

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Da es außerhalb der Wälder keine Jagdgebiete gebe, sei es für die Wildschweine sogar sicherer, sich an den Köstlichkeiten des Stadtgebiets satt zu essen. "Erschwerend hinzukommt, dass viele Bürger in ihren Gärten verschiedene Nahrungsmittel offen herumliegenlassen", erklärt der Leiter des Forstamtes. Das reiche von den Früchten der Gartenpflanzen bis zu Grillfleischresten. "Dabei sind die Gärten auch nicht immer umzäunt."

Sichern und Jagen als Lösung?

Was also tun, gegen die vermehrten Wildschweinschäden in Karlsruhe? "Was Schäden an Privatgrundstücken angeht, da haben die Bürger eine gewisse Eigenverantwortung, einen sicheren Zaun um ihre Gärten zu installieren, sowie natürlich keinerlei Nahrung herumliegen zu lassen", meint Kienzler. "Eine Wildschweinsichtung zu melden bringt dabei vergleichsweise wenig, da die Tiere in kurzer Zeit ihre Standorte wieder verändern", fügt er hinzu.

Wildschweine
Eine Wildschweinfamilie (Symbolbild). | Bild: pixabay/ChrizzlDizzl

"Öffentlich gesehen, besonders am Beispiel des Schlossparks raten wir der Schlossgartenverwaltung bereits seit Wochen, dass die umgebenden Zaunanlagen Schwarzwild-sicher instandgesetzt und die Tore in der Nacht verschlossen sein müssen."

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: Paul Needham

Gleichzeitig stehe das Forstamt im Dialog mit der Jagdbehörde. "Die erfolgversprechendste Maßnahme gegen Wildschweine ist eine Kontrolle der Population", so Kienzler. "Der befinden wir uns im Gespräch mit Landeswaldschutzorganisation ForstBW um eine weitere Bejagungsstrategie der Wildschweine im Hardtwald auszuarbeiten."