Seit dem 18. Januar gilt: Die Kitas und Grundschulen bleiben weiterhin geschlossen, nur Notbetreuungen sind in den Kindergärten noch möglich. Das heißt: Nur wenn beide Erziehungsberechtigte aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit an der Betreuung gehindert sind, dürfen sie ihre Kinder weiterhin zur Kita bringen.

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Laut der Sozial- und Jugendbehörde Karlsruhe macht das in Karlsruhe im Schnitt zirka 33 Prozent vom regulären Betrieb aus. Deutlich mehr als im ersten Lockdown - da wurden rund zehn Prozent aller Kinder in die Notbetreuung aufgenommen. Grund hierfür sind Änderungen bei den Vorgaben, wer sein Kind zur Notbetreuung anmelden darf. 

Kita-Kinder müssen gegen Masern geimpft sein - Ausnahmen von dieser Regel gibt es nur in wenigen Fällen.
(Symbolbild) | Bild: Christin Klose/dpa-tmn

Während das Angebot im ersten Lockdown nur für Eltern mit systemrelevanten oder anwesenheitspflichtigen Jobs gültig war, können seit Dezember auch Eltern im Homeoffice darauf Anspruch erheben. Kurzum: Es kommt nicht mehr darauf an, ob der Beruf Zuhause oder außerhalb ausgeübt wird. 

Großzügige Regeln für Eltern

Dennoch gibt es klare Vorgaben. "In der Orientierungshilfe vom Kultusministerium ist ganz klar vorgegeben, wer sein Kind in die Notbetreuung bringen darf und wer nicht", erklärt Elke König, Abteilungsleiterin des Fachbereichs Kindertagesbetreuung. "Da gibt es keine Spielräume für die Einrichtungen."

Ist das wirklich der Fall? Keine Spielräume? Fakt ist: Die Orientierungshilfe besagt, dass Kinder für eine Notbetreuung in Frage kommen, wenn "beide Erziehungsberechtigten durch ihre berufliche Tätigkeit an der Betreuung gehindert sind und auch keine andere Betreuungsperson zur Verfügung steht",  so der Wortlaut. Ein Nachweis seitens des Arbeitgebers ist erforderlich.

Elke König, Abteilungsleiterin des Fachbereichs Kindergartenbetreuung der Sozial- und Jugendbehörde Karlsruhe.
Elke König, Abteilungsleiterin des Fachbereichs Kindertagesbetreuung der Sozial- und Jugendbehörde Karlsruhe. | Bild: Sozial- und Jugendbehörde Karlsruhe

Ob dieser Nachweis schriftlich, elektronisch oder auf andere Weise erfolgen soll - die Orientierungshilfe des Kultusministeriums gibt keine Formvorschriften vor. "Das kommt immer auf den Betrieb an, welche Art von Nachweis gefordert wird", sagt König im Gespräch mit ka-news.de. "Für viele reicht auch eine mündliche Erklärung der Eltern, dass die Kinder nicht zu Hause bleiben können."

"Kommt einer versteckten Öffnung gleich"

Hier liegt der Knackpunkt. Eine Kinderbetreuung wird Eltern zu leicht gemacht, findet ein  ka-news.de-Leser. Die Regeln zur Notbetreuung sind konträr zu den Lockdown-Maßnahmen. "Es kommt einer versteckten Öffnung gleich und die Auslastung in vielen Kitas geht in vielen Regionen von 50-90  Prozent in die Spitze. Das ist Augenwischerei, verfehlt den Lockdown-Effekt und sicher auch den Willen der Politik", schreibt er in einer Mail an die Redaktion.

Der Leser habe zwar Verständnis, kritisiert jedoch auch die Einstellung vieler Eltern und Kitas. "Eine Notbetreuung ist ein Minimum an Angeboten während die Eltern arbeiten. Die Erwartungshaltung ist aber zum Teil eine andere. Es soll genau so weitergearbeitet werden wie zu den pandemiefreien Zeiten. Ja das wünschen wir uns alle. Am besten für alle Kinder. Aber doch nicht jetzt in der Pandemiezeit.“

Freier Kindergarten Karlsruhe
Die Notfallbetreuung im zweiten Lockdown ist deutlich lockerer als im ersten. Das fasst auch die Fachbereichsleiterin der städtischen Kitas positiv auf. | Bild: Thomas Riedel

Also doch Kinderbetreuung - nichts mit Lockdown? Nutzen Eltern die großzügigen Regeln sogar aus? König widerspricht: "Wir gehen nicht davon aus, dass Eltern uns die Unwahrheit sagen, sondern im Sinne eines gemeinsamen Miteinanders agieren." 

So seien zwar schon Eltern abgewiesen worden, weil diese die Voraussetzungen nicht erfüllten, aber wegen vollen Kitagruppen wurde bislang noch niemand weggeschickt. Eine festgelegte Obergrenze der Kinderanzahl gibt es für einen jeweiligen Hort nämlich nicht.

Auslastungen zwischen 15 und 50 Prozent

Diese Flexibilität empfindet König wiederum als einen großen Fortschritt. "Im Frühjahr wurden die Vorgaben ständig erweitert oder abgeändert. Jetzt läuft es deutlich besser, da wir keine ständigen Diskussionen mit den Eltern haben, warum welches Kind jetzt aufgenommen wird und welches nicht." Das somit die Kapazitäten der Kindergärten eventuell ausgereizt werden könnten, negiert König im Gespräch mit ka-news.de. "Aktuell arbeiten die städtischen Tagesstätten mit einer Auslastung von 15-50 Prozent", sagt sie.

Freier Kindergarten Karlsruhe
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

50 Prozent und mehr seien ihrer Meinung nach die Ausnahmen und wohl eher in den betrieblichen Kindertagestätten vorzufinden. Ob sich daran im Zuge der nächsten Bund-Länder-Beratungen nochmal etwas verändert, kann die Fachbereichsleitung momentan schwer einschätzen. "Da müssen wir schlussendlich abwarten, ob die Regeln weiter verschärft werden", so König im Gespräch mit ka-news.de. "Vorher lässt sich da keine Aussage treffen."

 
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