Die Diskussion um den Klimawandel ist derzeit in aller Munde. Die Temperatur steigt seit den letzten Jahren immer weiter an, was die Bürger wohl auch an den derzeitigen Hitzewellen zu spüren bekommen. "Wir müssen dringend handeln", fordert Umweltbürgermeisterin Bettina Lisbach von den Grünen.

Die Stadt hat nun ein neues Klimaschutzkonzept erarbeitet, das am vergangenen Dienstag vorgestellt wurde. Das alte Konzept wurde vor rund 10 Jahren mit dem Zielhorizont 2020 entwickelt. "Wir sind hier zwar vorangekommen, aber in den letzten Jahren langsamer, als gewollt", so Lisbach. Die Ansprüche seien gestiegen, hier müsse an Tempo zugelegt werden. Um den Weg für die nächsten Jahre festzustecken, wird das Klimaschutzkonzept nun bis zum Jahr 2030 fortgeschrieben. 

Bettina Lisbach, Umweltdezernentin der Stadt Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

"Karlsruhe hat in einigen Bereichen der Klimaanpassung eine Vorbildfunktion", lobt Lisbach. Die Fächerstadt gilt als fahrradfreundlich, stadteigene Gebäude beziehen nur Ökostrom, es gibt Klimaschutzfonds und die Abwärmenutzung der Erdölraffinerie Miro sei, laut Lisbach, in Deutschland einzigartig.

Für Klimaneutralität den CO2-Ausstoß 16-fach reduzieren

Trotz Bevölkerungszuwachs sind die CO2-Emissionen um 24 Prozent gesunken. Dies war Teil des Vorgängerkonzepts von 2009, in dem eines der Ziele war, den CO2-Außstoß pro Jahr um zwei Prozent zu verringern. "Das muss trotzdem weiter drastisch nach unten gehen", merkt Lisbach an. "Am Besten insgesamt um 60 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010." 

Denn der aktuelle Stand der Forschung belegt: Zwei Prozent weniger pro Jahr reichen nicht aus. Derzeit stößt jeder Karlsruher im Jahr noch etwa acht Tonnen CO2 aus. Dieser Wert müsste sich für eine Klimaneutralität um das 16-fache reduzieren, nämlich auf 0,5 Tonnen. Dies sei laut Umweltbürgermeisterin Lisbach die größte Hürde.

Das neue Klimaschutzkonzept der Stadt Karlsruhe bis zum Jahr 2030. | Bild: Thomas Riedel

Doch was konkret kann und will die Stadt dafür tun? Derzeit werden verschiedene Maßnahmen ausgearbeitet, die sich in den Themenbereichen Energie, Bauen und Sanieren, Öffentlichkeitsarbeit, Wirtschaft und Verkehr bewegen. "Das ist ein stetig laufender Prozess", erklärt Lisbach. Mithilfe von  Potentialanalysen wird geprüft, welche Maßnahmen am meisten Erfolg versprechen.

Photovoltaik ist die große Hoffnung

"In Sachen Energie durch Photovoltaik ist in der Sonnenstadt Karlsruhe noch deutlich Luft nach oben", meint Dirk Vogeley von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK). "Wir könnten 54 Prozent des Strombedarfs mit Photovoltaik abdecken!"

Ein hohes Potential ist also vorhanden. Um das in Zukunft besser auszuschöpfen, werden beispielsweise mit Hilfe eines Solarkatasters optimale Dächer für Photovoltaik in der Stadt ermittelt. Für die Bürger wird zusätzlich die Zeit berechnet, ab wann sich eine solche Anlage auf dem Dach finanziell lohnt.

Dirk Vogeley von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK). | Bild: Thomas Riedel

Zudem hat Karlsruhe mit Durlach-Aue, Knielingen und Wettersbach drei sogenannte "EnergieQuartiere". In diesen Vierteln können private Hauseigentümer über den derzeitigen energetischen Zustand ihrer Gebäude aufgeklärt und von der KEK über optimale Energieträger und energetische Gebäudesanierung zur Wärmeeinsparung beraten werden.

Privathaushalte sowohl als auch Gewerbe sind involviert

Norbert Hacker vom Umweltamt Karlsruhe kommt auf den Bereich Wirtschaft zu sprechen: "Wir müssen mit dem Gewerbe ins Gespräch über Klimaanpassung kommen, auf Unternehmen zugehen und eine Bewegung und Dynamik erzeugen. Das kann sehr arbeitsintensiv sein." Er lobt: "Einige Unternehmen in Karlsruhe verhalten sich hier schon vorbildlich!"

Für Unternehmen, die nur noch die Hälfte der CO2-Emissionen produzieren, soll es in Zukunft eine Klimaallianz geben. Zudem werde es laut Hacker einen Energieleitplan mit dem Schwerpunkt Wärme erstellt. Die kommunale Wärmeplanung wird in Baden-Württemberg voraussichtlich Pflicht.

Norbert Hacker vom Umweltamt Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Die Stadt strebt darüber hinaus eine klimaneutrale Stadtverwaltung 2040 an - im Blick auf Mobilität, Strom, Wärme- und Kältebedarf und der Kantine. Ebenfalls soll das Fern- und Nahwärmenetz ausgebaut werden und beim Verkehr mehr auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad gesetzt werden. Auch die Öffentlichkeitsarbeit soll mit Klimaschutzkampagnen vorangetrieben werden.

Lisbach blickt abschließend in die Zukunft: "Wir werden uns nun Feedback einholen und dann in den Umweltausschuss gehen. Ende des Jahres soll der Gesamtentwurf fertig sein, daraufhin wird es ein Bürgerforum und eine Online-Bürgerbeteiligung geben, bis der Gemeinderat dann im ersten Quartal des neuen Jahres den Beschluss fällt", gibt die Umweltbürgermeisterin den Zeitplan vor. "Natürlich arbeiten wir aber schon vor dem endgültigen Gesamtentwurf an der Umsetzung verschiedener Maßnahmen."

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