Nach jahrelanger Planung wird den Verantworlichen heute Nachmittag vermutlich ein großer Stein vom Herzen fallen: In wenigen Stunden beginnt mit dem Spatenstich die offizielle Bauphase des Jahrhundertprojektes. Überschattet werden die Feierlichkeiten allerdings vom Straßenbahnunglück, das sich vor genau einer Woche ereignet hat.

Während die Ermittlungen zur Unfallursache noch laufen, beginnt heute um 14 Uhr der Festakt zum Spatenstich am Europaplatz. Zu den Feierlichkeiten erwarten Oberbürgermeister Heinz Fenrich und Kasig-Chef Walter Casazza den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger und und Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium.

Der Platz vor der Postgalerie wurde bereits gestern für das Ereignis vorbereitet: Hinter dem Kiosk wurden Pflastersteine mithilfe eines Baggers entfernt und eine Bautafel prangt an der künftigen Großbaustelle.

Doch da die Projektvergabe noch nicht abgeschlossen ist, findet man auf der Tafel nur Angaben zur Projektleitung, die bei der Kasig liegt. Die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft wies in den vergangenen Wochen mehrfach darauf hin, dass die noch nicht vollzogene Auftragsvergabe bei der Größe des Projektes keineswegs ungewöhnlich sei.

Zu dem offiziellen Teil am heutigen Donnerstag hat die Initiative "Stoppt das Millionengrab" angekündigt auch vor Ort zu sein.

Im Vorfeld zum Spatenstich hat ka-news noch einmal die Eckdaten des Großprojektes zusammengetragen:

  • Kosten: 588 Millionen Euro
  • 80 Prozent Förderung durch Bund und Land
  • Erster Bauabschnitt: Straßenbahntunnel unter der Kaiserstraße
  • Fertigstellung erster Teil: Ende 2015
  • Zweiter Bauabschnitt: Autotunnel unter der Kriegsstraße
  • Fertigstellung: 2019
  • Straßenbahntunnel: 2,4 Kilometer lang
  • Südabzweig Straßenbahntunnel: Ein Kilometer
  • Kriegsstraße: 1,4 Kilometer langer Straßentunnel

Stand 14.15 Uhr

Der Europaplatz ist zwischen der Haltestelle Europaplatz und der Postgalerie voll mit Menschen. Es sind einige Kombilösungs-Gegner erschienen, die prall gefüllte Säcke mit aufgedruckten Euro-Symbolen mitgebracht haben. Diese sollen Symbole für je 100 Millionen Euro sein. Die offizielle musikalische Untermalung des Spatenstichs wird von Pfiffen der Kombilösungs-Gegnern gestört.

Stand 14.18 Uhr

Von Seiten der Kombilösungs-Gegner erklingen "U-Strab nein"-Rufe. Vom Dach der Post-Galerie regnet Papier herab. Die eigentliche Veranstaltung hat jedoch noch nicht begonnen.

Stand 14.25 Uhr

Kombilösungs-Gegner am Europaplatz singen "Helau, wer soll das bezahlen?".

Stand 14.35 Uhr

Mittlerweile sind die Bürgermeister Margret Mergen und Martin Lenz sowie zahlreiche Stadträte eingetroffen. Der Vater des Karlsruher Modells, "Verkehrspapst" Dieter Ludwig, ist auch anwesend. Die symbolisch positionierten Helme werden weggeräumt.

Stand 14.42 Uhr

Das Mikrofon muss lauter gestellt werden. Es sind mittlerweile etwa 50 Kombilösungs-Gegner anwesend. Der Lautstärkepegel hat sich deutlich gesteigert. Die Landtagsabgeordnete von Bündnis90/Die Grünen, Gisela Splett, ist auch anwesend. Zitat OB Heinz Fenrich: "Heute ist ein großer Tag für Karlsruhe."

Stand 14.49 Uhr

Zitat OB Heinz Fenrich: "Wir beginnen mit einer neuen Zeitrechnung."

Stand 14.51 Uhr

Der Karlsruher Oberbürgermeister erntet von den Gegnern des Mega-Projekts Buh-Rufe, als er betont, dass er sich "ein zivilisiertes Miteinander" wünscht. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger erscheint mit zahlreichen Leibwächtern.

Stand 14.58 Uhr

Staatssekretär Rainer Bomba vom Bundesverkehrsministerium: "Viele Städte im Bund wären dankbar, so ein Projekt umsetzen zu können."

Stand 15.03 Uhr

Günther Oettinger: "Ich kann Ihnen nur gratulieren, dass sich der Nahverkehr hervorragend entwickelt hat."Und:  "Die Kombilösung ist eine historische Entscheidung für Karlsruhe."

Stand 15.09 Uhr

Günther Oettinger: "Das Land trägt eventuell unvermeidbare Mehrkosten mit." Oettinger, Fenrich und Casazza schreiten zum symbolischen ersten Spatenstich.

Stand 15.30 Uhr

Die Veranstaltung zum Spatenstich ist beendet. Günter Oettinger ist gemeinsam mit den Vertretern der Stadt per Sonderzug auf dem Weg ins Rathaus. Bei Sekt und Häppchen wird sich der Landesvater dort die Füße aufwärmen können.

Während der Zeremonie kommentierte Kasig-Geschäftsführer Walter Casazza, dass auch die Kombilösungs-Gegner ihren Platz auf der Veranstaltung gefunden hätten: Dies sei gut so, da sie "die Würze unserer Arbeit sind".

OB Heinz Fenrich gab seiner Freude darüber zum Ausdruck, dass so viele Menschen zum Europaplatz gekommen seien. Positiv betonte er, dass so viele Kinder gekommen seien, da die Kombilösung vorrangig ein Projekt für die Zukunft und damit für die kommenden Generationen sei. Die Proteste nahm er gelassen: "Das gehört zur Demokratie dazu."

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