Mit dem Bau der neuen Rheinbrücke entsteht gleichzeitig auch ein neues Problem: Der vielbefahrene "Flaschenhals Südtangente" würde mit einer weiteren Anbindung wohl vollständig überlastet werden. Eine geplante Verknüpfung der zweiten Rheinbrücke mit der B36 bei Karlsruhe-Neureut soll dem Nadelöhr daher endlich verkehrliche Entspannung bringen. Die Planungen zum Bau dieser Querspange sind bereits in vollem Gange. Doch bevor überhaupt mit den ausführenden Arbeiten begonnen werden kann, muss eine sogenannte Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt werden.

Sophie Haupt von der Planfeststellungsbehörde des RP leitete den Scoping-Termin am Donnerstag.
Sophie Haupt von der Planfeststellungsbehörde des RP leitete den Scoping-Termin am Donnerstag. | Bild: Melissa Betsch

Dieser kann wiederum eine Info-Veranstaltung, ein sogenanntes Scoping-Verfahren, vorausgehen, wobei betroffene Behörden, Naturschutzvereinigungen aber auch die Öffentlichkeit Stellung zu den Antrags- und Planunterlagen nehmen kann. Ziel dabei soll es sein, umweltrelevante Themen möglichst frühzeitig zu ermitteln und eventuelle Probleme mit den Vorhabenträgern zu diskutieren. "Durch die zahlreichen Anregungen und Hinweise der Öffentlichkeit erhoffen wir uns, die Planungen von vorneherein optimieren zu können", sagt Sophie Haupt von der Planfeststellungsbehörde des RP.

Querspange soll 71 Millionen Euro kosten

Zudem informierte der Termin am Donnerstag über den derzeitigen Planungsstand der Straßenverbindung. 3,5 Kilometer lang soll die Querspange werden und vier Spuren bekommen. Geschätzte Kosten: etwa 71 Millionen Euro. Wie Axel Speer von der Abteilung Straßenwesen und Verkehr des RP erklärte, sollen zusätzliche Knotenpunkte zudem zu einer Entlastung der Karlsruher Südtangente führen. Laut einer Verkehrsuntersuchung vom Dezember 2016 wird auf dem Zubringer für das Planjahr 2030 mit einer Reduzierung des Verkehrs um 7.500 Fahrzeuge pro Tag von 72.700 auf 65.200 gerechnet. Für die Querspange selbst prognostizierte man eine Belastung von 26.600 Fahrzeugen pro Tag. 

Axel Speer und Ute Nolda (Mitte) stellen sich den Fragen der Scoping-Teilnehmer.
Axel Speer und Ute Nolda (Mitte) stellen sich den Fragen der Scoping-Teilnehmer. | Bild: Melissa Betsch

Wo die Trasse der Querspange letztendlich verlaufen soll ist jedoch noch nicht entschieden. Speer macht deutlich: "Die Linienführung ist grob abgestimmt. Dennoch stehen wir hier noch ganz am Anfang." Vier Bauvarianten sind bisher im Gespräch, die alle durch ein Waldgebiet mit seltenen Tier- und Pflanzenarten führen. Besonders die anwesenden Naturschutzverbände äußerten daher am Donnerstag ihre Bedenken hinsichtlich der Durchführbarkeit des Bauprojekts. Die dem Scoping-Verfahren nachfolgende UVP soll darüber nun genaueren Aufschluss geben.

Querspange 2. Rheinbrücke
Bild: RP Karlsruhe

Nördliche Trasse "unzumutbar!"

Nicht nur im Hinblick auf die Umwelt, auch bei der Sicherheit sind noch einige Fragen ungeklärt. Dies zeigte sich am Beispiel der nördlichsten Trassenvariante (orange): Weil sie direkt an der Miro-Raffinerie und deren Rohöl-Tanks vorbeiführen soll, sei sie bei eventuellen Störfällen besonders gefährdet. Dies betonte auch Peter Schubert, Störfallbeauftragter der Miro: "Für die Menschen auf der Straße ist das aus störfallrechtlicher Sicht unzumutbar!" Mehrere hundert Meter Sicherheitsabstand seinen laut dem Experten notwendig, um die Nordtrasse überhaupt zu genehmigen. Ein Gutachten soll diese Frage nun im Einzelnen klären.

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