Es ist Donnerstagmorgen, 7 Uhr: Der Polizeibus vor dem Schulgebäude des St. Dominikus Gymnasiums in Karlsruhe ist schon von weitem zu erkennen und gibt den ankommenden Schülerinnen des Mädchengymnasiums einen Hinweis - hier wird heute kontrolliert. 

Schülerinnen schieben ihre Räder nach der Kontrolle zum Schulgebäude.
Bild: Sarah Franke

Polizeikommissar Björn Heybl und sein Team führen Verkehrskontrollen durch, sie wollen die Sicherheit für die Schüler auf ihrem Weg erhöhen. Das Verfahren: Schülerinnen mit verkehrstauglichen Fahrrädern dürfen bis zum Schultor fahren.

Räder von Schülerinnen werden auf ihre Verkehrstauglichkeit kontrolliert
Räder von Schülerinnen werden auf ihre Verkehrstauglichkeit kontrolliert | Bild: Sarah Franke

Mädchen ohne Licht oder mit dunkler Kleidung werden aus dem Verkehr gezogen. Kontrolliert werde, so Polizeikommissar Heybl, dass das Fahrrad verkehrssicher ausgestattet ist und alle Lichter funktionieren.  Die Kontrolle erwischt manchmal nicht nur Schülerinnen des Mädchengymnasiums - sondern auch einen Radler der benachbarten Hebelschule.

Polizeikommissar Heybl macht einen Schüler auf seine fehlende Beleuchtung aufmerksam
Polizeikommissar Heybl macht einen Schüler auf seine fehlende Beleuchtung aufmerksam | Bild: Sarah Franke

Fehlen Reflektoren oder funktioniert etwas nicht, gibt es vom Polizeikommissar einen entsprechenden Zettel mit. Dieser muss von den Eltern unterschrieben und wieder bei der Schule abgegeben werden. Heute allerdings nur für Schülerinnen des St. Dominikus-Gymnasiums, der junge Mann aus der Hebelschule kommt mit einer mündlichen Belehrung davon. 

Fahrad-Check Kontrollzettel hinten.
Fahrrad-Check Kontrollzettel hinten. | Bild: Sarah Franke

Mit den Kontrollen ist die Polizei sehr zufrieden. "Es sind wenige Fahrräder, die wir beanstanden müssen", sagt der Polizeikommissar. "Es waren nur kleine Mängeln. Ganz krasse Verstöße, dass kein Licht dran ist oder die Bremsen nicht funktionieren, ist relativ selten." 

Fahrad-Check Zettel vorne
Fahrrad-Check Kontrollzettel vorne | Bild: Sarah Franke

Bei der Kontrolle wird schnell klar: Das Problem liegt nicht bei den Schülern, sondern bei den Eltern. Heybl und Team müssen noch an anderer Stelle Präventionsarbeit leisten: Bei den Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren. Viele Eltern nutzen die Fahrradstraße, um ihre Kinder bis vor den Haupteingang zu fahren. Und beachteten dabei nur selten das vorgeschriebene Tempolimit von maximal 30 Stundenkilometern.

Problem: Elterntaxi

"Es ist nicht verboten, dass man die Kinder zur Schule fährt", so Heybl. Dennoch sieht der Polizeihauptkommissar mit steigender Autozahl auch eine steigende Gefährdung der Verkehrsteilnehmer. 

Ein Elterntaxi hält vor dem Bismarck-Gymnasium
Ein Elterntaxi hält vor dem Bismarck-Gymnasium | Bild: Sarah Franke

"Die Häufung der Fahrzeuge ist ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Schülerinnen, die nicht mit dem Auto gebracht werden", so Heybl. Diese müssten sich dann an den Autos vorbeischlängeln und werden möglicherweise noch von Eltern gefährdet, die es sehr eilig haben und unaufmerksam sein können.  

Besser: Kinder den Schulweg zeigen

Viel besser ist es ohnehin, wenn Kinder lernen, den Schulweg alleine zu bewältigen. Der Kommissar empfehle Eltern, Kinder ihren Schulweg alleine laufen zu lassen. Sollte der Schulweg zu lang sein und die Kinder mit dem Auto gebracht werden, sollte man die Kinder nicht bis vor das Schultor fahren.

Schülerinnen gahren auf Rädern zur Schule
Schülerinnen fahren auf Rädern zur Schule | Bild: Sarah Franke

"Für uns als Polizei ist natürlich ausschlaggebend, dass wir die Gefahrensituation vor der Schule entspannen wollen. Wir empfehlen, falls man seine Kinder zur Schule bringen muss, dass man mindestens 200-250 Meter vor der Schule die Kinder absetzt, dass die Ballung vor dem Eingang nicht stattfindet." sagt Polizeikommissar Heybl. 

Unter Zeitdruck entstehen gefährliche Situationen 

Besonders nach dem ersten Klingel könne es zu besonders gefährlichen Situationen kommen. "An den Engstellen vor den Schulen wird es richtig gefährlich, wenn es das erste Mal geklingelt hat. Jetzt kommen die eiligen Kinder und rasen hier relativ schnell durch. Gleichzeitig haben wir aber auch berufstätige Eltern, die auf den letzten Drücker kommen und schauen müssen, dass sie noch ins Geschäft kommen. Da entstehen enorm hohe Risikolagen."

An diesem Morgen blieben gefährliche Situationen glücklicherweise aus.  Auch größere Verstöße unter den Radfahrern gab es nicht - nur zwei Schülerinnen erhielten am Donnerstag einen entsprechenden Zettel mit Hinweisen, was sie an ihrem Fahrrad in Ordnung bringen sollen. 

ka-news.de: Hintergrund

In Karlsruhe gibt es eine Zusammenarbeit zwischen Kultusministerium und Innenministerium Baden-Württemberg. Das sind zum einen die Schulen und zum anderen die Polizei. Diese Zusammenarbeit bietet unter dem Namen "Polizeiliche Prävention im Stundenplan", laut Innenministerium, Schulungen zur Gewaltprävention, Prävention von Mediengefahren, Drogenprävention und Verkehrsprävention an.

Zur Verkehrsprävention gehören unter anderen der Fahrradführerschein in den vierten Klassen und eine Radhelmkampagne für sechste Klassen. An einigen Schulen, wie dem St. Dominikus Gymnasium, gibt es außerdem Verkehrsmentoren. Diese werden zweimal im Schuljahr in Seminaren im Bereich Verkehrssicherheit von der Polizei ausgebildet und achten außerhalb von Polizeikontrollen auf die Verkehrssicherung an ihren Schulen.